Rentner ärgern sich über Kassenbeiträge auf betriebliche Altersvorsorge

Ruhla/Weimar  Nicht nur Thüringer Rentner ärgern sich über Krankenkassenbeiträge auf die betriebliche Altersvorsorge. Man empfindet diese Beiträge, die nur gesetzlich Versicherte zahlen müssen, als ungerecht.

Wolfgang Regensburg war bis 2008 Betreiber der Ruhlaer Skihütte Foto: Peter Michaelis

Wolfgang Regensburg war bis 2008 Betreiber der Ruhlaer Skihütte Foto: Peter Michaelis

Foto: zgt

„Endlich“, sagt Wolfgang Regensburg aus Ruhla, „endlich hat mal jemand dieses Thema aufgegriffen.“ Der 68-Jährige meint den TLZ-Beitrag über die Krankenkassenbeiträge, die seit 2004 bei der Auszahlung von Direktversicherungen und Pensionsfonds von gesetzlich Krankenversicherten gefordert werden (TLZ vom 15. Juni). Wolfgang Regensburg trifft diese Regelung zwar nur vermittelt, weil es um die Versicherung seiner Frau geht, aber seine Empörung über diese 2004 in Kraft getretene Gesetzesänderung ist dennoch groß. Denn die Regensburgs müssen auf den ausgezahlten Betrag zehn Jahre lang monatlich rund 52 Euro für die Kranken- und Pflegeversicherung zahlen – insgesamt rund 6000 Euro. Und diese Summe fehlt ihnen natürlich.

Das Ehepaar, das bis Ende 2008 die Ruhlaer Skihütte, ein kleines Waldgasthaus, betrieb, ehe es sie seinem Sohn überließ, hat nie große Reichtümer anhäufen können. Wolfgang Regensburg hat zugesehen, dass er seinen drei Angestellten – neben seiner Frau waren das Sohn und Schwiegertochter – ein kleines Gehalt zahlen konnte. Und auch das war schließlich nur möglich, weil er sich, wie er selbst sagt – schließlich „aus der Rentenversicherung verabschiedete“.

Seine Rente ist deshalb klein, nur 490 Euro bekommt er im Monat. Zusammen mit dem, was seine Frau (64) sich als mithelfende Ehefrau an Rente erarbeitet hat, kommen beide zwar über die Runden. Doch dass die eigentlich fest eingeplanten 52 Euro im Monat für die Betriebsrente nun an die Krankenkasse gehen, sei „sehr schmerzhaft“. „Ich habe meinen Versicherungsvertreter sozusagen schon vors Schienbein getreten“, sagt Wolfgang Regensburg. „Denn wenn er mich beizeiten über die Gesetzesänderung informiert hätte, dann hätte ich die Versicherung, die ich für meine Frau abgeschlossen habe, umgewandelt. Aber nun lässt sich daran nichts mehr ändern.“ Zusammen mit der Benachrichtigung über die Auszahlung erhielt Familie Regensburg die Mitteilung, dass die Krankenkasse informiert worden sei – und die meldete wenig später ihre Ansprüche an.

Als „Ungerechtigkeit und einzigartige Sauerei“ empfindet es auch Eckart Hedwig aus Weimar, dass die Krankenkassen bei der Auszahlung der betrieblichen Altersvorsorge noch einmal richtig zulangen. „Hier sind mitten im Spiel die Regeln geändert worden“, sagt der 74-jährige TLZ-Leser. Wenn er 1994 bei Abschluss der Versicherung gewusst hätte, dass die versprochenen Vorteile für die Arbeitnehmer bei der Einzahlung am Ende der Laufzeit rasch dahin schmelzen, hätte er sich gar nicht erst darauf eingelassen.

„Mich kostet dieser Spaß noch bis August 130 Euro im Monat. Insgesamt rund 15 000 Euro“, ärgert sich Eckart Hedwig – obwohl er sich über dieses Thema eigentlich nicht mehr ärgern möchte. Schließlich hat es ihn schon genug schlaflose Nächte gekostet.

Auch in Hedwigs Fall ließ die Post von der Krankenkasse nicht lange auf sich warten. „Ich habe das Vertrauen in unseren Rechtsstaat verloren“, konstatiert der Weimarer mit Blick auf den Blick auf das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung, das im Sommer 2003 mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und Grünen verabschiedet wurde.

Mit dem Gesetz wurde unter anderem auch die Praxisgebühr auf den Weg gebracht. Doch während sie schon wieder verschwunden ist, werden Neurentner noch immer vom Zugriff der Krankenkassen auf ihre betriebliche Renten- oder Lebensversicherung überrascht. Wohlgemerkt: Gesetzlich Krankenversicherte. Privat Versicherte zahlen auf Auszahlungen einer Direktversicherung keinerlei Krankenversicherungsbeiträge. Kein Wunder, dass inzwischen viele gesetzlich Krankenversicherte sagen: Eine Direktversicherung mit der Entgeltumwandlung im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung ist eine Mogelpackung, ein miserables Geschäft.

Zu den Kommentaren