Leserin zum Streit um Weimarer Pfarrer Kämpf: „Das sind keine christlichen Friedensengel“

Die Diskussion über die Versetzung von Pfarrer Carsten Kämpf geht weiter. Jetzt schrieb uns Steffi Engelstädter einen Leserbrief. Sie kritisierte unter anderem das Agieren eines Ehepaares, das den Blog „Katholisch in Weimar“ betreibt. Mit Eifer würden Missstände angeprangert.

Mit der Versetzung des Pfarrers Carsten Kämpf wurde ein Streit öffentlich, der in Weimars katholischer Gemeinde schon lange schwelt. Dabei werden viele Register gezogen, um vermeintliche Missstände anzuprangern. Die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit bleiben auf der Strecke, bedauerte Steffi Engelstädter. Archiv-Foto: Peter Michaelis

Foto: zgt

Viele Leser werden sich wundern. Die Katholiken sind eine Minderheit in Weimar und stehen plötzlich im Focus der Öffentlichkeit. Grund ist die Abberufung von Pfarrer Carsten Kämpf, der zwölf Jahre der Gemeinde vorstand. Pfarrer Kämpf ist beliebt in der Stadt und bei der übergroßen Mehrheit der Gemeindemitglieder, zu denen auch ich gehöre. Er hat in diese Stadt hinein gewirkt, durch sein Auftreten bei vielen öffentlichen Anlässen, durch die Zusammenarbeit mit den evangelischen Gemeinden und anderen christlichen Gemeinschaften, auch durch seine Aktivitäten bei den Rotariern. Er hat das Ansehen der Katholiken in dieser Stadt gefördert.

Es gibt eine kleine Minderheit – sie hört das nicht gern – von konservativen Traditionalisten in der Gemeinde, die sich im Internet-Blog „PuLa – Katholisch in Weimar“ mit theologischen und liturgischen Sachverhalten aus ihrer Sicht auseinander setzen. Ihre selbst gewählte Aufgabe sehen sie im Aufzeigen der „Fehler und Missstände“ in der Gemeinde. „PuLa“ ist das Zentralorgan dieser Tradis, wie sie sich selbst gern verharmlosend nennen. Traditionalisten haben einen Platz in der Gemeinde, wenn sie nicht aggressiv einen Alleinvertretungsanspruch erheben. Das ist meine Meinung.

Weiterer Leserbriefe zu diesem Thema: Streit um den katholischen Pfarrer Kämpf in Weimar und die Meinungen der TLZ-Leser

m Laufe der Zeit hat in der Gemeinde diese Konstellation zu erheblichen Konflikten und Irritationen geführt. Ziel der Angriffe war vorwiegend Pfarrer Kämpf. Seit einigen Jahren verfolge ich diesen Blog. Über Positives wird nur marginal geschrieben. Es bleibt der ausdrückliche Anspruch, Chronist der Missstände in der Gemeinde zu sein. Das wird mit Eifer sowie mit verschiedenen Methoden getan und ist ausreichend nachzulesen. Gereon Lamers und Dr. Cornelie Becker-Lamers betreiben den Blog.

Über Jahre wurde aufgelistet, kritisiert und süffisant kommentiert: Wo, wann, wie und warum Pfarrer Kämpf agiert, wo er Urlaub macht, wen er in das Gemeindehaus einlädt, welchen städtischen Aktivitäten er nachgeht, ob er in Zivil gekleidet oder als Priester erkennbar ist ... Auch über andere Personen und Situationen wird offenbar akribisch Buch geführt mit Daten, Umständen, Aktivitäten, Aussagen, Denkweisen, Zahlen. Wer die Kraft hat, sich mit dem Blog zu beschäftigen, kann das pro­blemlos nachlesen.

In den sogenannten ­Sketchlets treten viele Gemeindemitglieder und auch natürlich Pfarrer Kämpf mit umschriebenen Namen als Personen, Schafe, Lämmer und Schafstatisten auf. Insider wissen, wer gemeint ist und oft aufs Übelste verunglimpft wird. Während des Gottesdienstes werden Notizen gemacht, um „Fehler“ im Ritus und in der Liturgie zu vermerken. Ich bin als bekennende Christin in der DDR aufgewachsen, kenne so etwas von bestimmten Staatsorganen und bin fassungslos über die Duplizität der Ereignisse.

