Schauspielhaus in Erfurt öffnet wieder für Kulturszene

Altstadt  Das 2003 geschlossene Schauspielhaus öffnet wieder. Der Verein Kulturquartier öffnet das Objekt im Klostergang und gibt einen Vorgeschmack auf Zukünftiges.

Rühren die Werbetrommel für einen besonderen Abend am 14. November: Die Kulturquartier-Mitglieder Tely Büchner, Thomas Schmidt und Inga Hettstedt (von links). Foto: Maik Ehrlich

Rühren die Werbetrommel für einen besonderen Abend am 14. November: Die Kulturquartier-Mitglieder Tely Büchner, Thomas Schmidt und Inga Hettstedt (von links). Foto: Maik Ehrlich

Foto: zgt

Tely Büchner sieht es klar vor ihrem geistigen Auge. Ins Schauspielhaus im Klostergang zieht neues Leben ein: Das seit zwölf Jahren einen Dornröschenschlaf schlummernde Haus wird ein Ort für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft. „Das Schauspielhaus wird ein Ort, der ständig lebendig ist“, erklärt Tely Büchner vom Verein Kulturquartier Erfurt.

Herzstück in dem Konzept soll der große Saal werden als Spielstätte für Tanztheater, Theater, Konzerte und Lesungen. Zudem soll es im Schauspielhaus drei Kinosäle für Konzeptkino geben. Im ehemaligen Bühnenturm werden gläserne Büros, Ateliers und Werkstätten errichtet. Für kulinarische Freuden sollen ein Restaurant und ein Café sorgen.

Bereits 2018 könnte es so weit sein. Und schon morgen können die Erfurter davon einen Eindruck gewinnen. Denn der Verein Kulturquartier öffnet am Sonnabend, 14. November, das Schauspielhaus und gibt einen Vorgeschmack auf das zukünftige Geschehen.

Ab 18 Uhr stehen das Foyer und der Kinosaal für die Besucher offen. Jeweils um 19, 20 und 21 Uhr beginnen gut halbstündige Vorführen, bei denen Musiker, Lichtkünstler, Tänzer und Schauspieler agieren: Mahalo, Lotus Lumina, das Tanztheater Erfurt, der Kammermusikverein Erfurt, die Schotte und der Kinoklub Hirschlachufer sind mit von der Partie. Für die Vorstellungen wird ein Eintritt in Höhe von 3 Euro erhoben.

Im Foyer stellt der Verein Kulturquartier seine konkreten Pläne vor und dabei wird der Architekt Thomas Schmidt bestimmt ein gefragter Mann sein. Aber die Besucher können auch selbst aktiv werden und sich in die Genossenschaft einschreiben: Eigentümer- und Betreibergesellschaft soll nämlich eine vom Kulturquartier initiierte Genossenschaft werden. „Gemeinsam wollen Genossenschaft und Verein das Schauspielhaus zu einem Ort von Bürgern für Bürger entwickeln“, erklärt Inga Hettstedt vom Kulturquartier.

„Um die notwendigen Eigenmittel für den Kauf und die Entwicklung des Schauspielhauses aufzubringen, haben wir das Ziel ausgerufen, 1000 Mitglieder mit Anteilen zu je 1000 Euro zu gewinnen“, ergänzt Tely Büchner.

Gegen 22 Uhr wird der Theatersaal geschlossen und das Party-Geschehen ganz in das Foyer verlagert. Es darf getanzt werden. Eine Bar sorgt für das leibliche Wohl.

Im September 2015 beauftragte der Erfurter Stadtrat einstimmig den Verein Kulturquartier Erfurt, ein Konzept für das Schauspielhaus zu entwickeln. Mit der Öffnung des Schauspielhauses will nun das Kulturquartier über seine Vorhaben informieren und möglichst viele neue Mitstreiter und Unterstützer gewinnen.

Im Sommer 2016 möchte der Verein dem Stadtrat das Konzept mit bestätigten Finanzierungsplan und ausgearbeiteten Bauplan vorlegen. Baubeginn könnte 2017 sein, Fertigstellung 2018. Dann müsste auch ein Zitat einer ehemaligen Mitarbeiterin des Schauspielhauses, das immer noch an der Wand im Foyer zu lesen ist, aktualisiert werden: „Dieses Haus wird immer zu meinem Leben gehören, aber jetzt ist es Vergangenheit.“

Bisher erlebte das Ensemble im Klostergang 106 tolle Jahre: 1897 zog der Verein „Ressource“ in das neu gebaute Haus ein. Die feine Gesellschaft feierte dort, spielte Billard, aß und lauschte Konzerten. 1949 wurde das Haus als Theater eröffnet. 1984 bis 1988 erfolgte ein umfangreicher Umbau. 2003 wurde schließlich das Schauspielhaus geschlossen.

Weitere Informationen zum Verein Kulturquartier und der Öffnung des Schauspielhauses unter: www.kulturquartier-erfurt.de