Präsente zum Jubiläum der Bauhaus-Universität Weimar

Pünktlich zum heutigen Festakt ist er da - der erste Teil der zweibändigen Jubiläumspublikation "Von der Großherzoglichen Kunstschule zur Bauhaus-Universität Weimar - 1860-2010".

Zwei selbstgemachte Geschenke der Bauhaus-Uni: Die Herausgeber (v.r.n.l.) Gerd Zimmermann, Frank Simon-Ritz und Klaus Jürgen Winkler mit der Jubiläumspublikation und Kuratorin Christiane Wolf in der Ausstellung im Oberlichtsaal.

Foto:Peter Michaelis

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Weimar. Das Werk, an dem 14 Autoren mitgewirkt haben, wurde gestern druckfrisch im Foyer des Hauptgebäudes präsentiert, dem "Pantheon der Uni", wie Rektor Prof. Gerd Zimmermann den Ort, an dem Henry van de Velde und Walter Gropius wirkten, scherzhaft nannte. Das Oskar-Schlemmer-Zitat "Wir sind! Wir wollen! Und wir schaffen!" ziert filigran die großformatige, in helles Leinen gebundene Festschrift, in deren Gestaltung Klassizität und Moderne eine spannungsvolle Einheit bilden. Und quasi als zweites Standbein der Aufarbeitung von Geschichte und Tradition der Einrichtung wird heute im Oberlichtsaal die Ausstellung "ZUR Bauhaus-Universität Weimar" eröffnet.

Aufbrüche und vielfaches Scheitern, aber auch die Kontinuität einer gestalterischen, in die Welt wirkenden Idee kennzeichnen den 150-jährigen widersprüchlichen Weg zur heutigen Bauhaus-Universität, der im ersten Band bis zum Kriegsende 1945 dokumentiert wird. Am Anfang stand mit der Großherzoglichen Kunstschule die bildende Kunst im Vordergrund. Später kamen die Bildhauer und die Architekten hinzu. Die Hochzeit der Weimarer Malerausbildung gegen Ende des 19. Jahrhunderts lockte so prominenter Künstler wie Max Liebermann, Christian Rohlfs und Max Beckmann zum Studium nach Weimar.

Innerhalb der von Gerd Zimmermann, Frank Simon-Ritz und Klaus Jürgen Winkler herausgegebenen Publikation nimmt das 1919 von Walter Gropius gegründete Staatliche Bauhaus Weimar eine Schlüsselrolle ein, doch nicht weniger wichtig sind die von Sigrid Hofer und Dieter Dolgner verfassten Kapitel zur Rolle der Hochschule in der Zeit des Nationalsozialismus. Hier - und Ähnliches gilt für die DDR-Zeit in dem für Februar/März 2011 geplanten zweiten Band - werden "weiße Flecken" der Geschichtsschreibung getilgt.

Schon bald nach seiner Ernennung zum Rektor 1930 begann der Architekt Paul Schultze-Naumburg, die von modernen, progressiven Tendenzen geprägte Hochschule zu "säubern" und ihr eine antimoderne, deutschtümelnde Orientierung zu verpassen und für deren Gleichschaltung im NS-Hochschulbetrieb zu sorgen.

Der Neuanfang nach 1945 vollzog sich unter den Bedingungen der sowjetischen Besatzungsmacht und dem Aufbau des Sozialismus in der DDR; mit der Schließung der Abteilung "Bildende Kunst" 1951 wurde die 90-jährige Tradition der Künstlerausbildung unterbrochen. Die Formalismusdebatte und das dogmatische Beharren auf dem sozialistischen Realismus führten 1960 dazu, dass das 100. Gründungsjubiläum nicht gefeiert wurde. 1985, das werden die Beiträge im zweiten Band belegen, begann eine differenziertere Betrachtung der Bauhaus-Zeit.

Wer nicht bis Februar warten will, kann sich bereits jetzt mit Hilfe der Ausstellung einen Überblick verschaffen. Auf 150 Plexiglastafeln werden 150 Jahre Weimarer Hochschulgeschichte lebendig. Parallel dazu verlaufen als mehrbündiger Zeitstrahl die verschiedenfarbig markierten Schulen, wodurch Traditionsbrüche und politische Zäsuren erkennbar werden. Kleine Edelstahltafeln vermitteln Einblick in die interne Universitätschronik.

"Die Enge des Oberlichtsaales war eine Herausforderung für die Gestalter, die eine Unmenge von Fotografien und Dokumenten unterbringen mussten", erzählt Christiane Wolf, die mit Norbert Korrek, Gregor Sauer und Kai Meining die Schau kuratiert hat. Transparenz heißt die Lösung: Der Betrachter hat eine Reihe der Tafeln im Blick und sieht zugleich deren Fortsetzung dahinter. Zu sehen sind beispielsweise bisher noch nicht veröffentlichte Fotos von den Bauarbeiten zu den Kunsthochschulgebäuden oder von illustren Festen aus der Zeit der Großherzoglichen Kunstschule. In detaillierten Recherchen haben das Archiv der Moderne und die Professur Theorie und Geschichte der Modernen Architektur den Gestaltern zugearbeitet.

Heute Festakt in der Weimarhalle (11 Uhr); Ausstellungseröffnung im Uni-Hauptgebäude (17.30 Uhr); weitere Veranstaltungen unter: www.uni-weimar.de

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