Weimar, Heimat und die „Jugendliebe“: Ute Freudenberg wird 60

Weimar  Am heutigen 12. Januar feiert die „Jugendliebe“-Interpretin ihren 60. Geburtstag - eine gute Gelegenheit, im TLZ-Interview einmal zurückzublicken auf eine erfolgreiche Karriere und besondere Momente mitten im Leben.

Der DDR-Hit „Jugendliebe“ lässt Ute Freudenberg - wie viele Menschen im Osten - nicht los. Die temperamentvolle Sängerin besingt heute Lebenssituationen, die jeder kennt. Am 12. Januar wird sie 60 Jahre alt. Foto: Matthias Hiekel/dpa

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Bis kurz vor Weihnachten war die beliebteste und erfolgreichste Sängerin Mitteldeutschlands auf Weihnachtstour, sang vor ausverkauften Häusern und stimmte auch im Fernsehen bei mehreren Sendungen ihre Fans auf das Fest ein. Zu Beginn des neuen Jahres ist für Ute Freudenberg traditionell erst einmal Pause, Urlaub angesagt. Schon vor dem Jahreswechsel ist die Weimarer Sängerin mit ihrer Managerin Adelheid „Adele“ Walther zum schon traditionellen Wellness-Urlaub nach Sri Lanka geflogen, wo sie bis Anfang Februar Ayurveda, Erholung und die Sonne genießen.

Mit 66 Jahren ist noch lange nicht Schluss, hat Udo Jürgens mal gesungen. Ute, Du feierst nun Deinen 60. Geburtstag. Ist das ein Datum, bei dem man als Künstlerin nachdenklich wird oder die Krise bekommt?

Na ja, Älter werden ist nichts für Feiglinge - aber ich bekomme keine Krise. Ich habe Geburtstage in meinem ganzen Leben als einen schönen Tag empfunden und habe das Glück, dass ich gesund bin und einen Beruf ausüben darf, den ich wirklich liebe. Ich bin ein positiv-denkender Mensch und dann ist so eine Zahl nicht wirklich wichtig. Das möchte ich auch beibehalten.

Wenn Du Dich an Deinem Geburtstag morgens an den Frühstückstisch setzt und vielleicht ein bisschen zurückblickst, gibt es da etwas, was Dir spontan einfällt als der große Punkt oder entscheidende Moment in Deinem Leben?

Der große Punkt ist, dass ich immer eine innere Stimme hatte, auf die ich zum richtigen Zeitpunkt gehört habe, Beispielsweise damals aus der DDR wegzugehen, dann aus Düsseldorf wieder zurück in die Heimat zu kommen. Oder ein Weihnachtsalbum mit Franz Bartsch zu produzieren, ihn wochenlang zu betteln, dass er das macht. Oder die anderen Alben mit Ralf Rudnick oder mit Thomas Brück oder dann das Treffen mit Christian Lais und dem Wunsch seines Produzenten, mal mit mir zu arbeiten. Ich hatte einfach viel Glück.

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Blicken wir doch mal zurück auf Stationen in Deiner Biografie. Geboren am 12.Januar in Weimar - welche Rolle spielt Weimar für Dich?

Weimar ist meine Heimat! Ich liebe nicht nur diese Stadt, ich liebe diese Orte mit den vielen Erinnerungen, ganz besonders meine Franz-Liszt-Hochschule, wo ich ja fünf glückliche Jahre erleben durfte und ganz tolle Lehrer hatte. Das war einfach eine schöne Zeit. Hier habe ich in Schöndorf meine Schulzeit gehabt, bin vorher dort in den Kindergarten gegangen. Ich habe meine Jugendliebe hier erlebt und die Gründung der Gruppe Elefant. Hier habe ich erleben dürfen, wie sich für mich der Traum erfüllte, Sängerin zu werden.. Wir waren anfangs dort drei Mädchen in der Gruppe, dann wurde ich die Solistin. Dann kam die Jugendliebe heraus – ein Glücksfall für mich. Das ist für mich alles Weimar.

