Weltweit erfolgreich - außer in Nordkorea: SoftMaker aus Nürnberg

Der erste Computer wurde von einem Deutschen entwickelt, und das MP3-Format wurde in Deutschland erfunden. Trotz dieser Pionierleistungen spielen deutsche Unternehmen im globalen Softwaremarkt eine eher kleine Rolle. Das Nürnberger Softwarehaus SoftMaker hat es sich zur Aufgabe gemacht, daran etwas zu ändern, und nimmt es dabei mit den ganz Großen auf.

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

SoftMaker bietet eine Office-Suite an, die den aktuellen Lösungen nicht nur in Nichts nachsteht, sondern ihnen teilweise sogar überlegen ist. Insbesondere auf mobile Endgeräte haben es die Nürnberger abgesehen und bieten derzeit mit ihren Officepaketen für Android die kostenlose Möglichkeit, sein Büro mitzunehmen - überall und jederzeit.

Der Geschäftsführer Martin Kotulla erklärt, wie es bei einem deutschen Unternehmen im hart umkämpften Softwaremarkt zugeht und welche Stolpersteine einem im Weg stehen können. Außerdem beschreibt der Nürnberger, worauf es wirklich ankommt, wenn das Ziel "langfristig erfolgreich sein" lautet.

Wann wurde SoftMaker gegründet?

Ich habe das Unternehmen 1987 aus der Taufe gehoben, seit 1989 firmieren wir als GmbH.

Gab es eine spezielle Situation, die zur Gründung von SoftMaker geführt hat?

Ich hatte mir damals kurz vor dem Abitur meinen ersten PC gekauft. Darauf war die Textverarbeitung "Wordstar", aber die funktionierte nicht so, wie ich das wollte - die Backspace-Taste löschte keine Zeichen, sondern setzte nur den Cursor nach links. Das lag an einem Konfigurationsproblem, wie ich Jahre später erfahren habe. Aber damals hat mich das so genervt, dass ich begann, eine eigene Textverarbeitung zu schreiben. Das war die Geburt von TextMaker.

Wie ging es weiter mit der Entwicklung vom Einzelunternehmer zur Software-Gesellschaft?

Textverarbeitungen waren anno 1987 ein teurer Spaß: Microsoft Word kostete damals etwa 3000 Mark! Ich bot meine Textverarbeitung TextMaker 1.0 in Computerzeitschriften zum unverschämt günstigen Preis von 148 Mark an, und das Interesse und die Verkäufe waren so groß, dass ich schon bald den ersten Mitarbeiter einstellte und eineinhalb Jahre später die SoftMaker Software GmbH gründete.

Wie groß ist Ihr Team mittlerweile?

Wir beschäftigen in Nürnberg derzeit 23 festangestellte Mitarbeiter, nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus einer Reihe anderer Länder. Darüber hinaus arbeiten wir mit einem großen Pool an Freelancern zusammen, die uns bei Bedarf unterstützen, zum Beispiel bei der Übersetzung der Software und bei Softwaretests.

Welche Produkte bietet SoftMaker an und was macht sie besonders?

Unser Kernprodukt ist die Büro-Suite SoftMaker Office. Das Paket beinhaltet Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationssoftware und einen E-Mail-Client, kurzum: alles, was man zur Bewältigung seiner täglichen Büroaufgaben im Job und privat braucht. Ich denke, dass es einerseits das Preis-Leistungs-Verhältnis ist, was unser Angebot so attraktiv macht. Niemand gibt gerne 200 Euro und mehr für ein Office-Paket aus, und ehrlich gesagt kann ich das auch gut nachvollziehen. SoftMaker Office kostet selbst in der Professional-Version nicht einmal die Hälfte und darf privat und geschäftlich auf drei Rechnern genutzt werden. Zudem bieten wir das womöglich schnellste Office-Paket aller Zeiten an. Durch eine ressourcenschonende Softwarearchitektur läuft unser Office-Paket auch auf kleinen Netbooks, billigen Tablets und älteren Systemen rasend schnell. Und schließlich bieten unsere Programme eine herausragende Kompatibilität zu den älteren und den aktuellen Microsoft-Office-Dateiformaten, was sehr wichtig ist, da weltweit die meisten Office-Dokumente mit Microsoft Office geschrieben werden.

Mit Kompatibilität zu Microsoft Office werben auch alle anderen Officepakete ...

... wobei es allerdings weitgehend bei Werbesprüchen bleibt. Wenn Sie Word-, Excel- oder PowerPoint-Dateien haben, die nur ein bisschen aufwändiger formatiert sind, scheitern andere Programme ziemlich schnell. Das ist ja einer der Gründe, warum OpenOffice und LibreOffice immer wieder von Großkonzernen als Microsoft-Alternative evaluiert wurden, aber man sich am Ende doch wieder für Microsoft Office entschieden hat. SoftMaker Office hingegen verfügt über so starke und stetig weiterentwickelte Import- und Exportfilter, dass solche Probleme eben nicht auftreten. Der nahtlose Datenaustausch zwischen SoftMaker Office und Microsoft Office wird auch immer wieder in Testberichten der Fachpresse hervorgehoben.

Für welche Betriebssysteme ist SoftMaker Office verfügbar?

PC-Anwender können SoftMaker Office auf Windows und Linux einsetzen, wobei die Windows-Variante in eine Standard- und eine Professional-Ausgabe aufgeteilt ist. Letztere enthält zusätzlich die ausgezeichnete Rechtschreib- und Grammatikprüfung Duden Korrektor sowie Wörterbücher von Duden und Langenscheidt. Nutzer von Android-Smartphones erhalten SoftMaker Office Mobile im Google Play Store kostenlos. Und das neue SoftMaker Office HD für Android-Tablets ist das einzige Officepaket für Android, das den vollen Funktionsumfang bietet und nicht nur ein paar wenige Basisfunktionen. Man kann damit erstmals auf einem Android-Tablet genauso umfassend arbeiten wie auf einem Windows-Notebook.

