100 Jahre Thüringen: Landesgründung – Ab wann spricht man von „Thüringen“?

Immanuel Voigt wirft einen Blick auf die Geschichte Thüringens.

Immanuel Voigt

Immanuel Voigt

Foto: Anette Elsner

In diesem Jahr feiern wir in Thüringen im Mai 100 Jahre Landesgründung. 1920 gelingt es erstmals die Jahrhunderte andauernde Kleinstaaterei zu beenden und einen Staat aus jenen Gebieten zu formen, die sich schon lange zuvor als „thüringisch“ verstanden haben. Doch was heißt überhaupt „Thüringen“ im Hinblick auf eine mehr als 1500-jährige Landesgeschichte?

1220 schreibt der Dichter Ebernand von Erfurt „Ich bin ein Durenc von art geborn“, was nichts anderes heißt, dass er sich als stolzen Thüringer bezeichnet. Doch die Anfänge der späteren „Toringi“, „Thuringi“ oder auch „Duringi“ sind bereits mehr als 800 Jahre vorher zu finden.

Um das Jahr 400, so vermutet die Forschung, ist das Volk der Thüringer entstanden, das sich später vor allem im Thüringer Becken entlang der Unstrut ansiedelt. Der Volksstamm gelangt Anfang des 5. Jahrhunderts zur Blüte, was sich auch in der Errichtung eines mächtigen Königreiches äußert. Doch das jähe Ende folgt bereits im Jahr 531, als Franken und Sachsen es wieder zerschlagen und damit die frühen Thüringer um ihre politische Eigenständigkeit bringen. Fortan ist das damalige „Thüringen“ Teil des Fränkischen Reiches.

Es folgt eine wechselvolle Geschichte im Früh- und Hochmittelalter, die vor allem durch die Landgrafen von Thüringen aus dem Geschlecht der Ludowinger und nach deren Aussterben im Jahr 1247 besonders durch die Wettiner geprägt wird. Die sächsischen Herren herrschen im Anschluss für fast 700 Jahre über weite Teile unseres heutigen Landes.

Eine der Zäsuren der Landesgeschichte ist im Jahr 1485 zu sehen, als sich die Wettiner in der „Leipziger Teilung“ in die Linien der Albertiner und Ernestiner entzweien. Erstere herrschen fortan über das heutige Sachsen und einige wenige Teile unseres Landes, zweitere bekamen die Provinzen des heutigen Thüringens zugesprochen. Schließlich prägt auch die Reformation das ausgehende Mittelalter und die frühe Neuzeit nicht nur in der deutschen, sondern vor allem auch der thüringischen Geschichte. Erinnert sei an Luthers Flucht auf die Wartburg, aber auch den Bauernkrieg der 1525 rund um Frankenhausen wütet, den Schmalkaldischen Bund, die damit verbundene Gründung der Universität in Jena (1558) und als „Spätfolge“ der 30-Jährige Krieg, der über weite Teile Thüringens Tod und Verwüstung bringt.

Verschiedene Facetten beleuchten

Mit der „Erfurter Teilung“ 1572 beginnt die weitere Zersplitterung des Landes in kleine und kleinste Territorien, die gegen Ende des 17. Jahrhunderts ihren absurden Höhepunkt findet. Zugleich folgt im 18. Jahrhundert der kulturelle Aufstieg, dessen Zentren in Jena, Erfurt und besonders in Weimar liegen.

Nicht nur Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller kommen nach Thüringen, auch klingende Namen wie Fichte, Schelling, Herder, Wieland und Hegel finden sich hier wieder. Weimar avanciert zur Klassikerstadt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird es dann vor allem ein Mann sein, der unsere Region prägt: Napoleon Bonaparte. Doch dazu bald mehr.

Die heute beginnende Serie zu „100 Jahre Landesgründung“ wird sich in den kommenden Monaten unterschiedlichen Facetten unserer Landesgeschichte widmen und diese näher beleuchten. Der Beginn liegt im frühen 19. Jahrhundert, das Ziel im Freistaat Thüringen und mittendrin findet sich die Landesgründung von 1920.