Cebit: Spielerisch Lernen beim Fraunhofer-Instituts Ilmenau

Hüpfende Messebesucher dürften am Stand des Ilmenauer Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT in diesem Jahr keine Seltenheit sein. Die Einrichtung, die angewandte Forschung im Bereich digitaler audiovisueller Anwendungen betreibt, holt zunächst einmal ein Hüpfspiel ins 21. Jahrhundert und wandelt es multimedial um.

Matheaufgaben mit "Hopscotch": Je schneller die Kinder auf die richtigen Antworten springen, desto höher klettert ihr Punktestand. Diesen sehen sie auf einem Bildschirm. So gelangt das Gehweg-Hüpfspiel von einst ins Wohnzimmer. Foto: Fraunhofer IDMT

Matheaufgaben mit "Hopscotch": Je schneller die Kinder auf die richtigen Antworten springen, desto höher klettert ihr Punktestand. Diesen sehen sie auf einem Bildschirm. So gelangt das Gehweg-Hüpfspiel von einst ins Wohnzimmer. Foto: Fraunhofer IDMT

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Ilmenau. Während mit "Hopscotch" vor allem Kinder zum spielerischen Lernen animiert werden sollen, können Erwachsene ihr Hörvermögen am Telefon erproben oder sich gleich komplett als Testperson zur Verfügung stellen, um die Benutzerfreundlichkeit einer Wissensplattform zu bewerten.

Mit dem Hüpfspiel "Hopscotch" verbinden die Fraunhofer-Forscher den natürlichen Bewegungsdrang von Kindern auf spielerische Weise mit dem Lernen. Egal ob mathematische Gleichungen, Gesundheitsfragen, Geschichtswissen oder Englisch-Vokabeln - Kinder beantworten Fragen oder Aufgaben in unterschiedlichen Wissensgebieten durch das Hüpfen und Springen auf einer Sensormatte. "Kinder erleben Lernaufgaben völlig neu und werden spielerisch motiviert, sich mit den Schulinhalten zu beschäftigen", sagt Martina Lucht, die das Lern- und Bewegungskonzept am IDMT entwickelt hat. Neben dem begleitenden Einsatz im Schulunterricht soll es auch Therapien ergänzen, etwa für übergewichtige Kinder oder ältere Menschen in Seniorenheimen.

Je schneller die Fragen durch Berührung der Sensormatte beantwortet werden, desto höher ist die erreichte Punktzahl. Das motiviert zur Bewegung und trainiert zugleich Körper und Geist. Das Tippen oder Springen auf der Matte funktioniert dabei ähnlich wie das Schreiben einer SMS.

Besser hören am Telefon

Einem anderen Kommunikationsmittel hat sich die Oldenburger Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie des IDMT angenommen. Sie ist neben der Abteilung Kindermedien mit Sitz in Erfurt die zweite Außenstelle des IDMT. Mit ihrer Technologie "HearingSupport4Telecommunication" sorgen die Oldenburger Entwickler für eine verbesserte Hörqualität und Sprachverständlichkeit beim Telefonieren. Hierfür integrieren die Fraunhofer-Forscher Signalverarbeitungsalgorithmen direkt in Kommunikationssysteme, die bisher nur in Hörgeräten eingesetzt waren. Indem somit die Störgeräusche verringert werden, wird die Höranstrengung beim Telefonieren am Apparat oder im Internet auch unter schwierigen akustischen Bedingungen deutlich reduziert. Nicht nur an Normalhörende und Menschen mit geringem Hörverlust richtet sich die Technologie. "Wir ermöglichen vor allem schwerhörenden Menschen, wieder problemlos per Telefon zu kommunizieren. Betroffene können sogar ganz auf ihr Hörgerät verzichten", erklärt Projektleiter Thomas Rohdenburg.

Für das Wildtier-Forschungsprojekt "Saisbeco", das ebenfalls in Hannover vorgestellt wird, wurde eine Software zum Erkennen und Identifizieren einzelner Individuen entwickelt. Hintergrund ist der, dass bedrohte Wildtiere wie etwa Menschenaffen in Populationen einzeln erkannt werden müssen, um sie zu erforschen und sie vor dem Aussterben zu schützen.

Die von den Fraunhofer-Instituten IDMT und IIS in Ilmenau und dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig entwickelte Software erkennt in Videos und auf einzelnen Fotos Gesichter von Schimpansen und ordnet sie einzelnen Individuen zu. "Auf diese Weise können Wildhüter oder Forscher eindeutig nachvollziehen, wie sich die Tiere in der Gruppe bewegen und die Populationsgrößen der bedrohten Tiere abschätzen", sagt Alexander Loos, Projektverantwortlicher am IDMT.

Am Stand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) informieren die IDMT-Mitarbeiter außerdem über ihr Theseus-Forschungsprogramm, mit dem neue Dienstleistungen und Services für das Internet entwickelt werden. Messebesucher können selbst in die Rolle eines IDMT-Testers schlüpfen: Sie überprüfen zum Beispiel die Bedienbarkeit und Nutzerfreundlichkeit der Wissensplattform "Alexandria", die im Rahmen des Forschungsprogramms neu entsteht und mit deren Hilfe das täglich wachsende Wissen im Internet gesammelt und effizienter verwaltet werden soll.

Cebit, Halle 26, Stand E08

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