Musik von Karl Dietrich aus Weimar soll Heiligsprechung begleiten

Rom/Weimar  Rupert Mayer hat den Komponisten inspiriert – jetzt wurde das Anliegen im Vatikan vorgetragen

Papst Franziskus im Gespräch mit Marion Baumgarten-Dietrich aus Weimar, der Tochter von Karl Dietrich, der Musik zu Rupert Mayer komponierte. Im Hintergrund ist Volker Baumgarten zu sehen. Foto:

Papst Franziskus im Gespräch mit Marion Baumgarten-Dietrich aus Weimar, der Tochter von Karl Dietrich, der Musik zu Rupert Mayer komponierte. Im Hintergrund ist Volker Baumgarten zu sehen. Foto:

Foto: zgt

Papst Franziskus hat seit wenigen Tagen eine CD aus Weimar, die hierzulande so gut wie keiner kennt. Sie ist eigens für die Audienz in der Vatikanstadt entstanden. Zu hören sind Rupert-Mayer-Reflexionen für Orgel, komponiert von Professor Karl Dietrich ((1927- 2014).

Auch der Zeremonienmeister des Papstes, Guillermo Karcher, hat die CD – und die zugehörigen Noten. Da er selbst Organist ist, will er sich mit dem Werk beschäftigen. Das hat er Marion Baumgarten-Dietrich, der Tochter des Musikers und Musikwissenschaftlers, bei der Audienz in der Vatikanstadt versprochen. Dabei geht es um Karl Dietrich nur an zweiter Stelle. Seine Musik, die Rupert Mayer (1876- 1945) gewidmet ist, soll als ein Beleg dafür dienen, dass der Märtyrer noch immer die Menschen bewegt – auch in der Kunst.

Sollte Mayer in absehbarer Zeit heilig gesprochen werden, dann hätte wohl auch die Komposition aus Weimar einen Beitrag dazu geleistet.

Den meisten Menschen hierzulande dürfte der Name Rupert Mayer (1876-1945) nichts sagen. Dabei gehörte der katholische Theologe schon in den 1920er Jahren zu denen, die in Süddeutschland vor der Gefahr der Nazis warnten – also in jener Zeit, als Adolf Hitler in Weimar bereits ein gern gesehener Gast war. Mayer sagte damals öffentlich, dass kein Katholik Nationalsozialist sein könne.

Als die Nazis 1935 die Caritas-Sammlung verboten, widersetzte er sich und stellte in der Münchner St.-Michaelis-Kirche demonstrativ eine Sammelbüchse auf. Seine Predigten waren ein Anstoß. Schließlich wurde er wegen „Kanzelmissbrauch“ verhaftet, später kam er ins KZ Sachsenhausen, schließlich wurde er 1940 im Kloster Ettal interniert.

Eine Führung durch den Zeremonienmeister

Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich. Im Mai 1945, als der Krieg zu Ende war, kam er nach München zurück – und erlag an Allerheiligen 1945 einem Schlaganfall. Seine letzte Ruhestätte ist in der Bürgersaalkirche, wo 1996 das Orgelwerk Rupert-Mayer-Reflexionen von der Organistin Stefanie Martin aus Regensburg uraufgeführt wurde. Das jetzt auf CD gebrannte Werk hat die Leipziger Nicolaikirchen-Organistin Maria Wolfsberger auf der Franz-Liszt-Gedächtnisorgel in der katholischen Herz-Jesu-Kirche in Weimar eingespielt.

Doch zurück zu Rupert Mayer, den aufrechte Katholiken schon zu Lebzeiten „Apostel von München“ genannt hatten: Er wurde 1987 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Nun gibt es Bemühungen, Rupert Mayer in den Stand der Heiligkeit zu erheben.

Daran beteiligt sind Georg Kuropka, der bereits in Kindheitstagen über seine Mutter von Rupert Mayers Wirken erfuhr und seither tief beeindruckt ist von dessen Wirken.

Derweil hat es sich Marion Baumgarten-Dietrich zur Aufgabe gemacht, das kompositorische Werk ihres Vaters der Öffentlichkeit nahezubringen. Karl Dietrich starb 2014, im Jahr zuvor hatte seine Tochter Silberhochzeit in Weimar gefeiert – und aus diesem Anlass auf der dortigen Liszt-Orgel Werke des Vater spielen lassen – von Maria Wolfsberger. Kuropka hörte dabei die Rupert-Mayer-Reflexionen – und war begeistert.

Kuropka lernte die Schriftstellerin Erika Rosenberg, die offizielle Erbin der Schindler („Schindlers Liste“) kennen, die wiederum mit ihrem Buch „Als ich mit dem Papst U-Bahn fuhr“ darüber Zeugnis ablegt, dass sie den jetzigen Papst schon kannte, als er noch als José Bergoglio in Buenos Aires Seelsorger war. Rosenberg hat nun auch für die Romreisenden die Unterlagen übersetzt.

Mit alledem im Gepäck ging es jetzt nach Rom. Morgens um 6.30 Uhr bereits stand die Reisegruppe, zu der auch Volker Baumgarten, Martin Kranz und Barbara Kuropka gehörten, am Annen-Tor. Bei der Audienz unter freiem Himmel saßen sie dann in der ersten Reihe – und wurden beim späteren Rundgang des Papstes von diesem direkt begrüßt und angesprochen.

„Es war berührend, unvergesslich, super!“

Sie konnten ihr Anliegen anbringen und ihre Geschenke überreichen. Und anschließend kam es zu einer weiteren Begegnung mit dem Zeremonienmeister des Papstes – der womöglich noch wichtigere Termin, wenn es darum geht, eine Heiligsprechung in die Wege zu leiten . Der nahm sich viel Zeit für die Gruppe und führte sie dann durch den Apostolischen Palast.

Marion Baumgarten-Dietrich fasst im TLZ-Gespräch ihre Eindrücke so zusammen: „Berührend, beeindruckend, unvergesslich, super! “ Zu toppen wäre als dies nur dadurch, dass bei der Heiligsprechung von Rupert Mayer auf der Orgel die Reflexionen gespielt würden, die ihr Vater Karl komponiert hat.

www.heiligenlexikon.de/BiographienR/Rupert_Mayer.html

www.karldietrich.de

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.