Neuer Weimar-Tatort: Mord im Arbeitermilieu

Matthias Benkenstein
| Lesedauer: 4 Minuten
Ohne Herumalbern geht es nicht: die Hauptdarsteller Nora Tschirner und Christian Ulmen. Foto: Peter Michaelis

Ohne Herumalbern geht es nicht: die Hauptdarsteller Nora Tschirner und Christian Ulmen. Foto: Peter Michaelis

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Weimar  Im neuen Weimar-„Tatort“ zischt, kracht und rummst es. Die Dreharbeiten liegen trotzdem im Zeitplan.

Dafür, dass die „Tatort“-Macher zum Blick hinter die Kulissen eingeladen haben, verraten sie herzlich wenig. Zwei Krankenhausszenen seien gestern an der Reihe gewesen, sagt MDR-Redakteur Sven Döbler. Nähere Informationen dürften jedoch nicht preisgegeben werden, außer, dass die Szenen am Ende des neuen Weimar-„Tatorts“ zu sehen sein werden. Fotografiert werden dürfen die Dreharbeiten auch nicht. Die Spannung soll bis zum Ausstrahlungstermin im Februar 2016 aufrechterhalten werden.

Tatort-Kommissar Christian Ulmen grüßt per Viedeo von den Dreharbeiten in Weimar

Der Arbeitstitel des dritten Falls des Ermittlerduos Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen), lautet nach wie vor „Siegrid und Roy“. Der erneut humoristisch angehauchte Fernsehkrimi beginnt damit, dass in einem Stahlwerk bei Weimar in der Hochofenschlacke die sterblichen Überreste eines gewissen Roy Weischlitz entdeckt werden. Er war dort als Absticharbeiter beschäftigt.

Dieser Teil der Dreharbeiten finde jedoch nicht in einem echten Stahlwerk statt, sondern in einer Eisengießerei im Saale-Holzland-Kreis, verrät Döbler. Man habe sich auch in Unterwellenborn in Südthüringen umgesehen, doch die dortigen Verantwortlichen hätten aus Angst vor Industriespionage abgelehnt. „So mussten wir uns einen anderen Ort suchen.“ Und dieser komme den Vorstellungen der Drehbuchautoren auch sehr nahe, weil es dort anständig zische, krache und rummse.

Wie schon bei den ersten Fällen „Die fette Hoppe“ und „Der irre Iwan“ stammt das Buch von Murmel Clausen und Andreas Pflüger. Letzterer stammt aus Thüringen und sagt, dass seine Herkunft beim Schreiben der Bücher eine Rolle spiele. Der Großteil seiner Familie, zu der er ein gutes Verhältnis habe, lebe in der Nähe von Bad Salzungen. Da habe er einen guten Blick auf die Mentalität der Thüringer.

Mord im Arbeitermilieu

Zurück zur Geschichte: Nachdem der Tote im Stahlwerk gefunden wurde, können die Kommissare Dorn und Lessing Selbstmord als Todesursache schnell ausschließen. Als Mörder des verschiedenen Roy Weischlitz kommt dessen Schwester Siegrid infrage, die ihren Bruder gehasst hat. Verdächtig ist aber auch sein Arbeitskollege Karsten alias Flamingo – ebenso sein zwielichtiger Kumpel Frank, dessen Konto bereits einige Vorstrafen aufweist. „In jedem ‚Tatort‘ bilden wir ein anderes Milieu ab“, sagt Redakteur Döbler. Und dieses Mal sei das Arbeitermilieu an der Reihe. Es gehe jedoch nicht vordergründig um eine Sozialstudie, sondern um Einzelschicksale.

Die Dreharbeiten in der Klassikstadt begannen bereits vor anderthalb Wochen. In drei Wochen soll spätestens die letzte Klappe gefallen sein. Inklusive Vor- und Nacharbeiten dauere die Arbeit jedoch bis zu drei Monate, sagt Produzentin Nanni Erben.

Döbler ergänzt, dass bis jetzt alles relativ glattgelaufen sei. „Niemand ist krank geworden, es musste niemand umbesetzt werden, und es gab auch sonst keine großen Probleme.“ Heißt: Beim gebührenfinanzierten Budget bewege man sich im Rahmen.

Gründerwerkstatt in Weimar

Ein Teil des 35-köpfigen Filmteams hat sich für die Zeit der Arbeiten am „Tatort“ in schicken neuen Räumen einer Gründerwerkstatt in der Weimarer Bauhausstraße eingerichtet, wo es sich so wohl fühlt, dass eine Mitarbeiterin sogar von den Toiletten schwärmt.

Bevor die Schlussszenen im fiktiven Krankenhaus gedreht wurden, war gestern zunächst der aus Ruhla stammende Schauspieler Thorsten Merten an der Reihe, der die Rolle des Kriminalhauptkommissars Kurt Stich spielt. „Wir haben Fahraufnahmen in Weimar gedreht“, sagt Sven Döbler. Mertens Figur liebt es, wenn alles seinen geordneten Gang geht, doch der Weimarer Wahnsinn lässt das nicht zu. Nicht dabei ist diesmal Dominique Horwitz, der bisher den Kutscher Caspar Bogdanski spielte.

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