Weimarer Tempelherrenhaus ziert neue Moby-Doppel-Single

Eine Ruine macht Karriere: Das Tempelherrenhaus im Park an der Ilm zu Weimar wird das Cover der neuen Single von Moby zieren. Der Elektropop-Star, der seit dem Album "Play" von 1999 weltberühmt ist, fotografierte das einstige Atelier der Bauhausmeister selbst.

Der Musiker Moby hat die Ruine des Tempelherrenhauses im Ilm-Park im Sommer entdeckt. Von seinem Kurzbesuch in Weimar war er überaus angetan. Foto: Candy Welz

Der Musiker Moby hat die Ruine des Tempelherrenhauses im Ilm-Park im Sommer entdeckt. Von seinem Kurzbesuch in Weimar war er überaus angetan. Foto: Candy Welz

Foto: zgt

Weimar. "Moby hat die Cover-Frage entschieden: Er tut dies fast immer", sagte Heike Volz von der Berliner Embassy of Music GmbH. Während Moby, der bürgerlich Richard Melville Hall heißt, sein im Mai veröffentlichtes Album "Destroyed" international auf seinem eigenen Label "Little Idiot" veröffentlicht hat, geschieht dies in Deutschland und Österreich über die Berliner Plattenfirma.

"Moby ist ein begeisterter Fotograf und hat in der Vergangenheit mit seinen Fotos viele seiner Alben illustriert", erklärte Volz. So passt es zusammen, dass das zehnte Album "Destroyed" von einem Bildband und einer Fotoausstellung ergänzt wurde. Während die Songs von schlaflosen Nächten in Hotelzimmern künden, zeigt der Bildband das Leben auf einer Tour.

Laut Volz erscheine die Dopple-Single "The Right Thing" und "After" am 9. Dezember, eben mit jenem Foto vom Tempelherrenhaus, für das der Musiker im Sommer dieses Jahres selbst den Auslöser drückte. Im Line-up von "SonneMondSterne" an der Bleilochtalsperre war der 46-jährige US-Amerikaner einer der Programmhöhepunkte des Festivals für elektronische Musik, wobei er die Nacht zum 13. August allerdings im Hotel "Elephant" in Weimar verbrachte. Wahrscheinlich am Morgen danach dürfte ihn ein Spaziergang in den Park geführt haben, wo er das Tempelherrenhaus entdeckte.

Auf seinem Internet-Blog und auf seiner Facebook-Seite erklärt Moby den Hintergrund des Bildes, da er offenbar bereits mehrfach nach der Ruine gefragt wurde ("Drehort für den neuen Hobbit-Film?"). So schrieb Moby vor wenigen Tagen: "Es ist ein Bild, das ich in einem Park in Weimar, Deutschland, gemacht habe. Ich war vorher noch nie in Weimar, blieb aber im Sommer für einen Tag dort. Jetzt zählt die Stadt zu meinen neuen Lieblingsplätzen, zumal Goethe und Bach dort zu Hause waren (...). Es ist ein wirklich schöner Ort."

Bereits am 15. August postete der Musiker in seinem Tourtagebuch, dass er gar nicht glauben könne, dass Goethe, Bach, Thomas Mann und viele andere Schriftsteller und Musiker mehr hier gelebt beziehungsweise die Stadt besucht hätten und dass das Bauhaus seinen Ursprung in Weimar gehabt habe. Und für die reinen Musik-Freaks unter seinen Fans fügte er an: Gemeint sei Gropius' Bauhaus, nicht Peter Murphys Bauhaus, so Moby über eine Band gleichen Namens die Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre in Szenekreisen erfolgreich war.

Immerhin: Über 2100-mal hat die Facebook-Gemeinde den "Gefällt-mir"-Button zum Bild angeklickt, wobei die Kommentare durchweg positiv sind. "Abgesehen davon, dass Du ein wunderbarer Musiker bist, Du bist auch ein großer Fotograf ... wirklich schön!", schrieb zum Beispiel Pedro Barros. Und Yanina Ibel Mandra meinte: "Erstaunlich! Ich habe einen Weimaraner, also sollte ich eines Tages aufbrechen und meinem Hund zeigen, wo er herkommt."

Für Weimar ist Mobys Facebook-Seite mit weit über einer Million Freunden eine gute Gratiswerbung. Lustig ist, dass ausgerechnet ein Weimarer, kein Weimaraner, mit einer Fehlinformation aufwartete. So postete Ratsherr Pierre Deason, dass die Ruine ein Fake sei. Hier irrte er. Im Gegensatz zur künstlichen Ruine vis-a-vis wurde das Tempelherrenhaus, das dem Bauhaus-Meister Johannes Itten zum Beispiel als Atelier diente, im Zweiten Weltkrieg tatsächlich von einer Bombe getroffen.

Zur offiziellen Fanpage von Moby

Zur Facebook-Fanpage von Moby