Ballstädt steht unter Schock: Vermummte überfallen Feier

Bei einer Schlägerei auf einer Feier in Ballstädt bei Gotha sind in der Nacht zum Sonntag zehn Menschen verletzt worden. Wie eine Polizeisprecherin mitteilte, sollen zahlreiche Besucher des Festes Streit mit dem Wirt gesucht haben. Dem Bürgerbündnis gegen Rechts in Ballstädt zufolge soll es sich um einen Überfall von rund 20 Rechtsextremen gehandelt haben.

Spurensicherung: Beamte des Landeskriminalamtes nehmen in Ballstädt den Tatort, das Kulturzentrum Fahnersche Höhe, unter die Lupe. Foto: Alexander Volkmann

Spurensicherung: Beamte des Landeskriminalamtes nehmen in Ballstädt den Tatort, das Kulturzentrum Fahnersche Höhe, unter die Lupe. Foto: Alexander Volkmann

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Ballstädt. Die Polizei wollte dies nicht bestätigen. "Dazu kann ich mich derzeit nicht positionieren", sagte die Sprecherin. Zum Ablauf des Geschehens im Gemeindesaal liefen "umfangreiche Ermittlungen".

Es werde in alle Richtungen ermittelt, auch in Bezug auf einen rechtsextremen Hintergrund, sagte der Sprecher der Erfurter Staatsanwaltschaft, Hannes Grünseisen. Weitere Angaben wollte auch er nicht machen. Er könne sich nicht zu Gerüchten und Vermutungen äußern.

Ermittlungen mit Blick auf echtsextremen Hintergrund

In Ballstädt mit seinen rund 700 Einwohnern ist man entsetzt über den Vorfall. Am Nachmittag gab es nach Angaben der Bürgermeisterin Erika Reisser eine Gemeindeversammlung. Teilnehmer berichteten von 50 Anwohnern, die sich über den aktuellen Kenntnisstand informieren wollten. Sie habe kurz vor dem Überfall das Fest verlassen, sagte Reisser. Als sie am Sonntag den Tatort besichtigt habe, sei "alles blutverschmiert" gewesen. Auch die Einrichtung sei demoliert worden.

Die genauen Hintergründe liegen noch im Dunkeln. Wenige Stunden zuvor waren rund 80 Rechtsextreme durch Weimar gezogen. Das Ballstädter Bündnis gegen Rechts schloss einen Zusammenhang nicht aus. Demnach sollen die vermummten Angreifer gegen zwei Uhr früh in den Gemeindesaal des Dorfes eingedrungen sein und auf die Gäste der Kirmes-Veranstaltung eingeprügelt haben. Darunter sei auch eine Frau gewesen. Waffen hätten sie nicht bei sich gehabt. Die zehn Verletzten seien nach der Attacke in Krankenhäuser gebracht worden, hieß es.

Geschäftshaus von Anhängern der rechten Szene gekauft

Die Linke zeigte sich am Sonntag alarmiert und kündigte an, den Vorfall im Innenausschuss des Landtags thematisieren zu wollen. Der Überfall zeige erneut, dass sich "die organisierte militante Neonazi-Szene weder durch bisherige Repressionsmaßnahmen" noch durch die gestiegene mediale Öffentlichkeit in ihrer Radikalität und Gewalttätigkeit habe bremsen lassen, kritisierten die Bundestagsabgeordnete Martina Renner und die Thüringer Landtagspolitikerin Katharina König. Auch vermuten sie Verbindungen der Täter zum Umfeld des NSU-Terrortrios um Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe.

Das aus engagierten Bürgern bestehende Ballstädter Bündnis gegen Rechts hatte sich gegründet, nachdem im vergangenen Herbst ein Wohn- und Geschäftshaus in der Gemeinde im Kreis Gotha von Anhängern der rechtsextremen Szene gekauft worden war. Im August 2013 waren bei einer Razzia in Ballstädt sowie in Crawinkel und Erfurt zahlreiche Waffen sichergestellt worden. Das entsprechende Verfahren wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz richtet sich gegen vier Männer, die Kontakte zu einer rechtsextremen Gruppe in Österreich gehabt haben sollen.

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