Party auf dem Campus, Gänge durch die Stadt

Die Bauhaus-Universität Weimar feiert Jubiläum mit Festakt und Veranstaltungen und stellt sich ihrer Vorgeschichte.

?Wir sind! Wir wollen! Und wir schaffen!? Theres, Thomas, Juliane, Philipp, Marie, Max, Carolin, Julian und Romy (v.l.) setzen  Oskar Schlemmers Ausspruch kreativ um. Foto: Peter Michaelis

Foto: zgt

"Kreativität" steht auf dem orangefarbenen Schild von Romy. Das Wort wird an der Bauhaus-Universität Weimar schon immer hoch gehalten, nicht nur, wenn sich Studenten zum Jubiläums-Foto versammeln. Ohne Kreativität läuft hier nichts - weder in der Lehre noch in den Werkstätten und Forschungslaboren, und schon gar nicht, wenn man miteinander feiert. "Keine Party ohne kreativen Input", schwören die Studenten. Da will selbst der Rektor niemandem die Feierlaune verderben und verheißt einen unkonventionelleren Festakt, bei dem zwar festlich geredet wird (unter anderen Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht), aber zwischendurch auch Bilder- und Klangwelten erzeugt werden. Schließlich sei man eine Hochschule, die "kreativ und innovativ tätig und auf Gestaltung der Welt" aus ist.

Ein Jubiläum steht der 1996 nach einer ihrer Vorgängereinrichtungen benannten Bauhaus-Universität Weimar ins Haus: Am 1. Oktober 1860 wurde die Großherzoglich-Sächsische Kunstschule Weimar gegründet. Dieses Datum markiert den Ausgangspunkt für die wechselvolle Geschichte der Hochschule, die über das Staatliche Bauhaus, die Hochschule für Architektur und Bauwesen bis zur Bauhaus-Universität führt, in der heute Kunst und Architektur wieder vereinigt sind und - den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts entsprechend - Neue Medien mit den Ton angeben.

Deren Einsatz wird sich wie ein roter Faden vom Festakt in der Weimarhalle bis zur Geburtstagsparty am Abend auf dem Campus und im von Henry van de Velde entworfenen Hauptgebäude ziehen. Aber auch das Profane kommt nicht zu kurz: 800 Thüringer Rostbratwürste sind bestellt, die Bierkästen stapeln sich, drei Bars werden aufgebaut. Zusätzlich zur Band Bursting Soundchick sollen ein DJ und ein VJ zum Einsatz kommen, verrät Architekturstudent Maximilian Merkel (mit grauer Dreiecksmütze). Ein VJ? - "Na, ein Visual Jockey, der die Audio-Performance per Computer- und Videotechnik um eine visuelle Komponente bereichert." Wohl eine Art Lichtkompositeur; Bilder werden per Beamer den Tönen und Bewegungen angepasst.

Gestaltung ganz anderer Art kann man ab 30. September in der Universitätsgalerie "marke.6" im Neuen Museum bewundern, wo die besten studentischen Arbeiten des letzten Studienjahres gezeigt werden, oder im Hauptgebäude, in dem unter dem Titel "Chroma" eine Ausstellung mit junger Malerei aus der Bauhaus-Universität gezeigt wird. Denn gefeiert wird nicht nur auf dem Campus, sondern überall in der Stadt.

Tradition trifft auf Spitzentechnologie

Dafür haben Studierende spezielle Führungen vorbereitet, für die Thomas Apel als Verantwortlicher das blaue Schild ("Geschichte") hochhält. Carolin Boeck (gelbes Schild "Forschung") hält die Verbindung zu den Alumni, die als Ausstellende und Performer am Jubiläum ihrer ehemaligen Ausbildungsstätte beteiligt sind.

