Raritäten in der Weimarer Jakobskirche: Musik wird mit Hingabe gepflegt

Weimar  Ein musikalisches Geschenk machten Kantor Hans-Christian Martin, das Kammerorchester „Viel Lärm um Nichts“ und Solisten dem Publikum am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Jakobskirche mit der vierten Kantate aus Bachs Weihnachtsoratorium.

Pfarrer Hardy Rylkezeigte sich als Rosenkavalier und überreichte jedem Mitwirkenden des Weihnachtskonzerts als äußeres Zeichen des Dankes eine Rose.Foto: Christiane Weber

Pfarrer Hardy Rylkezeigte sich als Rosenkavalier und überreichte jedem Mitwirkenden des Weihnachtskonzerts als äußeres Zeichen des Dankes eine Rose.Foto: Christiane Weber

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„Fallt mit Danken, fallt mit Loben vor des Höchsten Gnadenthron“, klang so souverän durch die gut gefüllte Kirche, dass der Zauber der Botschaft sich unmittelbar jedem erschloss. Ihr besonderes musikalisches Kolorit erhält die Kantate durch zwei Hörner in den Rahmensätzen anstelle der sonst verwendeten Pauken und Trompeten. Die Hornisten Stephan Katte und Jens Pribbernow intonierten ihren Part meisterlich.

Evangelist Thomas Mäthger (Tenor) berichtet von der Beschneidung und Namensgebung Jesu. „Immanuel, o süßes Wort“, betonte mit seinem kräftigen, wohlkingenden Bass Oliver Luhn. „Flößt, mein Heiland, flößt dein Namen“ stimmte danach mit ihrem strahlend hellen Sopran Anna Kellnhofer an, wirkungsvoll überhöht durch den Echo-Alt von Ulrike Vorwald. Kantor Hans-Christian Martin ließ auf Instrumenten musizieren, wie sie auch zur Zeit Mozarts üblich waren und baute damit eine Brücke zum zweiten großen Programmteil, zur Motette „Exsultate, jubilate“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Traversflöten (Felipe Maximiliano Egana Labrin und Lucia Maestro Jiménez) und das Hammerklavier (Hans-Christian Martin) waren dafür die typischen Instrumente. Das kleine Orchester musizierte sehr ambitioniert. Aufhorchen ließen im virtuos ausgekosteten Programm aber auch das Konzert für Laute (Alon Sariel aus Israel) von Johann Friedrich Fasch und Leopold Mozarts „Frosch-Par­thia“ für Violine, Violoncello und Continuo. Das Publikum dankte mit kräftigem Applaus, und Pfarrer Hardy Rylke überreichte jedem der 13 Mitwirkenden als Dank eine Rose.

Bereits zu Silvester ist in der Jakobskirche das nächste Konzert angesagt: Friederike Vol­lert (Blockflöte) und Hans Christian Martin bringen Musik unter anderem von Bach und Krebs zu Gehör.

Dass die Jakobskirche eine ausgezeichnete Adresse für Musikliebhaber ist, geht auch auf das Konto des sehr engagierten Kantors. Bereits jetzt liegt das Konzept für das Programm 2016 vor, dessen Grundzüge Hans-Christian Martin für unsere Zeitung gern skizzierte: So wird es zwischen dem 7. Mai und dem 5. Juni jeweils samstags um 22 Uhr wieder eine Reihe von insgesamt fünf Nachtkonzerten geben. Im Eröffnungskonzert erklingen Bachs Weimarer Kantaten in originalen Stimmtonverhältnissen: „Himmelskönig, sei willkommen“ (die erste Weimarer Bachkantate) und „Komm, du süße Todesstunde“. Beide Kantaten sind besonders vom Klang der Blockflöten geprägt. Es spielt das Orchester „Viel Lärm um Nichts“ unter der musikalischen Leitung von Hans-Christian Martin. Voraussichtlich am 14. Mai wird sich ein Boccherini-Konzert mit Erstaufführungen anschließen. Der Geiger Leopold Nicolaus und Hans-Christian Martin haben diesen „unglaublichen Komponisten neu entdeckt“ und werden ein bis zwei Stücke neu edieren und zum ersten Mal wieder aufführen. Es spielt das Streichquartett aus dem Orchester „Viel Lärm um Nichts“. Am 21. Mai ist ein Schauspielabend mit Christian Klischat (ehemals DNT) zu „Die Offenbarung des Johannes“ geplant. Außerdem stehen ein Harfenkonzert und ein Konzert mit neuer Musik im Programm der Nachtkonzerte.

Wie Hans-Christian Martin ankündigt, sind weitere feste Säulen im kirchenmusikalischen Programm der Jakobskirche das Konzert am Ewigkeitssonntag, wo neben „Actus tragicus“ von Bach das eher unbekannte, doch sehr sublime Requiem Es-Dur von Johann David Heinichen erklingt, das Konzert am ersten Advent mit Musik aus Renaissance, Barock und aus dem 20. Jahrhundert, sowie das Weihnachts- und das Silvesterkonzert. Auf eines können Musikfreunde sich stets verlassen: Hans-Christian Martin gelingt es immer wieder, Raritäten der Konzertliteratur auszugraben und erklingen zu lassen.

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