Schloss Ettersburgs Pfingstfestival lockt mit Lesungen und Konzerten

Weimar  Das Pfingstfestival Schloss Ettersburg wird hier vom 19. bis 31. Mai zum fünften Mal veranstaltet. Prominente Schauspieler, Musiker, Sänger, Schriftsteller, Publizisten und Philosophen sind dabei aus exklusiver Nähe zu erleben.

Zauberhafte Kulisse für Lesungen, Gespräche und Konzerte mit Anspruch: Schloss und Park Ettersburg bei Weimar bilden auch den historischen Hintergrund für das Pfingstfestival, das in diesem Jahr zum fünften Mal veranstaltet wird. Foto: Marco Kneise

Zauberhafte Kulisse für Lesungen, Gespräche und Konzerte mit Anspruch: Schloss und Park Ettersburg bei Weimar bilden auch den historischen Hintergrund für das Pfingstfestival, das in diesem Jahr zum fünften Mal veranstaltet wird. Foto: Marco Kneise

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Das nur wenige Kilometer nördlich von Weimar gelegene Schloss Ettersburg, einstiger „Musenhof“ Herzogin Anna Amalias, gehört heute zum Unesco-Kulturerbe. „Wir wollen künftig öfter hierher kommen“, schwärmte Goethe 1827. „Hier fühlt man sich groß und frei wie die große Natur, die man vor Augen hat, und wie man eigentlich immer sein sollte.“ Gelegenheit dazu bietet das Pfingstfestival Schloss Ettersburg, das hier vom 19. bis 31. Mai zum fünften Mal veranstaltet wird. Prominente Schauspieler, Musiker, Sänger, Schriftsteller, Publizisten und Philosophen sind dabei aus exklusiver Nähe zu erleben. Unter dem Motto „Vorwärts und schnell vergessen? - 25 Jahre deutsche Einheit“ hat Intendant Peter Krause ein anspruchsvolles, facettenreiches Programm zusammengestellt. Wir sprachen mit ihm über das Besondere dieses Festivals.

Hannelore Hoger, Meret Becker, Edgar Selge, Edith Clever, Franziska Walser, Sibylle Lewitscharoff um nur einige prominente Namen zu nennen - gehören zur Crème de la Crème der Schauspieler und Literaten. Was lockt sie auf Schloss Ettersburg?

Der Ort und seine Geschichte. Vor fünf Jahren, als wir mit dem Festival starteten, kannte kaum jemand dieses Schloss. Inzwischen hat sich herumgesprochen, was für eine große kulturelle Tradition hier gepflegt wird - immer im Spannungsfeld von Hochkultur und Barbarei, denn ganz in der Nähe haben die Nationalsozialisten das Konzentrationslager Buchenwald errichtet. Es ist also ein sehr ambivalenter Ort. Freigeistig und sehr lebendig zur Goethe-Zeit. Und später, zur Hitler-Zeit, ein Ort des Grauens und des Wegschauens.

Wie spiegelt sich das im Programm?

Wir spielen nicht nur „Iphigenie“, jenes Stück, das Goethe hier in der ersten Prosafassung vollendet hat, und Werke von Johann Sebastian Bach, der im Festsaal des Alten Schlosses musizierte. In Lesungen und Gesprächen wird auch die Janusköpfigkeit Weimars thematisiert - und Deutschlands, das zwei Weltkriege entfesselt hat. Das geschieht nicht aufdringlich, aber der Ort spielt immer mit.

Schloss Ettersburg ist ja auch, und zwar ganzjährig, ein Bildungs- und Tagungsort. Wie passt sich das Festival da ein?

Es geht darum, das Schloss zu revitalisieren. Das geschieht ganzjährig mit Bildung, Wissenschaft und Kultur. Wir haben ja hier über die Demografie-Stiftung Schloss Ettersburg auch noch eine Forschungseinrichtung. Die kulturelle Aura ist in dem Gesamtkonzept aber eine wichtige Säule. 2014 stand der Erste Weltkrieg im Mittelpunkt des Pfingstfestivals. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf Deutschland. Dabei geht es nicht nur um die letzten 25 Jahre, sondern auch Otto von Bismarck oder 70 Jahre Kriegsende spielen eine Rolle. Ein bisschen fokussiert sich das alles in dem Bild „Der deutsche Genius“, das Harald Reiner Gratz für Ettersburg malt. Der Schmalkalder Maler ist auch mit einer Ausstellung zu erleben, die Hans-Dieter Mück kuratiert hat.

Das Festival erstreckt sich über zwei Wochen. Allein am Pfingstsonntag gibt es sechs Veranstaltungen. Am Pfingstmontag nochmals fünf. Ist das nicht ein bisschen gewagt?

