Leser schreiben zum Advent: „Ich hätte so gern den Weihnachtsmarkt genossen“

Weimar.  Drei junge Leute aus dem Ausland, die in Thüringen studieren, berichten.

Der Weimarer Weihnachtsmarkt mit der Holzkrippe ist normalerweise ein Anziehungspunkt nicht nur für die Kleinen und Familien. Auch Studierende aus aller Welt treffen sich oft an der Stelle. In diesem Jahr aber ist alles anders: Selbst die Krippe steht nicht mehr auf dem Markt (Archivfoto).

Der Weimarer Weihnachtsmarkt mit der Holzkrippe ist normalerweise ein Anziehungspunkt nicht nur für die Kleinen und Familien. Auch Studierende aus aller Welt treffen sich oft an der Stelle. In diesem Jahr aber ist alles anders: Selbst die Krippe steht nicht mehr auf dem Markt (Archivfoto).

Foto: Michael Baar

Viele ältere Thüringer haben für die TLZ-Reihe „Leser schreiben zum Advent“ notiert, wie sie Weihnachten früher erlebt haben. Heute kommen jungen Menschen aus dem Ausland zu Wort, die aktuell in Thüringen studieren. Für sie steht die Frage im Raum, wie und wo sie das Fest und den Jahreswechsel erleben.

Motofumi Tsuda kam im März von der Waseda-Universität in Japan nach Deutschland und wird bis März 2021 in Weimar bleiben, um hier Urbanistik zu studieren. Nun geht es um die Frage, wie er Weihnachten und den Jahreswechsel verbringen wird.

„Hätte es Corona nicht gegeben, hätte ich den Weihnachtsmarkt genossen.“ Daraus wurde nichts. „Unglücklicherweise kann ich wegen Corona auch jetzt nicht nach Hause. Meine Pläne hängen davon ab, wie die Situation und die Regeln sind“, macht er deutlich. „Ich plane, über die Feiertage einige Freunde zu treffen, die auch nicht nach Hause fahren können. Wir machen dann, was möglich ist. Ansonsten verbringe ich meine Zeit in meiner Wohnung mit Netflix und trinke mit meinen Mitbewohner ein Bier. Zum Jahreswechsel verbinde ich mich mit Freunden, die weit weg sind. Wir werden eine trendige Online-Party feiern.“

Brogen Berwick, der von der Uni in Eindhoven in den Niederlanden Ende September für ein Semester an die Bauhaus-Uni wechselte, erklärt: „Ich hoffe, dass es mir möglich ist, Weihnachten mit meiner Familie zu verbringen. Aber es ist sehr stressig, in Pandemiezeiten eine Reise zu organisieren.“

Es sei „derzeit sehr viel Papierkram nötig, um von einem zum anderen Land zu gelangen. Deshalb kreuze ich die Finger in der Hoffnung, dass es wirklich klappt.“ An der Bauhaus-Universität Weimar studiert Berwick im Bereich Kunst im öffentlichen Raum und befasst sich mit neuen künstlerischen Strategien. Von Haus aus ist er Designer, definiert sich jedoch als „spatial researcher“, also als Raumforscher – und das will er auch 2021 sein in Thüringen.

Zuletzt war der Student Anfang Oktober nach Madeira in Portugal gereist, um die Sonne und das Zusammensein mit Freunden zu genießen. „Damals war die Corona-Situation o. k., ganz anders als derzeit“, sagt der Student.

Daria Bibartceva ist Erasmus-Studentin im Bereich Urbanistik an der Bauhaus-Uni und wird wie Motofumi Tsuda ein Jahr lang hier sein, ehe diese Zeit im März endet. Ihre Heimat-Universität ist in Moskau. „Ich werde den Weihnachtsabend und den Jahreswechsel mit meiner besten Freundin in ihrer Wohnung feiern. Sie kommt aus Russland.“

Heimreise kommt für sie nicht infrage. „Wir haben Angst davor, jetzt zu unseren Eltern nach Hause zu reisen.“ Das liege vor allem daran, dass sie nicht das Risiko eingehen wollen, womöglich nicht für die Examen zurück nach Deutschland reisen zu können. „Wir wollen auf jeden Fall dafür sorgen, dass gute Stimmung zum neuen Jahr aufkommt. Deshalb werden wir hier in Weimar einen Weihnachtsbaum dekorieren“, sagt die Studentin.

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