Streit um den katholischen Pfarrer Kämpf in Weimar und die Meinungen der TLZ-Leser

Pfarrer Carsten Kämpf verlässt überraschend die katholische Gemeinde Weimar. Und er hinterlässt Spannungen in ebendieser. Kämpf geht ins Eichfeld und Bischof Ulrich Neymeyr soll Gesprächsangebote ausgeschlagen haben. Dazu erreichen die TLZ immer neue Lesermeinungen.

Die katholische Kirche Herz Jesu in Weimar. Dort wirkte Pfarrer Carsten Kämpf. Foto: Candy Welz

Die katholische Kirche Herz Jesu in Weimar. Dort wirkte Pfarrer Carsten Kämpf. Foto: Candy Welz

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Professor Silke Satjukow (Weimar/Magdeburg) und Professor Rainer Gries (Weimar/Wien) schreiben in einem Leserbrief an die Thüringische Landeszeitung von „perfiden Anspielungen und gezielter Diffamierung“:

Carsten Kämpf, der katholische Pfarrer von Weimar, hat Feinde. Der Leserbrief von Frau Dr. Cornelie Becker-Lamers offenbart in erschreckender und zugleich entlarvender Weise, wie sie seit Jahren Stimmung machen: Mit perfiden Anspielungen, mit haltlosen Unterstellungen und mit gezielten Diffamierungen. Dabei nehmen sie nicht nur den Menschen und Priester, sondern gleich auch all jene gnadenlos ins Visier, die sich auf seine Seite und auf die Seite eines ökumenisch gelebten Katholizismus stellen.

Weiterer Leserbrief zum Thema: Leserin zum Streit um Weimarer Pfarrer Kämpf: „Das sind keine christlichen Friedensengel“

Diese wenigen Propagandisten reklamieren für sich, aus traditionalistischer Perspektive zu argumentieren, gerne garnieren sie ihre Ein- und Auslassungen mit Zitaten aus theologischen Schriften. Aber das scheint nur ein Etikett zu sein, denn die Wortmeldung von Frau Becker-Lamers in dieser Zeitung macht deutlich: Diese selbsternannten Inquisitoren sind nicht vom Geist Jesu inspiriert, sondern vom Ungeist des bloßen Klagens und Anklagens. Johannes XXIII. und Paul VI. haben mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil „die Fenster zur Welt“ weit aufgerissen: Das Prinzip des Dialogischen zählt seither zu einem kardinalen Imperativ des Katholischen. Papst Franziskus lebt es der ganzen Welt Tag für Tag vor.

Carsten Kämpf ist ganz in diesem Sinne ein Seelsorger des Dialoges, ein Pontifex im besten Wortsinne, ein Brückenbauer zwischen den Konfessionen und Religionen, aber auch ein geschätzter Mediator der Zivilgesellschaft nicht nur in Weimar. Und ebendarin liegt die Sprengkraft der Causa Kämpf für uns alle, unbeschadet ob wir katholisch sind oder einer anderen christlichen Religion angehören, unbeschadet, ob wir Agnostiker oder Atheisten sind: Die Stadt der deutschen Klassik verliert mit Carsten Kämpf eine ebenso integre wie integrierende Persönlichkeit der Bürgergesellschaft.

Daher müssen nicht nur die Gläubigen der Weimarer Seelsorgeeinheit, sondern die Bürgerinnen und Bürger Weimars inständig hoffen, dass sich der neue Bischof in Erfurt bei diesem Revirement eben gerade nicht von obskuren Anwürfen hat leiten lassen. In den ersten Jahrhunderten waren es nicht die Priester und Diakone, die eine Gemeinde leiteten, sondern die Bischöfe. Ganz in diesem frühchristlichen Geist und im Sinne des Zweiten Vatikanums scheint es uns unabdingbar, dass der Bischof in pastoraler Zuwendung das Gespräch sucht und in geeigneter Weise kommuniziert, dass seine Entscheidung in dieser Sache in keinster Weise mit infamem Stalking in Zusammenhang steht. – Zum Schutz von Pfarrer Kämpf, zur Versicherung der mehr und mehr aufgewühlten Gläubigen und nicht zuletzt zur weiteren Bildung von Vertrauen in den höchst sensiblen Verständigungsprozessen zwischen der hiesigen Gesellschaft und einer Kirche in der Diaspora.

„Warum akzeptiert man nicht?“, fragt zum gleichen Thema TLZ-Leserin H.Seichter:

Ich bin keine Leserbriefschreiberin, doch mich und einige aktive Gemeindemitglieder der katholischen Pfarrgemeinde Herz Jesu hat Ihr Beitrag, den Sie im Auftrag Ihres ehemaligen Kollegen, Herrn Hartmut Kaczmarek, geschrieben haben, sehr irritiert.

Warum verunglimpft eine Filialgemeinde öffentlich in der Zeitung unseren neuen Bischof Dr. Ulrich Neymeyr? Das ist nicht zu begreifen. Ist die TLZ zur „BILD“ heruntergekommen? Recherchiert man nicht mehr?

Natürlich ist es traurig, wenn ein beliebter Pfarrer die Gemeinde verlässt. Unser Pfarrer Carsten Kämpf hat es sich sicher nicht leicht gemacht, von Weimar wegzugehen. Das Bistum hat in einem Beitrag der TLZ vom 25. April klargestellt, dass Pfarrer Carsten Kämpf von sich aus eine Veränderung wollte. Warum kann man das nicht akzeptieren? Vielleicht kann nur unser Pfarrer in der Filialgemeinde Klarheit schaffen.

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