Mit 30 Veranstaltungen an 13 Tagen ist es noch etwas dichter geworden. Doch angesichts der Attraktivität, die der Ort und unser Programm bieten, sehe ich da kein Problem. Gut, wir spielen in relativ kleinen Räumen. Der Gewehrsaal fasst bei Clubkonzerten maximal 200 Leute. Wir bieten aber auch von Alter Musik über klassische Musik bis zu anspruchsvollem Jazz und Pop eine außergewöhnliche Spannbreite.

Mit wie viel Besuchern rechnen Sie?

Im vergangenen Jahr hatten wir fast 3000 verkaufte Karten. Wenn die Sloterdijk-Veranstaltung nicht ausgefallen wäre, hätten wir wohl auch diese Marke geknackt.

Das Konzept erinnert stark an das von Schloss Neuhardenberg, das Bernd Kauffmanns Handschrift trägt. Deshalb ist es wohl auch kein Zufall, dass Sie den ehemaligen Klassik-Präsidenten und „Kulturstadt ’99-General“ eingeladen haben?

Wir arbeiten durchaus zusammen. Aber die Schwerpunkte sind letztlich verschieden. Bei uns geht das Nutzungskonzept vor. Das heißt, wenn ich langfristig ein Theaterstück plane und kriege kurzfristig eine Tagung herein, habe ich ein Problem. Dann weiß ich nicht, wie ich die Künstler unterbringen soll. Gut, jetzt schließen wir für die Zeit des Festivals das Haus.

Worüber wird Bernd Kauffmann sprechen?

Über die „Seufzer des Digitalen“. Das ist ein Zitat von Rebekka Horn, die man von den früheren Kunstfesten in Weimar gut kennt. Es geht um Kultur im Zeitalter der globalen Netze.

In den vergangenen Jahren gab es Weimarer Theaterinszenierungen, die eng mit dem Ort verknüpft waren. Warum machen Sie in diesem Jahr keine Eigenproduktion?

Das ist nicht immer zu schaffen, denn ich mache die Planung ja im Prinzip ganz allein. Ich habe keinen Mitarbeiterstab. Gegen Ende des Festivals gibt es eine kleine Inszenierung „Musik und Lyrik in Zeiten des Krieges“ mit Gedichten von Georg Trakl. Der Sprecher ist Dimitrij Schaad, der Shooting-Star des Berliner Gorki-Theaters.

Der Historiker Hubertus Knabe, der im Gespräch mit Justus H. Ulbricht zu erleben sein wird, hat einen anderen Blick auf Deutschland als der Publizist Henryk M. Broder, den TLZ-Chefredakteur Bernd Hilder befragen wird. Mit „Am Rande des Nervenzusammenbruchs. Über Deutschland in der Welt“ hat Broder den Abend überschrieben.

Sie wissen, dass ich geistig nicht gerade zur Enge neige. Die Vorträge und Gespräche sollten nach Möglichkeit kontrovers und spannend sein. Cora Stephan, zum Beispiel, wird aus einem noch unveröffentlichten Roman lesen, ebenso die Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff. Nehmen Sie zum Beispiel Jörg Baberowski, der über „Stalins Vermächtnis“ reden und mit Sergej Lochthofen einen kompetenten Gesprächspartner haben wird. Oder den Historiker Götz Aly, der über das deutsche „Volk ohne Mitte“ spricht, oder Gerd Koenen, der gerade an einer Weltgeschichte des Kommunismus schreibt.

Ist das, in so geballter Ladung, nicht ein bisschen elitär?

Dazu stehe ich. Wie ich andererseits auch, was die Clubkonzerte betrifft, keine Unterhaltung ohne einen gewissen Anspruch bieten möchte.

Zum Beispiel?

Na, Uschi Brüning, Ernst-Ludwig Petrowsky und das Matthias Bätzel Trio. Zu Meret Becker muss ich nichts sagen. Es geht mir auch um Entdeckungen wie die junge Sängerin Hannah Köpf. Oder die „Queenz of Piano“, die den Thüringer Kleinkunstpreis gewonnen haben.

Keine Konkurrenz zum Weimarer Kunstfest?

Nein. Wir machen das, um dem Ort mit Schloss Ettersburg und dem ehemaligen KZ die Würde zu geben, die er verdient. Wir haben einen viel kleineren Etat, ohne irgendwelche öffentlichen Mittel.

Was bieten Sie darüber hinaus zur Entspannung an?

Na, zum Beispiel am Pfingstsonntag den Spaziergang durch den Ettersburger Park - unter der Führung von Jürgen Jäger, dem ehemaligen Gartendirektor der Klassik-Stiftung.

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