Suche nach einem Video: Razzia bei Lothar König

Jena  Die Polizei beschlagnahmt beim Jenaer Stadtjugendpfarrer unter anderem Festplatten, CDs und einen Tablet-Computer – Angeblich entlastendes Material.

Pfarrer Lothar König hat seit Monaten Ärger mit der Staatsanwaltschaft.

Foto: Sebastian Willnow, dpa

Im Zuge der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Gera gegen Jenas Stadtjugendpfarrer Lothar König wegen des Vorwurfs des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte im besonders schweren Fall hat die Behörde Räume in Jena durchsuchen lassen, die König nutzt.

Bereits Mittwochmorgen hätten etwa 15 Polizisten bei ihm eine Razzia durchgeführt, sagte König der TLZ. „Die haben schon sehr gründlich alles durchsucht.“ Verständnis für die Durchsuchung hat König nur teilweise: „Das war schon grenzwertig.“ Insgesamt habe die Aktion etwa drei Stunden gedauert.

Auch ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte den Polizeieinsatz. Die Staatsanwaltschaft habe einen Beschluss des Amtsgerichts Gera für die Razzia erwirkt. „Zweck der Durchsuchung war es, ein Beweisvideo, das angeblich entlastenden Inhalts ist, sicherzustellen, nachdem das Video, dessen Vorlage zunächst vom Verteidiger des Beschuldigten angekündigt worden ist, den Ermittlungsbehörden bislang vorenthalten wurde“, so der Sprecher. Es sei nach der Strafprozessordnung ausdrücklich Aufgabe der Staatsanwaltschaft, „auch die zur Entlastung dienenden Umstände zu ermitteln und für die Erhebung der Beweise Sorge zu tragen“.

Die Staatsanwaltschaft wirft König vor, im August 2016 in Jena versucht zu haben, während einer Demonstration gegen einen Neonazi-Aufmarsch einen Polizisten zu überfahren. König habe, so heißt es in einem früheren Beschluss des Amtsgerichts Gera im Zusammenhang mit den Ermittlungen, den Beamten mit seinem Kleintransporter mit Schrittgeschwindigkeit vor sich her geschoben – etwa zehn Meter weit. Was König nachdrücklich bestreitet. Es soll ein Video geben, das den Vorwurf der Staatsanwaltschaft widerlegt.

König sagte, er habe sich während der Durchsuchung „in der Bredouille“ gesehen, weil er das Video, das die Polizei suchte, gar nicht habe. Dass die Staatsanwaltschaft auch auf der Suche nach entlastendem Material sei, stehe ihr zu. Doch sei die Razzia grenzwertig, weil die Staatsanwaltschaft damit versucht habe, seinen Verteidiger zu umgehen, so König. Nach TLZ-Informationen soll es auch einen Schriftverkehr zwischen Königs Anwalt und dem zuständigen Staatsanwalt in Gera geben, in dem das Video thematisiert wird.

Vertrauliche Gespräche auf Datenträger

Nach übereinstimmenden Angaben von König und Staatsanwaltschaft wurden bei der Durchsuchung Festplatten, CDs, Speichersticks und mindestens ein älterer Tablet-Computer sichergestellt. König sagte, auf mindestens einem der Datenträger seien auch höchst vertrauliche Daten von Seelsorge-Gesprächen aus den vergangenen Jahren. Er wolle nun darauf hinwirken, dass mindestens dieser Datenträger so schnell wie möglich und unausgewertet zurückgegeben werde, da der mit den Vorwürfen gegen ihn nichts zu tun habe.

Wegen der Vorwürfe gegen König war bereits versucht worden, ihm den Führerschein wegzunehmen. Vor wenigen Wochen hatte die Staatsanwaltschaft einen entsprechenden Beschluss des Amtsgerichts Gera erwirkt. Den hatte die nächst höhere Instanz – das Landgericht Gera – kurz darauf wieder aufgehoben, weil der Entzug des Führerscheins „nicht mehr verhältnismäßig“ sei, ohne, dass die Kernvorwürfe gegen den 63-Jährigen bislang bewiesen seien.

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