Entstanden ist eine begehbare "Karte" historischer und aktueller Vernetzung der Bauhaus-Universität mit der Stadt Weimar. Gestartet werden die Spaziergänge am 1. Oktober sowohl an der Weimarhalle als auch am "Bauhaus.Atelier", das, direkt hinterm Hauptgebäude gelegen, als Café und Treffpunkt dient. Spannend dürfte vor allem die Exkursion in die 150-jährige Geschichte werden, die in der Zukunft beginnt - am Minolplatz, wo 2015 das neue Bauhaus-Museum eröffnet werden soll -, am ehemaligen Gauforum vorbei führt und mit dem Kasseturm am Goetheplatz auch den ältesten Studentenklub der DDR würdigt (1962 eröffnet). Alternativ führt der Rundgang "Forschung" schnurstracks in die Labore der Fakultät Bauingenieurwesen in der Coudraystraße beziehungsweise der Fakultät Medien in der Bauhausstraße, wo von Fachleuten Spitzentechnologie vorgeführt wird. Und last but not least schließt der Rundgang "Kreativität" Orte studentischen Wirkens wie die Galerie Eigenheim, das Künstlerhaus hinter dem Bauhausmuseum oder die Druckwerkstatt der Fakultät Gestaltung ein.

Einen umfassenderen Einblick in die Geschichte der Hochschule geben sowohl die große Jubiläumsausstellung "ZUR Bauhaus-Universität Weimar 1860-2010", die am 1. Oktober im Hauptgebäude eröffnet wird, als auch die zweibändige Jubiläumspublikation "Wir sind! Wir wollen! Und wir schaffen! - Von der Großherzoglichen Kunstschule zur Bauhaus-Universität Weimar", deren erster Band (bis 1945) schon am 30. September vorgestellt wird. Die Publikation mit Beiträgen von 14 Autoren zeige, dass die 150-jährige Geschichte der Hochschule nicht einheitlich verlaufen ist, sondern von Brüchen und Fortschritt, aber auch von Stagnation geprägt war, erklärte Gerd Zimmermann, der mit Frank Simon-Ritz, dem Direktor der Universitätsbibliothek, und dem Emeritus Klaus-Jürgen Winkler als Herausgeber fungiert.

Nimmt man Festakt, Rundgänge, Ausstellungen, Publikation und Party als ein von Dozenten, Mitarbeitern und Studenten gemeinsam gestaltetes "Gesamtkunstwerk", erfährt man viel über Herkunft und Standortbestimmung der heutigen Bauhaus-Universität. Und angesichts der noch kommenden Feste kann es nicht schaden, beim kreativen Feiern kräftig in der Übung zu bleiben. Denn für Weimar gilt mehr denn anderswo: Nach dem Jubiläum ist vor dem Jubiläum!

Zur Sache

Mit einem großen Fest erinnern Mitarbeiter und Studenten der Bauhaus-Universität Weimar am 1. Oktober an die Gründung der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar vor 150 Jahren. "Es war der erste Schritt hin zur heutigen Bauhaus-Universität, die in dieser Tradition steht", erklärt deren Rektor, Prof. Gerd Zimmermann. Die Geschichte der Hochschule wurde von Fortschritten und Brüchen begleitet, die mit einer Ausstellung und einer Jubiläumspublikation erhellt werden.

30. September: Präsentation der Jubiläumspublikation (15 Uhr, Hauptgebäude); Eröffnung der Ausstellung "Abwesenheitsnotizen - Anja Bonhof und Karen Weinert. Fotografien" (17 Uhr, Haus am Horn); Ausstellungseröffnung "Bauhaus Essentials 2010" (18 Uhr, Neues Museum).

1. Oktober

  • Festakt (11 Uhr, Weimarhalle)
  • Geführte Rundgänge (13.30 Uhr ab Weimarhalle und 15.30 Uhr ab Bauhaus.Atelier)
  • Eröffnung der Jubiläumsausstellung "ZUR Bauhaus-Universität Weimar 1860-2010" (17.30 Uhr, Hauptgebäude)
  • Großes Geburtstagsfest (ab 19.30 Uhr, Campus und Hauptgebäude)

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