Wir bleiben bei den Wurzeln, lass uns über Deine Kinderzeit sprechen. Welche Bedeutung hatte da Dein Papa, Deine Mutti?

Mein Papa hat eine große Rolle in meinem Leben gespielt - wie meine Mutter auch, aber beide total unterschiedlich. Mein Papa hatte diese unglaubliche Herzenswärme, diese Intensität, Emotionen zu zeigen, sich zu freuen, vor Freude zu weinen. Er war ein besonders belesener Mann, hochinteressiert an allen technischen Neuheiten. Er hat sich für den menschlichen Körper interessiert, für die Psyche, für alles, was mit Leben zusammenhängt. Und so war er der wunderbarste Vater, den sich ein Kind überhaupt vorstellen kann. Er war wirklich ein Ausnahmemensch, er war der wichtigste Mensch in meinem Leben, und dass ich in diese Familie hineingeboren wurde, ist ein ganz großes Glück.

Und die Mutti?

Meine Mutti war eine sehr lebenslustige Frau. Sie konnte einen ganzen Bus unterhalten Aber wenn sie Probleme hatte, dann ist sie raus in den Garten und hat sich ihr Bäuchlein gerieben. Meine Mutti hat sich um die täglichen Dinge gekümmert: Sie hat meiner Schwester und mir vermittelt, andere Menschen zu achten, zu grüßen, hilfsbereit zu sein, sich ordentlich anzuziehen. Sie legte großen Wert auf eine schöne Handschrift. Deshalb hat meine Schwester eine tolle Handschrift und ich habe sie auch. Mein Vater war viel lockerer, was so das Leben betraf. Als damals die Miniröcke kamen und die durchsichtigen Blumen, da fand mein Vater das ganz in Ordnung, meine Mutter aber ist fast verrückt geworden, wenn ich dann so in die Stadt gegangen bin. Das hat mich alles zu einer Person gemacht, die im Leben besteht, die Emotionen zeigen und sich auch was zutrauen kann. Ich bin ganz einfach glücklich, dass ich so unterschiedliche Eltern hatte.

1962 kam dann die Schule. Wenn Du zurückblickst, gibt es dann spontane Erinnerungen an die Schulzeit oder gar die Kindergartenzeit?

An die Kindergartenzeit ganz bestimmt, denn ich hatte eine solche bezaubernde Kindergartentante, von der ich auch in meinen Liederabenden erzähle. Auch in der Schule hatte ich tolle Lehrer, die einen großen Eindruck bei mir hinterlassen haben, besonders Heidrun Klinke.

Warst Du denn eine brave Schülerin oder mehr eine freche Göhre?

Das erste halbe Jahr hatte ich nicht viel Interesse, in die Schule zu gehen. Meine Schwester - sie war in der zehnten Klasse, ich in der ersten - wurde dann immer zum Rektor zitiert, man müsse mir mal sagen, ich könne nicht einfach aufstehen und rausgehen. Doch nach einem halben Jahr ist bei mir der Knoten geplatzt und dann gehörte ich eigentlich bis zur zehnten Klasse immer zu den drei Besten.

Was waren Deine Lieblingsfächer?

Ich habe besonders gerne Deutsch, Musik, Gartenarbeit, Handarbeit, aber auch komischerweise Physik und Chemie gemocht. Mathe habe ich gehasst. Und Sport habe ich für meine Leben gern gemacht.

Und 1971 kommt dann der Wendepunkt in Deinem Leben...

