Glockenweihe in der Weimarer Herz-Jesu-Kirche

Weihbischof Reinhard Hauke kehrt zum Festgottesdienst in seine Heimatgemeinde zurück

Weihbischof Reinhard Hauke zelebrierte die Glockenweihe in der Herz Jesu-Kirche und durfte als erster die neue Glocke anschlagen. Foto: Maik Schuck

Weihbischof Reinhard Hauke zelebrierte die Glockenweihe in der Herz Jesu-Kirche und durfte als erster die neue Glocke anschlagen. Foto: Maik Schuck

Foto: zgt

Weimar. "Der Klang der Glocke ist rein und klar", befand Weihbischof Reinhard Hauke, der zur Weihe der neuen Bronzeglocke in seine Heimatgemeinde zurückkehrte. Ihr melodischer Ton schallte drei Mal kräftig durch die volle Herz-Jesu-Kirche. Und als Pfarrer Kämpf zum Abschluss des Gottesdienstes alle Kinder nach vorn bat, damit sie auch einmal selbst die Glocke anschlagen können, gab es für die Jungen und Mädchen kein Halten mehr.

"Es ist das erste Mal seit 124 Jahren, dass in dieser Kirche wieder eine Glockenweihe stattfindet", betonte Christine Herzog vom Kirchenvorstand das singuläre Datum. 1888 bis 1891 war das Gotteshaus erbaut worden. Die neue Glocke soll nach den Worten des Weihbischofs auch deutlich machen, unter welcher Spannung "wir in der Stadt leben", so nahe des ehemaligen KZ Buchenwald. "Die neue Glocke soll erklingen in Erinnerung daran, wo Weimar stand und steht, zwischen Humanität und Inhumanität, zwischen Menschlichkeit und Unmenschlichkeit." Gewidmet ist sie dem Heiligen Bonifatius, Otto Neururer, Paul Schneider sowie allen Märtyrern, die ihren Glauben nicht verleugnen, sondern dafür leiden und ermordet werden. Die Zahl der weltweit verfolgten Christen sei erschreckend. Um ihre Schulter trägt die Glocke den Spruch "Die das Tier und sein Bild nicht angebetet haben, herrschen mit Christus." Weihbischof Hauke rief ins Gedächtnis, dass Glocken auch "die Vielfalt des Christseins zum Ausdruck bringen".

"Die Freude und die Dankbarkeit sind groß, dass wir in einer Zeit leben dürfen, in welcher in unserem Land seit Jahrzehnten Glocken gegossen und nicht eingeschmolzen werden", unterstrich Pfarrer Carsten Kämpf in seinen Dankesworten. Die Herz-Jesu-Gemeinde hatte 1942 zwar zunächst ihre Christus- und ihre Marienglocke verloren. Doch beide wurden nicht, wie beabsichtigt, für Rüstungszwecke genutzt, sondern kehrten 1947 unversehrt zurück.

Pfarrer Kämpf dankte dem Glockensachverständigen des Bistums Erfurt, Andreas Philipp, der die Herz-Jesu-Gemeinde zur vierten Glocke ermutigt hatte. Gegossen wurde die neue Glocke im Oktober von Glockengießermeister Albert Bachert in Karlsruhe. "Das erlebt nicht jede Generation", meinte der Pfarrer im Rückblick auf das "archaische Ritual" des Glockengusses. Gestaltet wurde die Glocke von Diplomdesigner und Gemeindemitglied Markus Goldammer. "Seine Kunst und seine Liebe zum Detail" sprechen nach den Worten von Kämpf aus der Glocke: Alle Bücher des neuen Testaments zieren die Glocke (wir berichteten). Kämpf dankte allen Spendern, deren großzügige Unterstützung die Investition ermöglicht hat. Von der Firma Glocken & Turmuhren Christian Beck aus Kölleda war der marode alte Stahlglockenstuhl "gerade zur rechten Zeit" abgebaut worden. Pfarrer Carsten Kämpf hofft auf rechtzeitige Fertigstellung des neuen Glockenstuhls, so dass alle vier Glocken von Herz Jesu vielleicht schon zur Vesper am vierten Advent wieder aus dem Glockenturm erklingen können, spätestens aber am Heiligen Abend.

Bis zur Fertigstellung des neuen Glockenstuhls aber kann die rund 550 Kilogramm schwere neue Bronzeglocke in der Pfarrkirche bewundert werden.

Glockenstuhl der Weimarer Herz-Jesu-Kirche kommt in die Kur