Wer jahrelang solchen Anfeindungen ausgesetzt ist, leidet, verändert sich, wird verletzt und verbittert, verliert Vertrauen in seine Umgebung, wird krank. Das sage ich als Diplom-Psychologin mit über 40-jähriger Berufserfahrung. An Pfarrer Kämpf kann dieses Mobbing nicht spurlos vorüber gegangen sein. Er ist nicht ohne Fehler, wer ist das schon. Es wird gesagt, er habe sich zurückgezogen, seinen Beraterkreis sehr eingeschränkt. Das ist nicht gut. Er sei nicht souverän genug mit seinen Kombattanten umgegangen. Ich weiß, das ist leicht gesagt und deshalb ungerecht. Probleme hätten besser kommuniziert werden müssen, dann wären manche seiner Entscheidungen besser verstanden worden.

Ich habe lange mit Pfarrer Kämpf gesprochen. Er kann vielen dieser Anfechtungen nicht entgegen treten, weil eigene Aussagen das Amtsgeheimnis brechen würden. Eine Zwickmühle: Äußert er sich nicht, bleiben die Anfechtungen unwidersprochen stehen und werden weiter genüsslich gegen ihn verwendet. Äußert er sich, bricht er das Amtsgeheimnis. Damit kann die Wahrhaftigkeit eigentlich nur das bischöfliche Ordinariat in Erfurt klären.

„Bischof ignoriert Hilferuf“: Gemeinden setzen sich für Pfarrer Kämpf ein

Sie haben Verantwortung Herr Bischof Neymeyr, ebenso die involvierten Mitarbeiter des Ordinariats! Das Ordinariat hat eine Fürsorgepflicht nicht nur gegenüber einem „Arbeitnehmer“, sondern auch gegenüber der Gemeinde! Die Traditionalisten haben sich über Jahre an Bischof, Weihbischof, Rechtsabteilung, Offizial und andere Institutionen des bischöflichen Ordinariats gewandt. Der Leserbrief von Frau Becker-Lamers lässt erahnen, welcher Art diese Interventionen waren.

Übrigens: Gereon Lamers kann es nicht verantworten, einen kritischen Kommentar von mir im Blog frei zu schalten. Deshalb kann man eigentlich nicht wirklich von einem Blog sprechen. Er schrieb mir: „Beschäftigen wir uns also mit der Zukunft, denn ein wesentlicher Teil der Verantwortlichen für die Weimarer Verhältnisse bleibt uns ja leider erhalten... Erkundigen Sie sich und machen Sie bei der notwendigen Heilung mit! Jemanden mit Ihren Eigenschaften könnten wir gegenüber bestimmten Personen gut gebrauchen.“ Das ist entlarvend, es sind keine christlichen Friedensengel, die uns hier begegnen.

Ich bedauere es außerordentlich, dass Pfarrer Kämpf die Gemeinde verlässt. Von „PuLa“ wird ihm ein Mangel an Spiritualität und seelsorgerischen Fähigkeiten vorgeworfen. Ich selbst und viele Gemeindemitglieder sehen das anders. Aber wir gehören wahrscheinlich zu den Dummen, die „einer Täuschung der Kompetenz unseres Pfarrers unterliegen, wenn sie lediglich die Messe besuchen“( Zitat PuLa). Das dürften dann vielleicht mehr als 90 Prozent der Gemeinde sein. Welche Arroganz. Ich frage mich aber auch: Haben wir – ein Großteil der Gemeinde – versagt, Pfarrer Kämpf allein gelassen? War uns die Auseinandersetzung auf allen Konflikt- und Problemebenen, die sichtbar waren, zu unbequem, haben wir sie gescheut und weggeschaut – allerdings vielleicht auch gar nicht wahrgenommen?

„PuLa“ hat in kleinlichen Zahlenspielereien die 72 Unterzeichner eines Pro-Kämpf-Briefes aus Bad Berka an den Erfurter Bischof lächerlich gemacht und als unbedeutend hingestellt. Ich weiß, dass sich viele Weimarer auch an den Bischof gewandt haben. Wie viel Traditionalisten gibt es? „PuLa“ wird von zwei Personen geführt. In großen Abständen taucht noch eine Dame auf. Keiner der Freunde von „PuLa“ wird im Blog sichtbar und solidarisiert sich offen. Gibt es sie? Sind es drei, eine Hand voll oder zehn?

Wir müssen in Zukunft wachsam sein und uns wehren. Ich wünsche mir, dass Pfarrer Kämpf eine angemessene Aufgabe bekommt, die seinem Können und seinem Fähigkeiten gerecht wird. Das scheint mir mit der derzeitigen Lösung, von ihm so nicht gewollt, nicht der Fall zu sein.

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