"Papstregion": Peter Kittel rät zu Eichsfelder Pilger-Konzept

1,5 Milliarden Menschen haben anlässlich des Papstbesuches in Deutschland von Thüringen - und vor allem auch vom Eichsfeld - gehört. Eine Riesenchance für die Region, sagt Peter Kittel, der das Eichsfeld als Regionalkoordinator des Papstbesuches kennenlernen durfte. Darüber, was nun getan werden musste, sprach er bei der Buchpräsentation mit unserer Zeitung.

Jetzt die Chance nutzen: Das rät Peter Kittel, der Regionalkoordinator des Papstbesuches im Eichsfeld, der sich diesem Landstrich und seinen Bewohnern sehr nahe und verbunden fühlt. Foto: Peter Michaelis

Jetzt die Chance nutzen: Das rät Peter Kittel, der Regionalkoordinator des Papstbesuches im Eichsfeld, der sich diesem Landstrich und seinen Bewohnern sehr nahe und verbunden fühlt. Foto: Peter Michaelis

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Sie sagen, man müsse nun die Chance nutzen. Aber wie?

Diese Gegend hier ist relativ strukturschwach und sie hat durch den Heiligen Vater einen Schub an Bekanntheit erlangt, der aus Marketinggesichtspunkten unbezahlbar ist. Es werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten Pilgerscharen kommen, wenn sie willkommen sind. Man muss also diese Chance dahingehend nutzen, dass man Infrastruktur schafft: Hotellerie, Gastronomie und Kulturämter sollten sich ein gemeinsames Konzept der Vermarktung überlegen, damit diese Region Eichsfeld eine richtige Papstregion wird. Dabei geht es nicht nur um Etzelsbach...

Sondern?

Wir haben im Vorfeld des Besuchs diese vielen Pilgerwege angelegt und die gesamte Region hat dann am 23. September 92 000 Pilger wunderbar gastfreundschaftlich empfangen - allerdings improvisiert. Jetzt muss man das professionell machen und Synergien wirken lassen unter den ganzen Orten, die daran beteiligt waren. Die große Chance für die Menschen hier heißt: Wir können uns als die "Papstregion Eichsfeld" aufstellen und entsprechend nach außen auftreten.

Passt diese professionalisierte Freundschaft eigentlich zu den Eichsfeldern?

Es passt grundsätzlich, denn das, was hier erlebt wurde, gehört ja den Eichsfeldern nicht allein. Das ist katholisches Kulturgut. Das ist eine Kirchenbotschaft gewesen für die ganze Welt - und Schauplatz war das Eichsfeld. Es werden daher sehr viele Menschen hierherkommen, weil sie diese Emotionen, die den Eichsfeldern geschenkt wurden, nachempfinden wollen. Ich denke daher, es ist auch Aufgabe der Eichsfelder, ihren Glaubenskameradinnen und -kameraden diese Möglichkeit zu schaffen.

Kirche ist kein Event-Betrieb.

Nein, das soll sie auch nicht sein.

Zugleich heißt es, jeder Zweite gehe in seinem Urlaub in ein Gotteshaus... Was kann Kirche tun, um diese Chance gerade hier zu nutzen?

Der Weg ist das Ziel: Was wir hier im Eichsfeld gemacht haben, war - mehr oder minder auch durch die Geografie bedingt - eine Pilgerreise. Der Weg zur Etzelsbach-Kapelle war der Weg zu sich selbst und der Weg zu Gott. Und dieses leise Format zu nutzen, das ist die Chance - und es ist die Aufgabe für das Eichsfeld. Man sollte also auf keinen Fall eine Art katholischen Disneypark aufmachen, sondern ganz im Gegenteil: Der Ort muss seine Spiritualität, seine Ruhe, seine Würde behalten. Aber: Der Ort muss zugänglich werden für die vielen tausend Menschen, die hierher kommen würden, wenn man sie entsprechend bitten würde... Dazu gehört ein Vermarktungskonzept, ein Angebotskonzept. Die Infrastruktur muss stimmen. Das muss die Region bereitstellen. Und in dieser Bereitstellung liegt aus meiner Sicht eine ganz große Chance.

Was würden Sie konkret für Etzelsbach raten?

Ich würde eine ganz leise Stätte des Nachdenken schaffen, mit sehr vielen Schautafeln, damit sich die Besucher vorstellen können, wie das hier war. Wer hierher kommt, muss hier diese geistige Kraft für sich selbst aufnehmen können.

Wie lange bleibt Zeit, um solche Pläne auf den Weg zu bringen?

Offen gesprochen: Es müssen jetzt schon die Weichen gestellt werden. Wenn man zu viel Zeit ins Land gehen lässt, verspielt man die Chance. Zum Jahrestag - am 23. September 2012 - sollte man schon gut aufgestellt sein.

Papst-Buchpremiere war ein Heimspiel im Eichsfeld

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