Pfarrer Carsten Kämpf über Mobbing in Weimars katholischer Gemeinde

Weimar  Mit Herzblut ist Carsten Kämpf Pfarrer. Dass andere, eine Minderheit, ihm in den vergangenen Jahren das Herz brachen, möchte er nicht sagen. Ein Interview über ein wichtiges Organ, die Liebe und das Mobbing in Weimars katholischer Gemeinde.

Herz in Not: Für Pfarrer Carsten Kämpf gilt das - im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinne. Foto: Timur Emek

Herz in Not: Für Pfarrer Carsten Kämpf gilt das - im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinne. Foto: Timur Emek

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Er gibt nur einen Kampf in Weimars katholischer Gemeinde verloren, den er nicht gewinnen konnte und der bereits seine Gesundheit beeinträchtigte.

Haben Sie schon eine neue Wohnung gefunden?

Ja. Und schon fast bezogen. Zumindest stehen die Möbel bereits. Nur Kisten müssen noch ausgepackt werden.

Ihre neue Heimat...

... wird Gerblingerode sein. Das ist ein Ortsteil von Duderstadt. Meine neue Wohnung ist in einem Mietshaus, das direkt am Waldrand liegt. Wunderschön. Und echtes Zonenrandgebiet, daher ist es auch erschwinglich. Aber Duderstadt gehört zu Niedersachsen und zum Bistum Hildesheim. Ich habe im thüringischen Eichsfeld einfach keine geeignete Wohnung gefunden.

Was werden Sie von September an genau tun?

Ich bin vom 1. September an freigestellt für die Ausbildung als Klinikseelsorger. Die Klinische Seelsorge-Ausbildung, so heißt der Kurs, wird an verschiedenen Orten angeboten für Menschen, die in den unterschiedlichsten Bereichen der Seelsorge arbeiten wollen. Die Arbeit im Krankenhaus ist nur eine Facette dabei. Auch die Familienseelsorge wird zum Beispiel bei der Ausbildung berücksichtigt. Ich habe mich für einen Kurs in Österreich entschieden. Dort hat man auf meine Anfrage schnell und kompetent geantwortet.

Was bewog Sie, Pfarrer zu werden?

Meine Heimatgemeinde war Melchendorf bei Erfurt. Und ich war mit Diensten im Pfarrhaus beschäftigt. Zum Beispiel bei der Ahnenforschung mit Hilfe alter Kirchenbücher. Das hatte nicht allein etwas mit Frömmigkeit zu tun. Das älteste Kirchenbuch von Melchendorf geht in das Jahr 1680 zurück. Und mich hat es fasziniert, aus dieser Zeit Dinge zu entziffern, Chroniken zu lesen und Kirchengeschichte zu erleben. Ich habe viel Zeit im Pfarrhaus verbracht. Ich glaube, dass das meine Neugierde geweckt hat. Ich entstamme keiner katholischen Familie. Ich wurde mit sechs Jahren auf meinen eigenen Wunsch katholisch getauft. Ich fand das bunter und schöner als in der evangelischen Kirche. Ich habe erst kurz vor meinem 18. Geburtstag erfahren, dass es das einzige Priesterseminar der DDR in Erfurt gibt. Die Wende für mich kam während meines Grundwehrdienstes bei der NVA. Dort habe ich mir mit 19 Jahren das erste Mal die Frage gestellt, ob ich in dieser DDR-Mühle bleiben will. Ein Studienplatz für Pädagogik war mir sicher, und ich wollte Lehrer für Behinderte werden. Auch hatte man mir zugesagt, eine Elektrikerlehre absolvieren zu können. Aber während zahlreicher Wachen in der Kaserne wurde mir klar, dass ich diese Berufe nicht wirklich erlernen wollte. Die Zweifel waren zu groß. Aus der „Jungen Welt“ erfuhr ich, dass Hans-Reinhard Koch 1985 neuer Weihbischof von Erfurt wurde. Und ihn kannte ich von früher. Ich nahm Kontakt auf, er lud mich ein und klärte mich auf: Ich konnte in der DDR nicht einfach so Katholische Theologie studieren. Es gab nur das Studium in Erfurt für Priesteramtskandidaten. Und Koch gab mir eine ganze Reihe an Tipps, wie ich eine Berufung erkennen könne. Drei Monate lang habe ich darüber nachgedacht. Dann besuchte ich Koch erneut und sagte: „Ich glaube, ich will Priester werden.“ „Glauben ist da nicht genug. Willst Du? Oder willst Du nicht? Kannst Du sagen, dass Du Dich berufen fühlst?“ Ich sagte: „Ja.“

