"Scheiß Nigger": Randale in Weimar enden im Krankenhaus

Mit Schnittverletzungen im Gesicht musste am Samstagmorgen ein 32-jähriger aus Sierra Leone stammender Mann im Klinikum behandelt werden. Er sei als "Scheiß Nigger" beschimpft und mit einer Flasche geschlagen worden, sagte er am Sonntag unserer Zeitung.

Mutprobe? Nicht jeder würde mit einer Thor-Steinar-Jacke die Gerberstraße 1 und 3 aufsuchen. Archiv-Foto: Candy Welz

Mutprobe? Nicht jeder würde mit einer Thor-Steinar-Jacke die Gerberstraße 1 und 3 aufsuchen. Archiv-Foto: Candy Welz

Foto: zgt

Weimar. Der Vorfall ereignete sich in der "Wunderbar" der Gerberstraße. Die Kripo hat die Ermittlungen übernommen.

Es war gegen 6 Uhr, als offenbar vier Männer zwischen 26 und 43 Jahren die Gerberstraße 3 aufsuchten und Bier und Kaffee trinken wollte. Dass einer der Vier eine Thor-Steinar-Jacke trug, hat ihn verdächtig gemacht. Kleidungsstücke dieser Marke werden bevorzugt von Anhängern und Mitgliedern der rechten Szene getragen. Die Männer seien des Hauses verwiesen worden, hätten aber auf der Toilette randaliert. Kurz darauf sei es zu einem Handgemenge gekommen, wobei dem seit elf Jahren in Eisenach lebenden Opfer aus Sierra Leone mit einer leeren Flasche ins Gesicht geschlagen worden sei. "Sie haben 'Scheiß Nigger' gesagt. Und fast zeitgleich zugeschlagen", sagte der Mann weiter.

Die Gerberstraße 3 empfing die Polizei zunächst mit skeptischen Blicken: "Nach einiger Zeit traf die Weimarer Polizei ein (die nicht vom Haus gerufen wurde). Als vier von den Nazis von der Polizei gestellt wurden, es auch einen verletzten Gast gab und zusätzlich der eigentliche Täter der Gruppe schon geflüchtet war, wurde beschlossen, mit der Polizei zu kooperieren", teilte der Verein auf seiner Facebook-Seite mit. "Die weiteren Ermittlungen insbesondere in der Gerberstraße 3 gestalteten sich schwierig", erklärte die Polizei am Sonntag. Nach dem bisherigen Stand sei es zu "wechselseitigen Körperverletzungen" gekommen.

Die Beamten riefen für die vier augenscheinlich verletzten Männer einen Rettungswagen. Und als die Polizisten die "Wunderbar" betreten durften und den blutenden Mann aus Sierra Leone antrafen, wurde ein weiterer Rettungswagen bestellt.

Weil beide Seiten sich in der Notaufnahme des Krankenhauses wieder sahen, gewann der Streit erneut an Fahrt: Die Polizei sprach von "verbalen Auseinandersetzungen". Der Verein nannte es "Handgreiflichkeiten" und kritisierte die Polizisten: Sie hätten das Opfer des Krankenhauses verwiesen, trotz eingehender Bitte, Schutz zu gewährleisten. "Die Polizei sagte mir nur, dass sie kein Taxiservice wären", erklärte der Mann weiter - ein Vorwurf, der von den Beamten nicht kommentiert wurde. In der Pressemitteilung vom Sonntag hieß es, dass man die Personen getrennt habe. Mit den weiteren Ermittlungen ist jetzt die Weimarer Kriminalpolizei betraut worden.

Das Opfer lebt seit 17 Jahren in Deutschland und seit 11 Jahren in Eisenach. Sierra Leone erlebte zehn Jahre lang einen blutigen Bürgerkrieg. Seit 2000 ist man dort mit dem Wiederaufbau und der Aufarbeitung beschäftigt. Das Land zählt weiterhin zu den ärmsten Ländern der Welt.

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