Zwickauer Trio: Hatte Geheimdienst die Finger im Spiel?

Immer drängender wird in Polizeikreisen die Frage gestellt, inwieweit auch Geheimdienste in einen der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre verstrickt sind. Klar ist: Die beiden toten mutmaßlichen Polizistenmörder von Heilbronn und Bankräuber von Eisenach sowie die wegen einer Hausexplosion in Zwickau verhaftete Frau gehörten zum rechtsradikalen "Thüringer Heimatschutz."

Die zwei Männer, die am vergangenen Freitag eine Sparkasse in Eisenach (im Bild) überfielen, und Beate Z. sind die Jenaer Bombenbastler von 1998. Weil sie so lange unbehelligt leben konnten, werden nun Vermutungen laut, dass Geheimdienste ihre Finger im Spiel haben könnten. Foto: Sascha Willms

Die zwei Männer, die am vergangenen Freitag eine Sparkasse in Eisenach (im Bild) überfielen, und Beate Z. sind die Jenaer Bombenbastler von 1998. Weil sie so lange unbehelligt leben konnten, werden nun Vermutungen laut, dass Geheimdienste ihre Finger im Spiel haben könnten. Foto: Sascha Willms

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Eisenach/Jena. Sie tauchten 1998 unter, kurz bevor in Jena ihre Bombenwerkstatt ausgehoben wurde. Sie sollen zunächst im Ausland, in Belgien, Südamerika und Südosteuropa, abgetaucht sein. Für erfahrene Polizisten stellt sich die Frage, wie sie so lange unbehelligt leben konnten. Trotz gegenteiliger Informationen aus Verfassungsschutzkreisen hegen erfahrene Polizisten den Verdacht, dass sie zumindest zeitweise gedeckt wurden.

Tatort Eisenach Nord: Zufall oder nicht?

Führt eine Spur des Eisenacher Banküberfalls vom vergangenen Freitag, an dem zwei Bombenbastler und deren Komplizin aus dem rechtsextremen Milieu Jenas beteiligt waren, auch in die Neonazi-Szene von Eisenach?

Diese Frage tauchte jetzt im Zusammenhang mit dem Ort des Überfalls in Eisenach auf. Denn gleich neben jener Sparkassen-Filiale auf dem Nordplatz, mitten in einer Wohnsiedlung, befindet sich der türkische Döner-Imbiss, auf den in einer Augustnacht des Jahres 2000 ein Sprengstoffanschlag verübt worden war.

Als Täter wurde ein 16-jähriger Auszubildender ermittelt, der der rechtsextremen Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) angehörte. Der Richter verurteilte ihn zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe, einer mündlichen Entschuldigung beim Imbiss-Betreiber und 150 Arbeitsstunden. Die von ihm selbst hergestellte mit Schwarzpulver gefüllte Soda- Patrone, die er zündete, hatte die Tür des Geschäftes zerstört. Personen waren nicht verletzt worden - der Anschlag geschah gegen 1 Uhr nachts.

In der Nähe

Im Zusammenhang mit der Tat wurde der Thüringer NPD-Kader Patrick W. aus Eisenach mit einem Gesinnungsgenossen wegen Beihilfe zum Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion zu einer über zweijährigen Haftstrafe verurteilt, nachdem er in der Nähe des Imbiss von Polizisten gesehen worden war. Er ist damals JN-Stützpunktleiter in der Wartburgstadt gewesen. Der rechtskräftig verurteilte jugendliche Täter war ihm nach eigenen Auskünften unterstellt.

Eine Verbindung der Bankräuber zur Eisenacher rechtsextremen Szene stehe derzeit "nicht auf der Agenda", sagte Marcel Ehrenreich, Sprecher der Soko "Capron" aus Gotha, die den Banküberfall aufklärt. Die gleiche Aussage traf Thomas Waßmuth, Sprecher der Staatsanwaltschaft Meiningen. Er könne dazu nichts sagen, teilte er auf Anfrage mit.

Geschwiegen

Was die noch am Dienstagabend von Jena nach Zwickau überstellte Komplizin der Eisenacher Bankräuber betrifft, so sei sie in einer ersten Vernehmung "zum Eisenacher Geschehen befragt worden". Auf die Frage, ob sie am Banküberfall beteiligt gewesen sei, habe sie allerdings "von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht", so der Staatsanwalt.

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