Kreuzhof in Arnstadt wird zum Ort der Inspiration

Arnstadt.  Die Evangelische Kirchengemeinde und der Oberkirchenverein rufen eine gemeinsame Spendenaktion ins Leben.

Der Vereinsvorsitzende Andreas Hirsch, die Gemeindekirchenratsvorsitzende Sigunde Munsche und Pfarrer Thomas Kratzer (von links nach rechts) stellten am Mittwoch das Projekt Kreuzhof vor.

Der Vereinsvorsitzende Andreas Hirsch, die Gemeindekirchenratsvorsitzende Sigunde Munsche und Pfarrer Thomas Kratzer (von links nach rechts) stellten am Mittwoch das Projekt Kreuzhof vor.

Foto: Britt Mandler

„Achtung, Balken!“ Mit einem großen Schritt überwindet Pfarrer Thomas Kratzer das Hindernis im Kreuzhof hinter der Oberkirche, achtet auch darauf, dass niemand der Gäste stolpert.

Viele Jahre wurde dieser idyllische Fleck am Pfarrhof 2, der zum ehemaligen Franziskanerkloster gehört, nicht genutzt. Schwere Balken stützten eine Mauer, die umsturzgefährdet war. „Sie war der Ausgangspunkt dafür, dass die Kirchengemeinde und der Oberkirchenverein ein viel größeres Projekt in Angriff nahmen: die Sanierung der Oberkirche“, erklärt er.

Seitdem wurden drei Millionen Euro investiert. Städtebaumittel flossen vor allem in das Gebäude. Das Geld für restauratorische Arbeiten, etwa an Bildern und Skulpturen, musste die Kirchengemeinde selbst auftreiben. Dabei war und ist ihr der Oberkirchenverein behilflich. Nun soll der Kreuzhof wieder nutzbar gemacht werden.

Ideen, wie es gehen könnte, steuerten Studenten der Fachhochschule für Landschaftsgestaltung in Erfurt bei. Oliver Fiebig siegte im Wettbewerb. Das Landschaftsarchitekturbüro Alkewitz griff seinen Entwurf auf, visualisierte ihn und rechnete aus, was die Umgestaltung kostet: 160.000 Euro sind nötig. 40 Prozent dieser Summe, also 64.000 Euro, sind Eigenmittel.

Innerhalb einer Woche 1000 Euro gesammelt

Auch beim Kreuzhof soll das bewährte Konzept, Spenden einzuwerben, zur Anwendung kommen. „Wir sammeln bis Ende April 2021“, erklärt der Vereinsvorsitzende Andreas Hirsch. Eine entsprechende Internetseite wurde gerade freigeschalten. Innerhalb nur einer Woche kamen bereits tausend Euro zusammen, freut sich der Pfarrer. Und es gibt, dank des Auftritts von Jethro Tull zum Bachadvent 2019, schon einen beachtlichen finanziellen Grundstock. Band-Gründer Ian Anderson stellte 12.000 Euro seines Honorars für das Vorhaben bereit.

Wer mit seiner Spende das Vorhaben unterstützen will, kann entweder einfach so Geld überweisen, oder sich ein Teilprojekt aussuchen, für das er spendet, erklärt Thomas Kratzer.

Der Kreuzhof, der im 19. Jahrhundert mit Baumaterial aus dem Kircheninneren aufgefüllt wurde, soll zunächst einmal auf seine ursprüngliche Höhe ausgeschachtet werden. Rund 1,20 Meter Erdreich müssen weg.

Sitzgruppe und Assisi-Stele

Vom Stadtkirchenamt und vom Pfarrhof aus wird man künftig einige Stufen hinab in den Kreuzhof gehen. Von der Oberkirche aus ist er barrierefrei zugänglich. Auf dem Hof soll eine Assisi-Stele errichtet werden. Unter einer Winterlinde ist eine Sitzgruppe geplant. Von hier aus geht der Blick zu einer Wasserschale – all das sind biblische Symbole, die aufgegriffen werden. Auch sollen üppig blühende Rosenbüsche ihren Platz finden.

Der Kreuzhof, so der Wunsch, soll ein Ort der Besinnung, der Meditation, des Gebets werden – so, wie er schon von den Franziskanern genutzt wurde, die vom 13. bis 16. Jahrhundert hier ihr Kloster hatten. Später diente das Areal als Schule, seit 1911 ist es wieder im kirchlichen Besitz.

Baubeginn soll im Jahr 2021 sein, so Pfarrer Kratzer. Doch auch danach ist noch reichlich zu tun, verrät er augenzwinkernd. So eine Kirche sei ein Generationenprojekt. „Das ist wie der Kölner Dom in Miniatur – fertig wird man nie.“

Die Spendenseite im Internet heißt www.oberkirche-arnstadt.de/kirche/sanierung/sanierung-und-neuanlage-des-kreuzhofes