Erfurter Zoo: Elefantenkuh Akili hatte keine Chance

Der Abschlussbericht der Obduktion der Elefantenkuh aus dem Erfurter Zoopark liegt vor. "Akili hatte keine Chance." - Zu diesem Schluss lässt Zootierärztin Christiana Hensel der am Dienstag, 11. Februar, öffentlich vorgestellte Bericht der Pathologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover kommen.

Die Elefantendame Akili wurde im Dezember 2013 liegend in ihrer Box im Erfurter Zoopark gefunden. Mehrere Versuche, das Tier aufzurichten, scheiterten. Foto: Stadtverwaltung Erfurt

Die Elefantendame Akili wurde im Dezember 2013 liegend in ihrer Box im Erfurter Zoopark gefunden. Mehrere Versuche, das Tier aufzurichten, scheiterten. Foto: Stadtverwaltung Erfurt

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Erfurt. Schwere Hirnschädigungen vor allem im Mittel- und Zwischenhirn im fortschreitenden Verlauf hatten dazu geführt, dass die Elefantendame nicht mehr auf die Beine kam. Weder aus eigener Kraft, noch mit menschlicher und technischer Unterstützung.

Am Abend des 13. Dezember war Akili eingeschläfert worden, um sie von ihren Leiden zu erlösen. Vorangegangen waren seit den frühen Morgenstunden vergebliche Rettungsversuche von Tierärzten, Pflegern, Feuerwehr und ADAC. Sie kam trotz Hubtechnik nicht auf die Beine. Die zwölfjährige Elefantenkuh hatte am Morgen auf der Seite gelegen und konnte aus eigener Kraft nicht einmal den Kopf heben. Vorher hatte es keinerlei Anzeichen einer Erkrankung gegeben.

Schwarzer Freitag für den Erfurter Zoo

"Ein scharzer Freitag für den Erfurter Zoo", fasste die zuständige Beigeordnete Kathrin Hoyer zusammen, die seit dem Weggang von Zooparkdirektor Thomas Kölpin als Werkleiterin eingesetzt ist. Wichtig für sie: Ausgeschlossen werden kann nun eine Infektion und auch ein Zusammenhang mit dem zum Todeszeitpunkt gerade acht Wochen zurückliegenden Transport der beiden Elefanten aus dem südfranzösischen Siegan.

Gründliche Ursachenforschung wurde betrieben, um diese beiden möglichen Gründe der heftigen Erkrankung auszuschließen. Dazu musste das tote Tier in das Institut für Pathologie in Hannover gebracht werden. Mehrere Wochen hatten die Untersuchungen des rund zwei Tonnen schweren Kadavers in Anspruch genommen.

Die pathologische Untersuchung Akilis hat auch dokumentiert, welche Schäden an Haut, Organen und Muskelgewebe entstanden, weil das Tier sich nicht mehr aufrichten konnte. "Das lange Liegen ist ganz kritisch, wenn ein bestimmter Zeitpunkt überschritten ist. Das liegt an der großen Körpermasse", beschrieb die Zootierärztin.

Und Schäden im Gehirn eines lebenden Elefanten können aus technischen Gründen schon wegen der Größe zum Beispiel von MRT-Geräten nicht festgestellt werden. Auffällig habe sich Akili nicht verhalten. Ungewöhnlich allenfalls, dass sie generell rückwärts aus der Tür des Elefantenhauses marschierte. Ob die Marotte ein Anzeichen war, wird man nicht herausfinden.

Wie in Erfurt erst mit dem Tod von Akili bekannt wurde, war in Sigean einige Wochen vorher Seronga verstorben. In den französischen Safaripark waren zum Tausch die beiden Erfurter Elefanten Csami und Seronga umgezogen.

Seronga starb an einer Herzmuskelentzündung

Serongas Todesursache ist inzwischen geklärt. Das Tier starb an einer Herzmuskelentzündung, bedingt durch ein Encephalomyocarditis-Virus. "Die Infektion verläuft sehr rasch und führt entweder zum Tod oder zum Überwinden der Infektion durch die körpereigene Abwehr", erläuterte Christiana Hensel. Bei Elefanten in Europa sei diese Krankheit ihres Wissens nach noch nie festgestellt worden. Bei Fällen in Australien, Südafrika und den USA sei keine direkte Ansteckung von Tier zu Tier nachgewiesen.

Um die Gesundheit der verbliebenen Erfurter Elefanten Safari und Chupa muss das Zoopark-Team aber nicht fürchten.

Wie die Elefantendamen mit der Trauer um Akili umgingen und wie es ihnen heute geht, das konnte die Zootierärztin mit einem strahlenden Lächeln beantworten. Die kleinere Chupa, die gemeinsam mit ihrer Schwester Akili nach Erfurt gekommen war, zeigte sich von Anfang an ganz begeistert von Safari. Die beiden verstanden sich schon vor Akilis Tod bestens. "Sie hat sich noch enger an die ältere und erwachsenere Safari angeschlossen."

Dass Elefanten um tote Tiere ihrer Herde trauern, ist bekannt. Auf dem Roten Berg hatten sich die Menschen nach dem Tod von Akili ganz bewusst zurückgezogen und den beiden lebenden Elefanten den Abschied ermöglicht. "Sie haben gerüsselt und auch an den Tagen darauf im leeren Stall bestimmte Orte abgesucht und nachgeguckt. Aber das war nach einer Handvoll Tage vorbei", so die Tierärztin.

An den Zuchtplänen will der Zoopark auch nach diesem unglücklichen Krankheitsfall festhalten. Der in Frage kommende Bulle ist ausgewählt. "Neue Mädels" gibt es aber nicht, zumindest vorerst.

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