Weitere mittelalterliche jüdische Grabsteine in Erfurt entdeckt

Die Inschrift des beinahe 800 Jahre alten jüdischen Grabsteins ist längst übersetzt - so wie bei den anderen Steinen und Fragmenten aus dem 13. bis 15. Jahrhundert, die bisher in Erfurt entdeckt wurden.

Bislang der älteste erhaltene jüdische Grabstein aus Erfurt: Der Sandstein wurde 1259 für Frau Dolze, Tochter des Herrn Asher, errichtet. Grabsteine als Zeugnisse jüdischer Vergangenheit sind selten. Kunsthistorikerin Maria Stürzebecher und Baubeigeordneter Ingo Mlejnek hoffen, dass ein geplanter Katalog mit Inschriften jüdischer Grabsteine noch in diesem Jahr erscheint. Foto: dapd

Bislang der älteste erhaltene jüdische Grabstein aus Erfurt: Der Sandstein wurde 1259 für Frau Dolze, Tochter des Herrn Asher, errichtet. Grabsteine als Zeugnisse jüdischer Vergangenheit sind selten. Kunsthistorikerin Maria Stürzebecher und Baubeigeordneter Ingo Mlejnek hoffen, dass ein geplanter Katalog mit Inschriften jüdischer Grabsteine noch in diesem Jahr erscheint. Foto: dapd

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Erfurt. Das besondere an diesem Exemplar, welches mit ungefähr 20 weiteren Teilen jüdischer Grabsteine während der vergangenen Wochen und Monate auf der Baustelle zwischen Andreasstraße, Großer Ackerhofgasse und Moritzstraße auftauchte: Es ist bislang der älteste noch existierende jüdische Grabstein aus Erfurt. Im Jahr 1259 wurde er für "Frau Dolze, Tochter des Herrn Asher," errichtet.

Mit den 20 jüngsten Entdeckungen verfügt Erfurt nun insgesamt über 58 jüdische Grabsteine und Fragmente aus dem Mittelalter. Drei davon sind in der Alten Synagoge zu sehen. Die gestern präsentierten Stücke wandern ins Steindepot des Angermuseums. Kunsthistorikerin Maria Stürzebecher, die Unesco-Bauftragte der Stadt ist, hat gemeinsam mit Archäologin Karin Sczech vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie die Steine gesichert und untersucht. Drei weitere müssen noch genauer erforscht werden, ihre möglichen Inschriften liegen noch unter dicken Schlammschichten versteckt. "Obwohl wir relativ viele solcher Grabsteine besitzen, die damals üblicherweise aus qualitativ hochwertigem Sandstein gefertigt wurden, sind solche Zeugnisse aus dieser Zeit relativ selten", sagt die Kunsthistorikerin. Sie hofft darauf, dass Erfurt ein Schaudepot einrichtet, damit die Öffentlichkeit sich ein Bild davon machen kann.

Ein solches Schaudepot könnte sich der Baubeigeordnete Ingo Mlejnek im Keller des Hauses am Benediktsplatz 1 vorstellen. "Zunächst sind wir froh, dass wir mit den Grabsteinen einen weiteren Baustein für die Bewerbung mit dem Jüdisch-Mittelalterlichen Erbe von Erfurt um die Aufnahme ins Weltkulturerbe der Unesco vorzuweisen haben", sagt er.

Noch kein Ergebnis gibt es hinsichtlich einer gemeinsamen Bewerbung mit Rheinland-Pfalz und den Städten Mainz, Worms und Speyer. Abgabetermin ist der 1. August. Jedes Bundesland kann zwei Vorschläge machen, bundesweit wird nur ein Projekt neu aufgenommen. "Gemeinsam hätten wir größere Chancen", so Mlejnek, "die Gespräche dazu laufen noch, aber wir würden uns auch allein bewerben."

Den Friedhof, von dem die Grabsteine stammen, hat sich die Stadt nach der Vertreibung der zweiten jüdischen Gemeinde 1458 angeeignet. Schon beim Bau des großen Kornspeichers wurden große Teile des Friedhofs zerstört.

Die Grabsteine wurden wiederverwendet und in der Stadtmauer sowie in Fundamenten verbaut. Ans Tageslicht kamen sie nun bei den Bauarbeiten für neue Wohnungen in dem geschichtsträchtigen Viertel.

Onlineplattform: Jüdisches Leben in Thüringen