Klingt pragmatisch. Der Laie stellt sich immer vor, dass Gott zu einem spricht: „Carsten, Du bist berufen.“

Die Berufungsgeschichten sind sehr unterschiedlich. Dass wirklich jemand die Stimme Gottes hört, ist die Ausnahme. Ich kenne wenige Mitbrüder, die das sagen würden.

Würden Sie rückblickend betrachtet diesen Weg erneut gehen?

Ja. Ich würde mich wieder dafür entscheiden, Priester zu werden.

Deutsche Priester sind nach einer neuen Studie der katholischen Kirche mit dem ihnen auferlegten Zölibat unzufrieden. Ein Drittel der Priester gab an, dass sich der Zölibat belastend auf ihren Dienst auswirkt. Ein Viertel würde sich, wäre ein Neustart möglich, nicht noch einmal für ein zölibatäres Leben entscheiden. Ein weiteres Viertel ist unentschlossen. Wo ordnen Sie sich ein?

Nirgendwo. Ich bin kein Mensch, der eine Familie gründen würde. Auch wenn ich einen anderen Beruf hätte.

Und was würden Sie tun, wenn Sie sich in eine Frau verlieben würden?

Das hat es schon gegeben.

Als Priester?

Schon davor.

Als Priester hätte es eine andere Dimension. Gibt es Mechanismen, um sich zu schützen?

Man kann sich nicht davor schützen, sich zu verlieben.

Carsten Kämpf, 49 Jahre, verliebt sich. Was würde passieren?

Gut, dass Sie mein Alter erwähnen. Es ist tatsächlich eine Altersfrage.

Jetzt habe ich Ihnen aber eine Brücke gebaut.

Nein, es ist richtig, dass Sie das Alter ins Spiel bringen. Ich gehe heute anders damit um. Ich würde viel nüchterner das Verliebtsein betrachten und mich fragen: Wie soll das gehen? Kann ich mein Leben noch so rumreißen, dass ich in einer Beziehung leben kann?

Also fehlt Ihnen die Radikalität. Männer in Ihrem Alter haben häufig eine Midlife Crisis.

Ich nicht. Ich war nie radikal. Vor der Priesterweihe offenbarte mir eine Frau, wie gern sie mit mir eine Familie gründen würde. Ich will nicht leugnen, dass ich auch verliebt war. Aber ich ging anders damit um. Ich war schon im Priesterseminar. Wir gingen damals auf der Iga in Erfurt spazieren, das Wasser plätscherte; und sie fragte mich, wie lange das Priesterseminar dauern würde. „Sieben Jahre.“ Und sie flötete „Über sieben Brücken muss Du gehen …“ Und ich antwortete: „Und sieben dunkle Jahre überstehen.“ Sie fing an zu weinen. Da fiel mir nur ein blöder Satz ein: „Wir können doch Freunde sein.“

Sie sind 1994 in Duisburg zum Priester geweiht worden. Haben Sie danach je daran gedacht, Ihr Priesteramt aufzugeben?

Nein, nie. Ich kam vor zwölf Jahren nach Weimar. Ich war jung, es gab viel Arbeit und ich war zufrieden. Manchmal hätte ich mir weniger Stress gewünscht und ab und zu mal lieber als Gläubiger in der Kirchenbank gesessen, als immer nur vor der Gemeinde zu stehen.

Deswegen waren Ihnen Ihre Exerzitien so wichtig, die Sie auch gemacht haben, als Papst Benedikt das Bistum Erfurt besuchte. Ich wage mal die Behauptung, dass Sie bei einem Besuch von Franziskus anders entschieden hätten.

Jawohl. Das ist so.

Es gab einen Moment, als es Ihnen gesundheitlich nicht gut ging.