1971 hatte ich praktisch meine letzten Schulferien. Danach fing die zehnte Klasse an und ich wollte gerne studieren. Damals habe ich mir gedacht, du warst in all den Jahren nicht ein einziges Mal in einem Kinderferienlager. Und wenn du mal älter bist und die Leute unterhalten sich darüber, dann kannst du nicht mitreden. Meine Eltern haben mich dann für das Ferienlager in Straußberg angemeldet und ich bin wirklich hingefahren. Das habe ich dann so bereut, denn ich hatte großes Heimweh. Im Zeltlager regnete es wie verrückt und es war alles matschig. Und ich war nicht glücklich. Aber dann brachte einer der Erzieher plötzlich eine Gitarre mit. Ich kannte damals jedes Lied, das im Radio lief. Wir sagten zum ihm „Mensch, spiel doch mal das oder das, Blowing in the wind oder Mendocino“, und dann haben wir alle gesungen. Plötzlich kamen ganz viele Kinder in unser Zelt, sie standen bis draußen, du hast nur noch Köpfe gesehen. Alle waren froh, dass endlich mal was los war. Ich habe sie auch alle zum Mitsingen animiert, und plötzlich ruft jemand „Wer singt da!“. Alle drehen sich zu mir und zeigen auf mich „Die da!“. Und da sehe ich plötzlich einen Mann stehen und denke, ach, jetzt hast du in dem FDJ-Ferienlager einen Westtitel gesungen und fliegst raus. Er sagte: „Komm mal her, wie heißt du?“ und dann „Komm nachher bitte mal in den Lagerfunk hoch, meine Name ist Heiner Krusch“. Und dann bin ich da hoch und mir war klar, heute fliegst du.

Aber es kam alles anders...

Ja. Ich habe meinen Entdecker Heiner getroffen, der heute mein ältester und langjährigster Freund ist. Er hat wirklich alle Steine ins Rollen gebracht. Er sagte mir, ich hätte eine sehr interessante Stimme. Und ich spiel dir mal was vor. Ob mir das gefallen würde. Er hat mir lateinamerikanische Folklore vorgespielt und ich habe gleich mitgesungen, so als hätte ich das schon mal gemacht. Man darf ja nicht vergessen, ich war in der neunten Klasse. Heiner hat mit mir dann mehrere Lieder einstudiert und von da an war dieses Lager für mich fantastisch, weil ich jeden Tag mit Heiner Musik machen konnte. Wir haben am Ende des Lagers auf der Freilichtbühne, die es heute im Ferienpark Feuerkuppe nicht mehr gibt, ein Abschlusskonzert gegeben. Wir haben, glaube ich sechs oder sieben Lieder gesungen. Die Mädels und Jungs haben applaudiert, es war ein Wahnsinn.

Wie ging es weiter?

Danach hat Heiner Krusch mich in seine Folkloregruppe in Erfurt geholt. Ich bin jeden Freitag mit dem Zug nach Erfurt gefahren, Heiner hat mich vom Bahnhof abgeholt und dann sind wir in den „Stadtgarten“ gelaufen, in die erste Etage, und hatten dort unsere Probe. Und im Herbst des Jahres hat er gesagt „Du, wir gehen heute mal hier unten rein und singen vor“. Ich habe mir nichts dabei gedacht, meinem Heiner konnte ich ja vertrauen. Da hat er die Gitarre genommen und gesagt „Komm, wir spielen Blowing in the wind“. Und dann waren dort viele hübsch gekleidete Mädchen und so interessante Typen mit Lederjacken und tollen Klamotten, langen Haaren und Sonnenbrillen. Ich habe frei von der Leber weg gesungen, und dann haben sie die Aktion abgebrochen und gesagt „Dich wollen wir haben“. Dann habe ich erst erfahren, das das alles eine Talentsuche vom Fernsehen der DDR war. Sie sind mit mir nach Hause gefahren und haben meine Eltern um die Erlaubnis gebeten, dass ich für 14 Tage nach Berlin kommen kann. Ich musste auch vom Unterricht befreit werden. Sie wollten damals eine Art „Sucht den Superstar“ installieren und es sollte Jahr für Jahr weitergehen, es ist aber bei dieser einen Sendung dann geblieben - „Sechs Mädchen und Musik“ im Frühjahr 1972.

Das war vielleicht ein Highlight für dich, aber bedeutete doch nicht, das wir jetzt dein Leben und der Beginn einer Karriere, oder? Wie ist es dann dazu gekommen?

