Tag der offenen Töpfereien in Weimar und dem Weimarer Land

Publikumswirksam drehten sich am Wochenende die Töpferscheiben in Weimar und im Weimarer Land. Für die Keramiker waren die beiden Tage der offenen Tür keine Kür, sondern geradezu Pflicht, sich ins öffentliche Gedächtnis zu bringen.

Einblick: Überrascht von der Resonanz war auch Anke Zapf, die in Kromsdorf ihre Werkstatt hat. Die aus dem Fränkischen stammende 32-Jährige zog es vor knapp drei Jahren mit ihrem Sohn (9) in das Weimarer Land.  Foto: Candy Welz

Einblick: Überrascht von der Resonanz war auch Anke Zapf, die in Kromsdorf ihre Werkstatt hat. Die aus dem Fränkischen stammende 32-Jährige zog es vor knapp drei Jahren mit ihrem Sohn (9) in das Weimarer Land. Foto: Candy Welz

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Weimar/Weimarer Land. Drößnitz findet man nicht per Zufall. So gesehen war Antje Reinhardt überrascht, wie groß die Resonanz am Samstag war: Seit 2005 lebt sie nunmehr mit ihrer Familie in dem Blankenhainer Ortsteil und hat parallel zum Hausbau ihre Werkstatt aufgebaut. Reinhardt, die unter anderem eine Lehre zur Bauke-ramikerin absolvierte und an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein studierte, verarbeitet Steinzeug und Porzellan zu Gebrauchskeramik, schafft aber auch künstlerische Einzelstücke wie den Zyklus Monatsbilder.

Neben dem Vordrehen an der Töpferscheibe standen bei der 37-Jährigen vor allem Fragen zu Techniken und zum Dekor im Mittelpunkt. Trotz eines kleinen Kundenstamms sei es wichtig, auf Märkten präsent zu sein. "Auch wenn es ein irrwitziges Unterfangen ist, jedes Mal die zerbrechlichen Waren ein- und auszupacken." Zum Handwerkstag im Freilichtmuseum in Hohenfelden ist die gebürtige Jenenserin am 3. April präsent.

Anderer Ort, anderes Ambiente: In der alten Feuerwache in Kromsdorf, die als studentisches Wohn-, Kultur- und Arbeitsprojekt 1993 startete, leben und arbeiten 15 junge Frauen und Männer, unter ihnen Anke Zapf. Die aus dem Fränkischen stammende 32-Jährige zog es vor knapp drei Jahren mit ihrem Sohn (9) in das Weimarer Land. Während sie früher primär für Mittelaltermärkte töpferte, wurde ihr das Korsett zu eng: "Ich kann jetzt kreativer sein und meine Gebrauchskeramik auch anderswo anbieten." Die Töpferin ist nur auf Märkten präsent. "Das Reisen ist anstrengend. Aber jeden Morgen ein Geschäft aufzuschließen, ist auch anstrengend." Neben ihr boten der Glasbildner Michael Olschweski und die Holzbildhauerin Melanie Braungart Werkstatt-Einblicke.

Tabea Surel (Jahrgang 1976) wusste von klein auf, dass das Töpferhandwerk ihre Berufung ist. "Meine Eltern hatten schon immer schöne Keramik auf dem Tisch stehen", sagt die gebürtige Berlinerin. Frühzeitig besuchte sie erste Keramikkurse. Seit fünf Jahren ist die Absolventin der Hedwig-Bollhagen-Werkstätten Marwitz in Weimar ansässig. Nach einer ersten Station in der Oberen Schlossgasse fand sie 2009 im Mittelhof von Oberweimar einen Ort für ihre Werkstatt. Diese gestaltete sie für ihr zum Ausstellungsraum um. Surel präsentierte unter anderem die Fayence, eine Technik der Inglasurmalerei. Bislang setzt sie bei ihren Schalen, Bechern, Vasen auf tonige Oberflächen.

Im werbenden Sinne ist ihr die Veranstaltung eine Notwendigkeit. Und auch sonst gilt: "Man muss sehr rührig sein." Zwar erlebt Tabea Surel durchaus die Bereitschaft, gutes Geld für gute Keramik auszugeben. Dafür fährt die Freiberuflerin aber auf Märkte in ganz Deutschland, Österreich und den Niederlanden.

"Ich werde überall genommen, nur nicht in Weimar", sagt Surel lächelnd. Sie ist kein Mitglied der Innung und hatte deshalb beim hiesigen Töpfermarkt bislang das Nachsehen. Präsent ist sie hingegen am ersten Aprilwochenende in Erfurt sowie im Juni auf Markt in Jena.

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