Ich habe damals einen Gesundheitscheck gemacht. Was heute öffentlich ist, war damals latent auch vorhanden und für Insider erkennbar.

Sie führen Ihre Erkrankung auch auf die Anfeindungen innerhalb der Gemeinde zurück?

Ein Mitbruder hat den Satz gesagt: „Die terrorisieren Dich.“ Das klingt sehr hart, aber es war eine sehr unfaire Geschichte, auf mich in der Art und Weise loszugehen. Damals waren viele Anfeindungen in dem Blog „Pulchra ut luna - Katholisch in Weimar“ über meine Person zu lesen. Das ließ mich nicht kalt, mir ging es psychisch und physisch nicht gut. Ich habe das Sick-Sinus-Syndrom, was zu Herzrhythmusstörungen führte. Ich glaube, dass das von ein paar wenigen Menschen betriebene Mobbing letztendlich dafür sorgte, dass diese Krankheit ausbrach. Die Krankheit war sicherlich schon vorher vorhanden.

Sie leben jetzt mit einem Herzschrittmacher.

Ja. Er überwacht jede Sekunde, ob mein Herz schlägt. Es gab Aussetzer, die medizinisch nicht erklärbar waren, da sie nur nachts auftraten. Manch einer meinte, mich gar warnen zu müssen: Carsten, dann kannst Du nicht mehr sterben.

Also hat doch jemand Ihr Herz gebrochen?

Das würde ich so nicht formulieren.

Sie sind Pfarrer der Herz-Jesu-Gemeinde. Nomen est omen?

(Lacht.)

Was steckt hinter diesem Patrozinium?

Stellen Sie sich einmal in die Kirche und betrachten die Fenster, vor allem im Bereich des Chorraumes: Dort sieht man Szenen aus der Bibel, die alle etwas zu tun haben mit Barmherzigkeit. Das Patronat „Herz Jesu“ war modern, weil man Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. Jahrhunderts der Meinung war, ständig an die Barmherzigkeit Jesu und seine Liebe zu den Menschen erinnern zu müssen. Gerade in Zeiten, wo es den Menschen schlecht ging: Die Industrialisierung hat eine Wende gebracht und die Kirche..., nein, nicht die Kirche, Gott hat darauf reagiert: Jesus ist da.

Das Patrozinium eroberte die Welt: Sacred Heart, Sacré-Coeur, Sagrado Corazón...

Wir sind eine Weltkirche.

Die unter einem Schwund an Mitgliedern leidet.

Aber wir sind eine Weltkirche.

Genauso wie CDU und SPD noch Volksparteien sind.

Da widerspreche ich. Die Kirchenaustritte sind ein deutsches Problem.

Was ist das Herz für Sie für ein Symbol?

Mitte, Leben, es muss schlagen. Ganz viel verbinde ich damit. Zu glauben, nicht nur an Gott, sondern an die Menschen, heißt auf lateinisch credere und kommt von cor dare: „Ich gebe Dir mein Herz.“ Während der Taufe lautet die Frage des Pfarrers: „Widersagt ihr dem Satan, dem Urheber des Bösen...“ Ich bin schon mal von Taufeltern gefragt worden, ob ich an den Teufel glaube. „Nein, das tue ich nicht. Aber ich glaube, dass es einen gibt.“ Aber ich glaube an Gott. Ich gebe mein Herz Gott.

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie wissen, dass Ihr wichtigstes Organ nicht mehr richtig funktioniert?

Ich bewundere die ganze Anatomie des Menschen. Ich bin so dankbar für all die Kinder, die ich taufen konnte. Und zweimal gelang es nicht. Weil irgendetwas ausgesetzt hat. Natürlich fokussiert sich alles auf das Herz, in einer übertragenen Symbolik aber nicht nur, denn die anderen Organe sind genauso wichtig.

Ist es ein psychologisches Problem, wenn eine Maschine Ihr Herz antreiben muss? Haben Sie einen Therapeuten aufsuchen müssen?

Nein, dafür nicht. Ein Ratschlag war, dem Schrittmacher einen Namen zu geben. Sag Willy oder Heinz dazu. Ehrlich, das habe ich nie gemacht und das brauche ich nicht. Wichtig für mich waren die Worte einer Krankenschwester: Du brauchst die Brille, um gucken zu können. Und Du brauchst den Schrittmacher, damit Dein Herz schlägt.