Ich hatte schon mein Lehrerstudium zugesagt. Dafür musste man damals nach Eisenach reisen, ein Gespräch führen, so eine Art Vorprüfung, ob man geeignet ist. An die 130 hatten sich beworben und etwas mehr als 30 wurden nur genommen, und ich hatte mein Lehrerstudium quasi schon in der Tasche. Doch wenn mich die Frauen im Dorf früher schon ab dem vierten Lebensjahr gefragt haben „Ute, was wirst du mal werden?“, dann habe ich geantwortet „Ich werde Sängerin“, denn ich habe von früh bis abends gesungen. Als sie mich dann zum Fernsehen geholt haben, war das wie ein Wunder. Ich habe jede Minute, jede Sekunde genossen. Und bei den Proben war auch Manfred Schmitz aus Weimar mit dabei. Und als die Sendung im Fernsehen kam, hat er sich sie angeschaut. Damals sangen wir live. Am Bildrand war dann zu lesen, dass ich in Weimar-Schöndorf lebe und Lehrerin werde. Und da hat Manfred Schmitz gesagt „Nee, das geht überhaupt nicht.“ Er hat sich dann in sein Auto gesetzt, ist nach Schöndorf gefahren und hat nach Freudenberg gefragt, hat dann bei uns geklingelt. Er hat sich vorgestellt und gesagt „Du hast Talent, Du musst bei uns Musik studieren“.Ich habe ihm gesagt, das sei ja mein großer Traum, aber ich hätte es nicht so mit der Klassik Er meinte: „Ich bin doch von der Abteilung Tanz und Unterhaltungsmusik“. Sie haben dann einen Termin mit mir gemacht, aber dann festgestellt, dass ich noch viel zu jung bin. Ich konnte dann doch ein Jahr früher das Vorstudienjahr beginnen, anschließend vier Jahre Musik studieren.

In solcher einer Situation kommen ja immer die Eltern ins Spiel, was haben die denn gesagt?

Meiner Mutter war besorgt und beeinflusst von dem Direktor meiner damaligen Schule, der meinte, ich müsse erst mal was Richtiges lernen. Das meinte meine Mutter dann auch. Mein Vater hat mich nur gefragt „Ist das dein großer Traum, willst du das machen?“. Es ist der größte Traum meines Lebens, habe ich meinem Vati gesagt.

Machen wir einen Zeitsprung zur Gruppe Elefant. Wie ist es dazu gekommen?

Es gab in der Abteilung Tanz- und Unterhaltungsmusik (TUM) an der Musikhochschule in Weimar einmal im Jahr einen TUM-Abend, da haben die Jungs und Mädels an einem Abend deutsche und internationale Hits nachgesungen. Das war damals eine Wahnsinnsarbeit, denn es gab doch dazu keine Noten. Da wurden extra Combo-Arrangements gemacht Und an diesem Abend hat Burkhard Lasch Marion Scharf und auch mich gehört. Er wollte eine Studentenband gründen. Er hat uns gefragt und wir waren begeistert. Anfangs waren wir drei Mädchen und eine Band, Angelika Weiz, Marion Scharf und ich. Aber drei Frauen, das ging nicht so gut. Ich habe damals gelitten, nur die Arbeit auf der Bühne hat mir Freude gemacht. Ich habe den anderen dann mitgeteilt, dass ich kündige. Da hat die Band gesagt „Du bleibst!“. Und ich stand plötzlich allein vor dieser Band, war die Solistin. Und wenig später kam dann ja schon die „Jugendliebe“ und so kam alles ins rollen ...

Wie kam es dann dazu? Wurde der Titel für dich geschrieben?