Ist die Portierung auf weitere Betriebssysteme geplant?

Wir konzentrieren uns derzeit auf unsere Windows-, Linux- und Android-Versionen. Allerdings haben wir prinzipiell die Möglichkeit, flexibel zu reagieren: der Quellcode ist systemübergreifend weitestgehend identisch, und es muss nur ein kleiner Teil für ein anderes Betriebssystem umgeschrieben werden. Gut möglich also, sofern es Zeit und Manpower zulassen, dass wir SoftMaker Office künftig auch für andere Betriebssysteme wie beispielsweise Apples OS X und iOS veröffentlichen.

Trotz vieler deutscher Errungenschaften auf dem Gebiet der Informationstechnologie spielen deutsche Unternehmen, global gesehen, eine eher nachrangige Rolle. Fühlen Sie sich manchmal wie ein Underdog?

Nein, definitiv nicht. Natürlich haben amerikanische Software-Unternehmen einen gewissen Standortvorteil, schon allein deshalb, weil sie einen viel größeren Heimatmarkt in einer Sprache bedienen; es ist sicher einfacher, eine in den USA erfolgreiche Software in Deutschland zu etablieren als umgekehrt. Dennoch bewegen auch wir uns in einem starken Markt in Europa, und deutsche Wertarbeit genießt weltweit einen exzellenten Ruf. Und das trifft es auch in Bezug auf SoftMaker Office: wir haben ein sehr hochwertiges Produkt, das von Jahr zu Jahr häufiger genutzt wird - vor allem in Deutschland, in den restlichen EU-Staaten und den USA. SoftMaker Office haben wir bereits jetzt in 30 Sprachen übersetzt. Wir wachsen stetig in vielen Märkten. Es gibt also keinen Grund, sich als Underdog zu fühlen.

Als Software-Unternehmen sehen Sie sich einem hart umkämpften Markt gegenüber. Was ist dabei die größte Herausforderung und woher nehmen Sie Ihre Motivation?

Es gibt viele Herausforderungen. Die größte ist der gewaltige Aufwand, in ein Officepaket die Funktionsvielfalt einzubauen, die Microsoft Office hat - obwohl wir nur ein mittelständisches Unternehmen mit begrenzter Manpower sind und Microsoft ein Weltkonzern mit über 120.000 Mitarbeitern. Aber genau das ist meine Motivation: Wir schaffen es mit wenigen Mitarbeitern, ein Officepaket zu entwickeln, das auf Augenhöhe mit dem Marktführer ist und in manchen Bereichen gar deutlich besser. Und auch nach mittlerweile 28 Jahren begeistert es mich, dass wir zufriedene Kunden in jedem Land der Welt haben. Nordkorea mal ausgenommen...

In Hinblick auf die große Konkurrenz kommt es auf das richtige Marketing an. Wie sieht Ihre Strategie aus?

Jede Zielgruppe will anders angesprochen werden. Firmenkunden wollen eine problemlose Software, die sich in die bestehende Infrastruktur integriert. Der Preis spielt da nur eine kleinere Rolle. Privatanwender hingegen sind sehr preisbewusst. Diese sprechen wir mit FreeOffice an, einer kostenlosen Variante unserer Software für Windows, Linux und Android. Diese verfügt bereits über alle wesentlichen Officefunktionen und kann uneingeschränkt privat und gewerblich genutzt werden. Auf diese Weise erhöhen wir den Bekanntheitsgrad erheblich. Wir bauen natürlich darauf, dass möglichst viele Anwender, die FreeOffice nutzen und damit zufrieden sind, später zur Kaufversion SoftMaker Office wechseln, um zusätzliche Funktionen und unseren exzellenten technischen Support zu erhalten.

Um langfristig erfolgreich zu sein, bedarf es eines Teams, das gemeinsam an einem Strang zieht. Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben und wie motivieren Sie Ihr Team?

Unsere Unternehmenskultur würde ich als weitestgehend konsensorientiert beschreiben. Wir sind ein Team mit flachen Hierarchieebenen, wo sich jeder einbringen kann und die beste Idee sich letztlich unabhängig von der Person oder ihrer Position durchsetzt.

Was sind Ihre nächsten Projekte, was entwickeln Sie gerade?

Das neue SoftMaker Office für Windows steht in den Startlöchern, die private Betaversion ist bereits veröffentlicht; es wird an letzten Details geschraubt, und in wenigen Wochen soll die öffentliche Beta erscheinen. Kurz danach soll die neue Version von SoftMaker Office für Linux erscheinen. Geplant ist außerdem noch ein Coup in Sachen Android, aber lassen Sie sich überraschen.

Letzte Frage: Wie sieht der perfekte Feierabend für Sie aus?

Welcher Feierabend?

Zur Sache

  • SoftMaker Office enthält die Textverarbeitung TextMaker, die Tabellenkalkulation PlanMaker und das Präsentationsprogramm SoftMaker Presentations.
  • Die kompakte, stabile und zu Microsoft Office kompatible Bürosuite wird für Windows, Linux, Android, Windows Mobile und Windows CE zu Preisen zwischen 39 und 99 Euro angeboten.
  • Zum SoftMaker-Portfolio gehören zudem professionelle Schriftensammlungen, darunter die Kollektionen MegaFont XXL 2.0 und infiniType 3.

Thunderbird wird Teil von SoftMaker Office 2016

SoftMaker-Homepage

Softmaker-Produktseite

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.