Wissen Sie, wie lange Ihre Batterien noch laufen?

Insgesamt sollen sie zehn Jahre laufen.

Ist die Vorstellung nicht bizarr, dass man für einen Batteriewechsel wieder aufgeschnitten wird?

Als ich erfahren habe, dass ich einen Schrittmacher bekommen soll und ich mir nicht sicher war, ob ich ihn wirklich haben will, sagte ich meiner Ärztin, dass ich nach meinem Tod in der gelben Tonne landen werde.

Vor der Einäscherung aber werden die Schrittmacher entfernt. Meistens zumindest, denn angeblich explodieren sie mit einem Knall. Als die Diagnose feststand: War das ein Schock?

Das ist eine ganz zentrale Geschichte. Ohne Schrittmacher geht gar nichts mehr. Aber es war kein Schock, ich habe mich nur sehr erschreckt. Und weil ich mir angesichts des Schreckens nicht anders zu helfen wusste, habe ich Witze gemacht. Es stimmt, ein krankes Herz berührt mich anders, bereitet mir andere Sorgen. Zwischen Diagnose und Implantation vergingen fünf Tage, in denen ich eigentlich die Kindergartenkinder in Zinnowitz besuchen wollte. Ich habe mich nicht getraut.

Sie sehen Ihren Begleiter, wenn Sie vor dem Spiegel stehen.

Ja, eine leichte Wölbung und die Narbe. Als ich in Israel war, habe ich meinen Schrittmacherausweis vergessen.

Das heißt, Sie mussten die Sicherheitsschleusen mit der Technik in der Brust passieren? Davor warnen Ärzte.

Ich habe dem Sicherheitspersonal versucht, zu erklären, was unter meiner Haut steckt, und ich habe jedem angeboten, dass er ihn anfassen könne. Man kann ihn ja fühlen.

Und?

Niemand hat es gemacht.

Glaube. Die Sicherheitsbeamten glaubten Ihnen. Manch einer meint, ein gutes Herz zu haben, und hat doch nur schwache Nerven.

Das ist ein guter Spruch.

Haben Sie schwache Nerven?

Manchmal. Das ist aber nicht typisch für mich.

Ihr letzter Tag ist der 31. August. Die Umstände Ihres Weggangs sind öffentlich geworden, wobei es unterschiedliche Meinungen darüber gibt, ob Sie versetzt wurden oder Sie sich haben versetzen lassen.

Als ich meine erste Pfarrstelle in Weimar antrat, wollte ich nach 10 bis 15 Jahren eine Entscheidung treffen. Die Zeit ist sehr schnell vergangen. Und doch muss ich mir die Frage stellen: Kann ich die Gemeinde noch tragen und kann mich die Gemeinde noch ertragen? Der Zeitpunkt ist nicht falsch. Die Umstände sind es: Sie sind für mich und die Gemeinde verheerend, weil wir sehr erschrocken sind. Dass ich dazu gedrängt werde, durch Menschen, stößt mir übel auf. Und ich hoffe, es verbittert mich nicht. Als ordentlich ernannter Pfarrer kann man nicht versetzt werden. Es sei denn, man hat sich etwas Schweres zu Schulden kommen lassen, was eine Amtsenthebung rechtfertigen würde. Oder man verzichtet auf die Pfarrei. Und ich habe den Verzicht erklärt, weil ich keine Kraft mehr hatte, weiterzumachen.

In der Kritik an Ihrer Person kam sehr schnell die Sprache auf die stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands. Sie habe zu viel Macht, hieß es immer. Schlägt man den Sack und meint den Esel?

