Thüringer Verhaltensforscher fordert Persönlichkeitsrechte für Tiere

Erfurt  Der Erfurter Meeresbiologe und Verhaltensforscher Karsten Brensing plädiert für Persönlichkeitsrechte für Tiere.

Karsten Brensing und sein Hund

Karsten Brensing und sein Hund

Foto: Milena Schlösser/Kulturquartier

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Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es spürt wie du den Schmerz: Wer mit dem Großvater durch den Garten ging, lernte mit diesem Spruch, dass man Fliegen nicht die Flügel abreißt, den Dackel nicht mit einem harten Ruck an der Leine aus dem Beet zerrt oder das Kaninchen am Schwanz festhält. Im Idealfall hielt die Erfahrung bis ins Erwachsenenalter und wurde auf Pflanzen, Einzeller und andere Lebewesen über­tragen.

Heute haben Wissenschaftler die Großväter abgelöst und mit Forschung untermauert, was für diese schlicht zu anständigem Verhalten gehörte. Aber: „Unsere Moral hinkt unserem Wissen hinterher“, sagt Karsten Brensing. Der promovierte Meeresbiologe aus Erfurt fordert das Gleiche wie die Großväter: Anerkennung der Tiere als Individuen, die mit Respekt zu behandeln sind.

Aber er geht noch weiter und möchte Persönlichkeitsrechte für Tiere in der Rechtsprechung verankert sehen. „Denn sie stehen in Individualität den Menschen in nichts nach. Sie werden nicht vom Instinkt geleitet, sondern von Denken und Fühlen, genau wie wir auch. Etwas anderes gibt es nicht.“

Ähnlichkeit von Tieren und Menschen

Meisen können in Sätzen reden, Delfine beherrschen eine komplexe Grammatik und am Quaken eines Frosches können wir hören, wie es ihm geht: Viele solcher wissenschaftlich untermauerter Beispiele kann Karsten Brensing anführen, wenn es um die Ähnlichkeit von Tieren und Menschen geht.

Diese Gemeinsamkeiten müssen genutzt werden, findet ­Brensing – und sie müssen seiner ­Ansicht nach dazu führen, dass unser Rechtssystem sich ändert, um die Tiere besser zu schützen.

„Am etablierten Instrumentarium soll sich gar nichts ändern“, sagt er. Aber er plädiert dafür, neben der natürlichen und der juristischen Person noch die tierliche in die Rechtsprechung einzuführen. Auf diese Weise wäre es seiner Ansicht nach möglich, Tierschutz- und auch Naturschutzgesetze effektiver anwenden zu können. Denn dann könnte jeder, der das Wohl von Tieren gefährdet sieht, einen Anwalt einschalten, um Abhilfe zu schaffen.

Derzeit sei das in manchen Bundesländern noch nicht einmal Tierschutzorganisationen möglich, sondern nur der Staatsanwaltschaft oder Veterinärbehörden, erklärt Brensing. Das könne zu Interessenkonflikten führen.

Prominenter Unterstützer

Iri heißt die Organisation, die Karsten Brensing mitgegründet hat, um sein Vorhaben umzusetzen. Vom Juristen über den Philosophen, Politikwissenschaftler, Journalisten und Agrarwissenschaftler bis hin zum Experten für Künstliche Intelligenz reicht das Spektrum der ­Fachleute im wissenschaftlichen Beirat von Iri, der sich auch zum Ziel gesetzt hat, ­globales Tierrecht zur wissenschaftlichen Disziplin zu entwickeln.

„Ein Zusammenleben mit Tieren kann für beide Seiten Vorteile bringen und sollte daher auf Gegenseitigkeit beruhen“ ist einer der Grundsätze von Iri, der Individual Rights Initiative (Initiative für Persönlichkeits­rechte). Ihr prominentester Unterstützer ist der Schauspieler Hannes Jaenicke.

An diesem Freitag ist Karsten Brensing in Erfurt zu Gast, um dort seine Ideen und sein jüngstes Buch zum Thema vorzustellen: „Die Sprache der Tiere: Wie wir einander besser verstehen“. Auf Einladung des Vereins Kulturquartier Erfurt gestaltet Brensing eine Veranstaltung im alten Schauspielhaus Erfurt. Für ihn wird es damit im doppelten Sinne zum Heimspiel, denn sein Großvater Walter Amtrup war dort in den 1950er-Jahren ein bekannter Schauspieler, stand später auch in Meiningen auf der Bühne und war 1932/33 bereits als Opernsänger am Theater Altenburg engagiert. Johanna Amtrup, seine Frau, war Opernsängerin in Erfurt: „Als Kind war ich sehr oft dort“, erinnert sich Karsten Brensing. „Meine Großmutter hat nach ihrer Bühnenlaufbahn dort noch als Pförtnerin gearbeitet und mir oft die Schauspieler vorgestellt.“

„Wenn das hilft, ist das doch schön“

Karsten Brensing selbst hat sich als Laien-Kabarettist 1988 und 1989 bei Ulf Annel versucht. Der Satiriker des Erfurter Kabaretts „Die Arche“ betrieb seinerzeit das „Kleine Theater durcheinander“: „Es war ein Hobby“, erzählt Brensing.

Er wird am Freitagabend keine Gage nehmen, sondern den Erlös der Kulturquartier-Initiative spenden. „Wenn das hilft, ist das doch schön“, sagt er.

Karsten Brensing: Das neue Bild vom Tier. Freitag, 27. September, 19.30 Uhr, Altes Schauspielhaus Erfurt, Klostergang 4

Mehr zum Thema im Internet: www.iri-world.dewww.karsten-brensing.de

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