Warum es in Weimar eine Bibliothek auf der Straße gibt

Eine Bibliothek, die keine Schließzeiten, kein Aufsichtspersonal und keine Mitgliedschaft kennt, die draußen auf der Straße steht mit Zugriff für jeden, der gerade was zum Schmökern braucht: Kann so etwas gut gehen?

Von Jürgen Beckers Gedichten bis Enid Blytons Dolly-Roman: Schon jetzt stehen mehr als hundert Bücher in der offenen Bibliothek in der Kohlstraße. Florian Hoppe (r.) hat den Bücherschrank gebaut; die Idee dazu hatten Solveigh Patett, Bettina Weiss-Schaber, Annika Schmidt und Hanne Ermann. Foto: Sabine Brandt

Von Jürgen Beckers Gedichten bis Enid Blytons Dolly-Roman: Schon jetzt stehen mehr als hundert Bücher in der offenen Bibliothek in der Kohlstraße. Florian Hoppe (r.) hat den Bücherschrank gebaut; die Idee dazu hatten Solveigh Patett, Bettina Weiss-Schaber, Annika Schmidt und Hanne Ermann. Foto: Sabine Brandt

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Weimar. Andere Städte beweisen es längst: Ja, die offene Bibliothek funktioniert. Bücher kommen und gehen. Wer mag, kann den Bestand durch eigene Exemplare ergänzen.

Vier angehende Kulturmanagerinnen und ein Architekturstudent haben das Konzept nach Weimar geholt. Solveigh Patett, Bettina Weiss-Schaber, Annika Schmidt und Hanne Ermann gehören dem aktuellen Orgateam des Literaturfestivals "JuLi im Juni" an. Die Idee, Weimar eine offene Bibliothek zu schenken, tragen sie schon seit zwei Jahren mit sich herum. "Zunächst wollten wir damit in die Innenstadt", berichtet Solveigh Patett. Aber die üblichen Behörden meldeten ihre üblichen Bedenken an. Bis das Kulturamt die Frage nach dem Standort beantworten half.

Seit ein paar Tagen nun steht die offene Bibliothek im Bahnhofsviertel, Ernst-Kohl-Straße 23, direkt vorm Gebäude der Other Music Academy . Schon jetzt zeichnet sich ab: Der Platz ist nicht etwa die zweitbeste Lösung, sondern die allerbeste. Bereits in der Bauphase gab es das erste Lob aus der Nachbarschaft. Tenor: Schön, dass so etwas in unserem Kiez entsteht.

Inzwischen haben schon erste Bewohner des Bahnhofsviertels Bücher in den Schrank gestellt.

Keine Angst vor Vandalismus

Angst vor Vandalismus? Die sollte hintanstellen, wer sich entscheidet, den öffentlichen Raum mit Kunst zu bespielen. "Wenn jemand Graffiti draufsprüht, ist das aber Teil des Projekts", findet Alan Bern von der Other Music Academy. Der Verein hat die Pflege der Bibliothek übernommen.

Der aufragende Bücherschrank ist eine Reminiszenz an den Standort: Seine Betonhülle greift die Formen der alten Torpfeiler vor der ehemaligen Schule auf. Entworfen und gebaut hat ihn Florian Hoppe. Der angehende Architekt darf daher mit Fug und Recht den "Neubau einer Bibliothek in Weimar" ganz oben in seiner Referenzliste eintragen.

Weimar: Till Brönner weiht neue Seebühne ein

Buntes Straßenfest eröffnet 'Weimarer Sommer'

Weimar: Rettung für den Schwanenritter

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.