Für Titel wie „Wieder wird ein Mensch geboren“ und von „Wie weit ist es bis ans Ende dieser Welt“ brachte ich die Melodien mit. Und Burkhard Lasch textete dazu. Bernd Henning brachte damals die Melodie für die „Jugendliebe“, Burkhard Lasch den Text mit - damals mit noch einem anderen Refrain. Die Band rumorte, weil das zu sehr Schlager war, das wollten sie nicht. Ich wollte aber und Burkhard sagt „Der Titel wird gemacht“. Im Sommer 1978 haben wir den Titel dann erstmals an der Ostsee gespielt, und dann sind die Leute sofort gekommen, wollten das Lied noch einmal hören. Damals ging der Refrain noch: „Jugendlieben sind wie Blütenstaub im Wind, wie der Sonnenschein, der tief im Meer versinkt“. Und als es dann endlich dazu kam, dass wir den Titel nach langem Kampf für den Berliner Rundfunk produzieren konnten, denn Amiga hatte das abgelehnt, da haben wir den Titel dann in Bernau in einem Außenstudio produziert. Damals musste ja der Text von einem Titel, der produziert wurde, durchs Lektorat, und die haben dann gesagt „Es gibt keine Jugendlieben, das muss auf Einzahl umgeschrieben werden. Da kam plötzlich der moralische Zeigefinger. Burkhard schrieb es auf die jetzige Textversion um. Durch unsere Live-Auftritte von Elefant kannten viele Leute schon das Lied, und als dann der Titel im Berliner Rundfunk lief, da war die Hölle los. Und dann brachte Amiga mit Ute Freudenberg und Elefant das erste Album heraus. Und später wurde die Jugendliebe der beliebteste Osthit aller Zeiten.

Was waren nach diesem Durchbruch dann bis zum Weggang in den Westen die Höhepunkte?

Die „Jugendliebe“ ist das größte Highlight mit der Gruppe Elefant geworden, obwohl die Band den Titel ja eigentlich nicht spielen wollte. Wir haben viele Konzerte gegeben und wurden bei Interpreten-Wettbewerben mit Gold oder Silber ausgezeichnet Ab 1980 durften wir zu Auftritten in den Westen reisen. Es ist dann viel Negatives passiert, das kann man alles in meinem Buch nachlesen, ich will darüber eigentlich nicht mehr sprechen...

Die Spannungen mit der Band wurden irgendwann unerträglich, ich habe dann bei Elefant gekündigt. Einige der Musiker haben mit mir weitergespielt.

Und plötzlich bist Du in der Bundesrepublik, bleibst dort und musst irgendwie klarkommen...

Im Westen kannte natürlich niemand Ute Freudenberg. Und ich hatte ja bis dorthin nur von eigenen Songs gelebt. Ich habe mich dann beim Künstlerdienst Düsseldorf beworben und den Schritt ins Galageschäft gewagt. Ich habe mir dort eine Basis erarbeitet. Plötzlich rief dann Hapag-Lloyd an, und so habe ich von 1986 bis 1996 zehn Jahre lang die schönsten Reisen gemacht. Mir kam meine Vielseitigkeit zugute, sodass ich mir viele der Kreuzfahrten aussuchen konnte, aber man kann dort nicht wirklich Karriere machen. Eigentlich sollte ich nach Neuseeland und Australien fahren, habe mich aber dagegen entschieden, sondern wollte es noch einmal wissen. Ich fragte Adele, ob sie meine Managerin (seit 1995) wird, und von da an ging es bergauf. Ich habe mit Ralf Rudnik das erste Album produziert und hatte das Glück, dass der MDR mich für Shows engagierte. 1998 gab es erstmals für mich die Goldene Henne.

Machen wir noch einen Zeitsprung zurück auf 1989, den Mauerfall, die Wende. Wie hast Du das erlebt?

Ich habe natürlich all die Tage und Wochen, wenn ich zu Hause war, den Fernseher laufen gehabt und die Ereignisse verfolgt. Als Schabowski am 9. November 1989 diesen Satz von der Reisefreiheit sagte, da war ich fassungslos und habe nur geheult. Und habe es anfangs nicht geglaubt. Gefühlsmäßig war es dann eine lange Zeit eine Berg- und Talfahrt. Die Vorstellung, wieder nach Hause zu können, auch zu den Fans, das war ein Wahnsinnsgefühl. Aber ich habe damals noch viel Angst gehabt, und meinen ersten Auftritt im Osten hatte ich dann erst im Februar 1990 in Gotha vor Hans-Dietrich Genscher.