Aus meiner Sicht geht es um meine Amtsführung. Ein Pfarrer kann sein Amt unterschiedlich ausüben. Wenn du in Weimar katholischer Pfarrer bist, hast du eine Pfarrei mit vielen Städten und Dörfern. In meiner Ausbildung standen Finanzwesen, Baurecht und anderes nicht auf dem Stundenplan. Und in Weimar werde ich mit all dem konfrontiert. In Weimar aber finde ich immer Menschen, die Fachleute dafür sind und Aufgaben übernehmen im Ehrenamt. Ich wollte einen hauptamtlichen Verwaltungsleiter. Diese Bitte wurde in Erfurt abgelehnt. So haben wie schon bei meinen Vorgängern besonders Mitglieder des Kirchenvorstands entsprechende Verwaltungsaufgaben ehrenamtlich übernommen. Da habe ich die Amtsführung meiner Vorgänger einfach übernommen. Solche Zuarbeit, die in großem Umfang auch von der stellvertretenden Vorsitzenden geleistet wird, lässt dem Pfarrer Raum für seine eigentlichen Aufgaben. Dazu tragen übrigens in der Pfarrei derzeit insgesamt 90 Ehrenamtliche etwa bei. Sind die alle Esel zum Draufhauen?

Ihr Nachfolger hat fast den richtigen Namen für einen perfekten Start: Timo Gothe. Hat er sich jemals bei Ihnen erkundigt über die Situation?

Wir haben uns bereits getroffen. Viele Menschen, die zum Bistum gehören, wissen, was los ist. Er auch.

Lesen Sie den Blog auch heute noch?

Nein. Es gab ein Punkt vor etwa zwei Jahren, da hörte ich auf. Bischof Wanke sagte damals: Die Betreiber des Blogs sind eine Hand voll Menschen. Lass dich nicht verrückt machen, lies es einfach nicht. Das habe ich beherzigt. Seitdem habe ich auch wieder viel freier gehandelt. Das tat mir gut. Allerdings stehen die Dinge im Internet. Und manchmal muss ich mich gegenüber anderen, die das lesen, verteidigen. „Dort stehen Lügen“, sage ich. Und vieles, was dort geschrieben wurde, basiert auf Hass. Was aus Erfurt kam, zeugt von einer gewissen Hilflosigkeit. Für mich eine Enttäuschung. Das muss ich ehrlich sagen. Den Rückhalt, den ich bei Bischof Wanke hatte, habe ich bei seinem Nachfolger nicht mehr. Nachdem ich meinen Weggang öffentlich gemacht habe, gab es viel Zuspruch aus der Gemeinde. Manchmal zweifele ich, ob ein Weggang das richtige ist. Aber so kann ich auch nicht weiter Pfarrer sein. Vielleicht hätte ich anders entschieden, wenn ich gewusst hätte, dass eine so große Mehrheit hinter mir steht. Es blieb aber lange sehr ruhig.

Bis auf Steffi Engelstädter, die einen klugen Leserbrief geschrieben hat, meldeten sich wenige Befürworter öffentlich. Und auch der Pfarrgemeinderat schwieg.

Da gebe ich Ihnen recht.

Wird es eine Abschiedsfeier geben?

Nein. Aber eine letzte Heilige Messfeier.

Warum kämpft Carsten Kämpf nicht?

Ich habe gekämpft. Lange und heftig. Wenn aber die Aussicht auf einen guten Ausgang fehlt, muss man aufgeben.

Zur Sache: Männer und Technik

Carsten Kämpf und Thorsten Büker trafen sich für das Interview im „Apollon“, einer griechischen Gaststätte vis-à-vis der Herz-Jesu-Kirche. An manchen Tagen ist sie der verlängerte Arm des Pfarrhauses. Der Pfarrer und der TLZ-Redakteur kennen sich seit Jahren. Dass das Herz ein zentrales Thema des Interviews wurde, hat einen Grund: Kämpf trägt einen Herzschrittmacher, weil er an Rhythmusstörungen leidet. Und Büker trägt einen Defibrillator, weil bei ihm eine vererbbare Herzkrankheit entdeckt wurde. Männer und Technik. Und viel Herzschmerz.

Carsten Kämpf wird zum Monatsende die Gemeinde verlassen, sein Nachfolger Timo Gothe beginnt als Pfarrer am 1. September. Kämpf bat um seine Versetzung, weil sein Kampf ohne Aussicht auf Erfolg war. Dass er den Rückhalt des Bistums in Erfurt verlor, verhehlte er nicht. Er spricht mittlerweile sehr offen davon, von einer konservativen Minderheit gemobbt worden zu sein.

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