Flüchtling tötet Mitbewohner und sticht weiteren Mann nieder

Wutha-Farnroda  Am Samstagabend eskaliert ein Streit unter Afghanen in einer Wohnung in Wutha-Farnroda. Ein 20-Jähriger afghanischer Asylbewerber stirbt nach einem Messerangriff, ein unbeteiligter 22-jähriger Deutscher wird verletzt.

Tödlicher Streit in Wutha-Farnroda: Zunächst wurde ein junge Afghane in der Wohnung, in der Licht brennt (Foto), erstochen. Der mutmaßliche Täter – ein 18-Jähriger – floh mit der Tatwaffe aus dem Haus und stach dort – weil er wohl dessen Wagen wollte – einen jungen Deutschen nieder. Dieser überlebte schwer verletzt. Foto: Martin Wichmann

Tödlicher Streit in Wutha-Farnroda: Zunächst wurde ein junge Afghane in der Wohnung, in der Licht brennt (Foto), erstochen. Der mutmaßliche Täter – ein 18-Jähriger – floh mit der Tatwaffe aus dem Haus und stach dort – weil er wohl dessen Wagen wollte – einen jungen Deutschen nieder. Dieser überlebte schwer verletzt. Foto: Martin Wichmann

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Der gewaltsame Tod eines 20-jährigen Asylbewerbers aus Afghanistan ist nach einer tätlichen Ausein­andersetzung in der Gemeinde Wutha-Farnroda (Wartburgkreis) zu beklagen. Zudem wurde ein weiterer junger Mann schwer verletzt: Es handelt sich dabei um einen 22-jährigen Deutschen, auf den der mutmaßliche Täter offenbar bei seiner Flucht vor dem Haus gestoßen war.

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Der 18-jährige Tatverdächtige wurde in Wutha-Farnroda von einem Iraner und drei afghanischen Männern überwältigt und entwaffnet, wie Zeugen berichten. Sie übergaben der Polizei auch die Waffe. Gegen den Tatverdächtigen wurde Haftbefehl erlassen.

Am späten Samstagabend starb der 20-Jährige bei einer Messerstecherei in einer dezentralen Asylbewerberunterkunft, teilte die Polizei gestern mit. Der Getötete hatte sich eine Wohnung mit zwei jungen Landsmännern geteilt. Die Polizei hat ermittelt, dass es zwischen den drei Afghanen zu später Stunde zu einem Streit gekommen ist, in dessen Verlauf der 18-Jährige mit einem Messer mehrfach auf den zwei Jahre älteren Mitbewohner der Asyl-Wohnung einstach. Wie oft der mutmaßliche Täter auf seinen Landsmann einstach, lässt die Polizei noch offen. Bislang sei nicht bekannt, so die Ermittler, welche Gründe den Streit auslösten und warum er derart eskalierte.

Der dritte Mitbewohner – ein 22-jähriger Afghane – hatte Glück. Er konnte ohne Verletzungen aus der Wohnung im zweiten Stock der Ringstraße 25 im Wohngebiet „Mölmen“ in Wutha-Farnroda flüchten.

Mit der Tatwaffe – es soll sich um ein Küchenmesser gehandelt haben – verließ auch der mutmaßliche Täter die Wohnung. Vor dem Plattenbau soll der 18-jährige Afghane erneut von der Stichwaffe Gebrauch gemacht haben. Auf seiner Flucht traf der mutmaßliche Täter vor dem Wohnhaus auf einen 22-jährigen Deutschen und stach mit dem Messer zu. Bei dieser Attacke erlitt der junge Passant schwerste Verletzungen.

Zeugen berichten, dass der 18- jährige Afghane versucht haben soll, dem 22-jährigen Deutschen das Auto wegzunehmen. Der Deutsche saß demnach angeschnallt in seinem Auto und wartete auf seinen Bruder. Das jedenfalls erfuhr ein Patient, der mit dem Opfer auf der selben Krankenstation liegt. Dieser wurde in der Nacht zum Sonntag um 1.30 Uhr eingeliefert. Ob der Deutsche zwei Stiche in die Brust und einen Stich in den Kopf erhielt, dazu lagen Susanne Schmidt von der Polizei-Pressestelle in Gotha gestern Nachmittag keine Erkenntnisse vor. Nach Angaben der Polizei soll der 22-Jährige aber nicht mehr in Lebensgefahr schweben.

Nach TLZ-Recherchen hat ein iranischer Asylsuchender, der im Nebeneingang wohnt, die Schreie des 22-jährigen Opfers gehört. Er fand demnach den jungen Mann blutend vor dem Haus in der Ringstraße 25 und leistete gemeinsam mit einer Krankenschwester, die im selben Nachbareingang wohnt, erste Hilfe.

Gegen 23 Uhr wurden die Rettungskräfte zur Asylbewerberunterkunft gerufen. Die Kriminalisten der Landespolizeiinspektion Gotha wurden von der Tatortgruppe des Landeskriminalamtes bei der Spurensuche und -sicherung an beiden Tatorten unterstützt. Auch Gerichtsmediziner waren am Tatort im Einsatz. Die Obduktion des Leichnams wurde bereits für Sonntagvormittag in der Gerichtsmedizin Jena anberaumt. Die Sektion zeigte, dass der Tod durch eine Stichverletzung eintrat, so die Polizei. Dolmetscher wurden für die Vernehmungen des mutmaßlichen Täters und des Mitbewohners aus Afghanistan mit einbezogen.

Nach Angaben der Polizei und der zuständigen Staatsanwaltschaft Meiningen sind Motive und Hintergründe für die Tat weiterhin völlig unklar. Die Ermittlungen liefen mit Hochdruck, heißt es. „Der mutmaßliche Täter wird vernommen. Er hat sich aber noch nicht näher zu der Tat eingelassen“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Jochen Grundler, auf Anfrage. Die drei Männer aus Afghanistan waren nicht in einem Flüchtlingsheim untergebracht, sondern bewohnten eine Wohnung in einem Plattenbau. Wie lange sie schon in Deutschland sind, konnte Grundler nicht sagen.

Erschüttert zeigte sich Wutha-Farnrodas Bürgermeister Torsten Gieß von der Gewalttat. Einen solchen Vorfall habe es in den vergangenen zwölf Jahren, in der er Bürgermeister ist, noch nicht gegeben. Derzeit leben etwa 250 Ausländer aus 40 Nationen in der Gemeinde. 150 davon sind Flüchtlinge. Die Wohnung, in der sich die Tat ereignete, gehöre nicht, so der Bürgermeister, der gemeindeeigenen Wohnungsgesellschaft Wutha-Farnroda. Der Landkreis habe diese Wohnung über eine Berliner Firma von einer Schweizer Immobiliengruppe angemietet.

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