In Eisenach gibt es mittlerweile 90 Stolpersteine

"Es ist in Eisenach eine schöne Kontinuität", freut sich Gunther Demnig zur inzwischen sechsten Verlegung von Stolpersteinen in der Wartburgstadt. Zu den 82 verlegten Steinen konnte der Kölner Künstler zwölf weitere in das Pflaster mehrerer Gehsteige der Stadt einlassen.

Vor dem Eingang an der Stedtfelder Straße 19a ist nun ein Stolperstein für Willy Enders zu finden. Zur gestrigen Gedenkfeier erinnerten Stefan Engel, Susanne Schneider-Raab, Ilona Beck, Thekla Bernecker an die zwölf Opfer, die gestern jeweils einen Stolperstein in Eisenach bekamen.  Foto: Norman Meißner

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Die Privatpersonen Kathrin Beck, Erika Hermanns, Andreas und Evelyn Richter, Roland Kabisch, Klaus Wuggazer, Stephan Gütermann, Stefan Engel, aber auch ein anonymer Spender ermöglichten die neue Stolperstein-Verlegung genauso wie der Club Soroptismist Eisenach, der Tanzverein Eisenach, der Bund der Ruhestandsbeamten sowie die Ortsverbände der Parteien SPD und Linke.

Für alle Opfer des Nationalsozialismus

Erstmals wird in Eisenach mit dem Verlegen der Steine nicht nur an deportierte Eisenacher Juden erinnert. "Meine Aktion ist seit dem ersten Tag für alle Opfer des Nationalsozialismus‘ offen", erklärt Demnig. Rund 50 Gäste wohnten der gestrigen Gedenk-Runde zum Auftakt der sechsten Verlegung in der Stedtfelder Straße bei. "Es ist eines der dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte", betont Christiane Leischner vom "Bündnis gegen Rechts", "und jedes Opfer war eins zu viel". Jedes Einzelne der Opfer sei es Wert, an es und die Gräueltaten zu erinnern. "Die Stolpersteine sind eine historische Bereicherung und ein neuer Weg der Erinnerungskultur - auch hier in Eisenach", fährt Leischner fort. Mit Gitarrenklängen rundete Carsten Degenhardt das Gedenken ab.

Eisenachs OB Katja Wolf bedankte sich bei Demnig mit dem Buch "Stolpersteine in Eisenach", das Eisenachs Stadtarchivar Dr. Reinhold Brunner zusammenstellte. Sie bezeichnet die Stolpersteine als "wichtige Erinnerungsbausteine." Vor dem Haus der Stedtfelder Straße 19a setzte der Künstler aus Köln gestern den ersten Stein. Hier soll der Eisenacher Sozialist Willy Enders zuletzt gewohnt haben. Dem widersprach Andreas Schrader, der jetzt dort wohnt. Das Haus, das heute von Neubaublocks eingekesselt ist, sei seit 1920 in Familienbesitz und zu keiner Zeit untervermietet worden. "Willy Enders ist im Eisenacher Adressbuch von 1938 unter dieser Adresse eingetragen - damals war es noch die Hausnummer 1", sagt der Stadtarchivar. Brunner schmerzt es, dass die Meldekartei im Krieg leider verbrannt ist.

Willy Enders, geboren am 11. April 1886 in Sonneberg, lebte seit 1908 in Eisenach. "Bereits im Jahr 1905 trat er der SPD bei", erinnert Thekla Bernecker während der Gedenkveranstaltung. In den 1920er Jahren arbeitete Enders als Bibliothekar der Gewerkschaftsbibliothek Eisenach. Er engagierte sich im Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Als Mitglied des ISK (Internationaler Sozialistischer Kampfbund) wurde Enders am 5. Januar 1938 verhaftet. Zwei Tage später, am 7. Januar 1938, beging er im Gerichtsgefängnis Eisenach Selbstmord.

Ferner wurden gestern Steine verlegt für: Ellen Blüth (Bahnhofstraße 27), Werner Heilbrunn (Karlstraße 44), Henriette Katz (Rennbahn 28), Ruth Doris, Julie und Hermann Knorringa (Rennbahn 8), Meta Löwenstein (Karlstraße 8), Werner Alfred Löwenstein sowie Julius und Eugenie Moser (Georgenstraße 44/46) und Heinrich Zieger (Frankfurter Straße 104).

Demnig ist beinahe täglich auf Achse. "Im Vorjahr war ich 235 Tage unterwegs", erzählt der Künstler, der es sich nicht nehmen lässt, jeden Stein selbst einzusetzen. Seit Beginn seiner Aktion im Jahr 2000 hat er über 45"000 Stolpersteine in 935 deutschen Orten verlegt. Etwa 1000 Steine mahnen überdies in 17 europäischen Ländern.

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