Automat aus Wand gerissen: Täter gingen in Eisenach brachial vor

Eisenach  Ohne EC-Karte haben Unbekannte versucht, Geld aus einem Bankautomaten im Foyer des Obi-Baumarktes in Stregda „abzuheben“. In der Nacht auf Dienstag rissen die Täter den Geldautomaten im Eingangsbereich mit einem Radlader aus der Verankerung.

Baumarkt-Kunden mussten Dienstagvormittag unverrichteter Dinge wieder abziehen. Erst gegen 13 Uhr wurde der Markt geöffnet. Die Kriminalisten sehen Parallelen zum Tathergang von Jena-Isserstedt. Auch dort kam ein Radlader zum Einsatz. Foto: Norman Meißner

Foto: zgt

Zuvor wurde mit der Baumaschine der Eingangsbereich eingefahren. Den Radlader stahlen die Gangster von einer nur wenige Meter entfernten Baustelle. Für den Obi-Markt „Am Stadtweg“ wird dort derzeit ein Baustofflager errichtet. Die Kriminalisten der Spurensicherung nahmen zu früher Stunde ihre Arbeit auf.

Der Alarm ging zunächst um 3.15 Uhr beim zuständigen Wachschutz ein. Das Sicherheitsunternehmen informierte dann die Polizei über den Einbruch. Die Alarmeinrichtung direkt an der Fassade des Baumarktes setzten die Täter mit Bauschaum und Styropor außer Kraft.

Die Polizei sucht mindestens zwei Täter

„Wir gehen davon aus, dass es mindestens zwei Täter gewesen sind“, sagt vor Ort Karin Köhler, Pressesprecherin der Landespolizeiinspektion Gotha. Den Radlader ließen die Ganoven mit dem Bankautomaten vor dem Baumarkt zurück. Der beschädigte, aber ungeöffnete Bankomat lag auf der Gabel des Baufahrzeuges. Die Täter sind nicht an das Geld gelangt; der Automat wurde verschlossen aufgefunden. Möglicherweise, so die Polizei, wurden die Täter gestört und flüchteten. Andererseits könnte es auch die rote Signalfarbe gewesen sein, die aus dem Automaten austrat, die Kriminellen abschreckte und sie in die Flucht schlug. Da größere Mengen dieser schlecht zu entfernenden Farbe austraten, könnten nicht nur die Geldscheine, sondern auch die Täter selbst mit dieser Signalfarbe markiert worden sein. Mehrere Eimer Sand brauchte Dienstagvormittag (21. Juli 2015) ein Mitarbeiter des Baumarktes, um die ausgetretene Farbe im Eingangsbereich zu binden.

Die Verbrecher müssten, so Köhler, entsprechende Kenntnisse zu diesem Radlader-Typ besitzen, da keine Spuren von Gewaltanwendung festgestellt wurden, die möglicherweise von Personen ohne dieses spezielle Wissen verursacht worden wären. „Die Täter sind höchstprofessionell vorgegangen und waren gut vorbereitet“, sagt die Polizei-Pressesprecherin. Der entstandene Sachschaden an der Eingangstür, im Foyer und der Alarmanlage wurde vorerst auf rund 25.000 Euro geschätzt. „Genau können wir die Schadenshöhe noch nicht beziffern, jetzt müssen erst die Gutachter ran und wir müssen uns Angebote für die Reparatur einholen“, sagt Marktleiter Holger Schmidt. Mit einer Notreparatur wurde der zerstörte Bereich gesichert. Einen solchen Einbruch habe es bisher im Obi Eisenach nicht gegeben. Zwar sei schon versucht worden, auf der Rückseite durch zertrümmerte Scheiben an Ware zu gelangen, aber Sicherheitskräfte seien, so Schmidt, meist immer schneller gewesen.

Sicherheitseinrichtungen haben gegriffen

Zahlreiche Baumarktkunden mussten Dienstagvormittag unverrichteter Dinge wieder kehrt machen und die Konkurrenz aufsuchen. Bis gegen 13 Uhr musste der Baumarkt aufgrund der Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten für den Kundenverkehr gesperrt werden. Baumarkt-Mitarbeiter und die Beschäftigten vom Bäckerimbiss wurden erst gegen 10 Uhr an ihren Arbeitsplatz vorgelassen.

„Alle Sicherheitsvorkehrungen haben gegriffen“, freut sich Tim Rehkopf, Pressesprecher der Postbank in Bonn. Durch die Farbpatrone sei das Geld für die Täter wertlos geworden. Nach diesem Vorfall hält das Kreditinstitut weiter an dem Standort fest. „In etwa vier Wochen wird ein neuer Geldautomat installiert“, fährt Rehkopf fort.

Das Vorgehen der Täter erinnert die Polizei an den Coup vom 8. Februar 2015 in Jena/Isserstedt. Dort hatten noch immer unbekannte Täter einen Geldausgabeautomaten aus dem Supermarkt „Globus“ entwendet. Mit einem Radlader wurde damals die Türfront des nördlichen Hauptportals im Isserstedter Handelshaus umgewalzt. Sie entwendeten den dort im Vorraum installierten Geldautomaten der Sparkasse. Erst kürzlich suchte das MDR-Fernsehen mit der Sendung „Kripo live“ die Täter von Isserstedt.

Spektakulärer Geldautomaten-Raub in Jena bei „Kripo live“

Auch in Wutha wurde Außenmelder beschädigt

„Ob es sich um dieselben Täter handelt oder die Tat von anderen kopiert wurde, kann derzeit nicht gesagt werden“, so Karin Köhler vor Ort in Stregda.

In derselben Nacht wurde auch der Außenmelder der Alarmanlage eines Geldinstitutes in Wutha-Farnroda außer Kraft gesetzt. Unbekannte versuchten in der Nacht zu Dienstag gewaltsam in ein Geldinstitut „Am Rotberg“ einzubrechen. Dies gelang jedoch aus bislang unbekannten Gründen nicht, teilt die Polizei mit. Der entstandene Sachschaden beläuft sich hier auf circa 600 Euro. Die Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen auf.

Erst kurz vor Weihnachten kam es im Elektro-Markt neben Obi zu einem versuchten Einbruch. Damals beschädigten die Täter einen Bewegungsmelder und eine Nebeneingangstür. Ins Innere gelangte man nicht.

Die Polizei sucht nun Zeugen, die Dienstagnacht, in der Zeit zwischen 3 Uhr und 4 Uhr, auf dem Parkplatz des Baumarktes in Stregda etwas Verdächtiges bemerkt haben. Auch ein Fahrzeug, das sich zu diesem Zeitpunkt dort befunden haben kann, ist von Interesse. Karin Köhler meint, dass für den Abtransport des Geldautomaten wenigstens ein Fahrzeug in Größe eines Kleintransporters erforderlich ist.

  • Hinweise zum Obi-Baumarkt an die Kriminalpolizei Gotha: Tel. (03621)781424 und zum Tathergang in Wutha-Farnorda an die Kriminalpolizeiinspektion Eisenach unter (03691)261124.

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