Anfangs war es aber nicht leicht, sich durchzusetzen, oder?

Da hatte ich ja noch meine Kreuzfahrten, habe mit anderen Musikern Programme für Galas im Westen gemacht, aber dann auch für Auftritte im Osten.

Noch ein paar Stichworte für Dich und die Frage, was sie Dir bedeuten. Zuerst Goldene Henne.

Das Gefühl bei der ersten Goldenen Henne kann ich gar nicht beschreiben. Ich hatte von einigen Plattenfirmen nur Ablehnung erfahren. Wir haben dann diese ersten Alben mit eigenem Geld produziert. Wäre das schief gegangen, dann wäre ich pleite gewesen. Als ich dann die erste Henne bekam, da wusste ich, das wir vieles richtig gemacht hatten. Ich war wieder angekommen.

Dann der Titel „Weil wir Freundinnen sind“...

Du weißt, dass meine Freundin Moni, für die ich dieses Lied geschrieben habe, in diesem Jahr leider verstorben ist. Moni war diejenige, außerhalb der Familie, die sich einen Dreck darum geschert hat, was die Obrigkeit sagt, und sie hat all die Jahre, als ich im Westen war, immer den Kontakt zu mir gehalten, hat mir Briefe ohne Ende geschrieben. Und als ich dann wieder da sein konnte, haben wir uns riesig gefreut, wieder Zeit miteinander verbringen zu können Dieses Lied hat für mich eine ganz besondere Bedeutung, und es wurde auch bei Monis Beerdigung gespielt.

Welche Rolle spielt für Dich Charity?

Seit 21 Jahren spielt das eine sehr große Rolle für mich. Ich lebte damals noch in Düsseldorf, da kam ein Brief vom Ronald McDonald-Haus aus Jena. Ich wusste darüber nichts, wohl aber, dass ich wieder nach Weimar ziehen wollte. Ich habe dann eine Menge über das Projekt und das Haus erfahren, es mir natürlich selbst angesehen, mit vielen Angehörigen der krebskranken Kinder gesprochen und dann entschieden, jawohl das mache ich. Seit 21 Jahren engagiere ich mich nun als Schirmherrin des Ronald McDonald-Hauses in Jena.

Du hast 2008 das Bundesverdienstkreuz bekommen, was bedeutet das für Dich?

Es ist eine große Ehre. Ich habe es vor allem wegen meines Ehrenamtes und Engagements für das Ronald McDonald-Haus bekommen. Es war für mich ein unvergesslicher Tag, als der Bundespräsident mir das Bundesverdienstkreuz persönlich im Schloss Bellevue überreichte.

Noch einen Sprung zu einem weiteren Höhepunkt Deiner Karriere, das Duett „Auf den Dächern von Berlin mit Christian Lais...

Dieser Titel hat mir viele neue Türen geöffnet. Und es ist eine wunderbare Zusammenarbeit mit den Produzenten David Brandes und mit meinem Bühnenkollegen Christian Lais. Das war für uns ein großer Erfolg, aber wir haben alle an diesen Titel geglaubt. Wir waren in der Hitparade auf Platz 1, am Ende wurde das der Jahreshit von 2011.

Und dann natürlich mit den Albentiteln „Willkommen im Leben“ und „Alles okay“. Die Frage zum 60.Geburtstag: Wie feierst Du diesen Geburtstag am 12. Januar?

Ich mache das so, wie ich das nun schon all die Jahre mache. Der Geburtstag fällt in meinen Jahresurlaub, den ich seit vielen Jahren schon in Sri Lanka verbringe. Ich werde wieder mit meiner Managerin Adele und mit einer tollen „Truppe“, die sich schon seit etwa zehn Jahren dort trifft, einfach einen wunderschönen Tag bis spät in die Nacht haben. Ich habe mir dafür natürlich noch eine besondere Kleinigkeit ausgedacht, aber das kann ich noch nicht verraten...

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