Berlin. Wetterexperten fürchten: Bald könnte sich das heißeste jemals gemessene Jahr ereignen. Auch ein globaler Rekord könnte dann fallen.

Temperaturrekorde haben Expertinnen und Experten in den vergangenen Monaten immer wieder prognostiziert, nun kommt der jährlich erscheinende Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) über die voraussichtliche Entwicklung des Weltklimas zu dem Schluss: Eines der kommenden fünf Jahre könnte das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen werden. Und zum ersten Mal könnte die globale Temperatur in einem dieser Jahre 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen. Deutsche Experten, die nicht an dem Bericht beteiligt waren, halten einen globalen Temperaturrekord schon 2024 für wahrscheinlich.

Neben der durch den Menschen verursachten Erwärmung des Klimas spielt das Wetterphänomen El Niño bei der Vorhersage der WMO eine wichtige Rolle, dessen Rückkehr Experten im kommenden Herbst für sehr wahrscheinlich halten. „Momentan sieht es stark danach aus, als würde 2023 erstmals seit 2015/16 wieder ein starker El Niño auftreten. Das bedeutet, dass 2023 theoretisch noch das wärmste Jahr werden kann“, sagte Karsten Haustein vom Institut für Meteorologie an der Universität Leipzig gegenüber dem Science Media Center (SMC). Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit für einen neuen globalen Temperaturrekord im kommenden Jahr 2024 erheblich höher – 2023 würde noch den kühlenden Effekt des gerade zu Ende gegangenen kühlenden La-Niña-Ereignisses spüren.

Dürre in Frankreich: Behörden rufen "Krisenlage" aus

weitere Videos

    Temperaturrekord: Nicht allein El Niño ist schuld

    El Niño und La Niña begünstigen Extremwetter in vielen Weltregionen und wechseln sich alle paar Jahre ab. El Niño treibt die globale Durchschnittstemperatur in die Höhe, La Niña hat einen kühlenden Effekt. Bei beiden verändern sich die Meeres- und Luftströmungen im und über dem süd-südöstlichen Pazifik. Die vergangenen drei Jahre waren geprägt von La Niña, nun wird der Beginn einer El-Niño-Periode erwartet.

    Die Vorhersage von El-Niño-Bedingungen für 2023/24 sei jedoch nicht entscheidend für die Prognose des bislang wärmsten Fünf-Jahres-Zeitraums, sagt Helge Goessling vom Alfred-Wegener-Institut am Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. „Die El-Niño-Vorhersage erhöht aber eine ohnehin hohe Wahrscheinlichkeit eines bevorstehenden Fünf-Jahres-Rekords noch weiter“, so Goessling gegenüber dem SMC. Die globalen Mitteltemperaturen seien seit etwa 2015 nur wegen La-Niña ungefähr gleichgeblieben. „Selbst bei anhaltenden La-Niña-Bedingungen würde der langfristige globale Erwärmungstrend diese Erwärmungspause nun innerhalb der nächsten wenigen Jahre beenden.“

    Empfohlener externer Inhalt
    An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von einem externen Anbieter, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
    Externer Inhalt
    Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

    Auch Andreas Fink vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sagte dem SMC: „Der Einfluss des El-Niño-Ereignisses darauf, dass die nächsten fünf Jahre mit 98-prozentiger Wahrscheinlichkeit die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen werden, ist (...) geringer als der Effekt der vom Menschen verursachten Erwärmung der globalen Mitteltemperatur.“

    Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze: Zunächst nur ein einzelnes Jahr

    Die von der WMO vorhergesagte Überschreitung des 1,5-Grad-Limits in einem der kommenden Jahre bedeutet nicht automatisch ein Verfehlen des 1,5-Grad-Ziels des Pariser Klimaabkommens. Das Überschreiten wäre vorerst nur auf ein einzelnes Jahr beschränkt, sagte Karsten Haustein. „Das heißt, es werden vorerst auch noch kühlere Jahre kommen.“ Der Mittelwert der globalen Temperatur werde erst um die Jahre 2032 bis 2035 die 1,5-Grad-Grenze überschritten haben.

    Laut Andreas Fink vom KIT dürfe ein Überschreiten dieses Schwellenwertes in einem der fünf kommenden Jahre als ein starkes Zeichen dafür interpretiert werden, dass das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens nicht mehr zu halten sei.