Auf Kompromisssuche: Der Zahn der Zeit nagt am Fürstenhof in Eisenach

Eisenach  „Wir haben den Antrag auf Komplettabriss abgelehnt, müssen aber auch sehen, dass es Bereiche gibt, die nicht ,mehr zu retten sind“, sagt Bürgermeister Andreas Ludwig. Und das Objekt, auf das dieser Satz gemünzt ist, ist der Fürstenhof.

Der Boden wellt sich im Saal des Fürstenhofes. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und einige interessierte Eisenacher Bürger schauten sich am Montag die Gebäudeteile an der Luisenstraße von innen an. Foto: Peter Rossbach

Der Boden wellt sich im Saal des Fürstenhofes. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und einige interessierte Eisenacher Bürger schauten sich am Montag die Gebäudeteile an der Luisenstraße von innen an. Foto: Peter Rossbach

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Dieses „stadtbildprägende Gebäude von großer geschichtlicher und emotionaler Bedeutung für die

Eisenacher“ (Förderkreis-Chefin Ingrid Pfeiffer) konnten sich am Montag (20.04.2015) die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses und einige interessierten Bürger unter Führung von Eigentümer Thomas Cannon ansehen. Der Zahn der Zeit hat da an vielen Stellen ganz massiv und heftig genagt, und ein Brand etwa hat dafür gesorgt, dass die beliebte „Grottenbar“ nur noch an einem verwitterten Schild erkennbar ist. Einzelne Bereiche sind einsturzgefährdet, bei anderen sind die Decken bereits runtergekommen. Und dies obwohl er, so versichert Cannon, mit den Jahren schon einiges in die Sicherung des Gebäudes und Grundstückes gesteckt habe. Unter Denkmalschutz steht das Gebäude seit 2004 nicht mehr, genießt aber auch den Ensembleschutz des Gebietes „Karthäuser Höhe“.

Der Eigentümer hatte auf ein Gutachten begründet den Komplettabriss beantragt. Dies aber „wollen wir nicht“, so Ludwig. Seitdem sind Stadt und Eigentümer auf Kompromisssuche, „und wir sind auf gutem Weg“, sagen Ludwig und Cannon. Und so lautet das Ziel jetzt: „Erhalten, was erhaltenswert und erhaltungsfähig ist.“

Auch die Stadt will einen Schritt in diese Richtung machen. Am Montag war der Beschluss auf der Tagesordnung des zuständigen Ausschusses, das innerstädtische Sanierungsgebiet auf den Bereich des Fürstenhofes auszudehnen. Es gebe die Chance, Sanierungsmittel zur Sicherung der erhaltungswürdigen Gebäude einzusetzen. Das kann an eine Größenordnung von einer Million Euro, zu 100 Prozent aus dem Stadt-Sanierungstopf von Bund und Land finanziert, heranreichen.

Eigentümer will neue Anträge stellen

In den nächsten Wochen bereits will Cannon eine neue Bauvoranfrage, aber auch eine neuen Abrissantrag stellen. Für die Stadt sei es besonders wichtig, die stadtbildprägenden Gebäudeteile zu erhalten.

Relativ einig sind sich beide Seiten, dass die alte Bornemannsche Villa und der Gebäudeteil (wenn man davor steht) rechts davon erhalten bleiben sollen. Grottenbar, Saal, Casino und der sich nach links an die Villa anschließen Zwischenbau würden aber fallen.

Noch strittig ist, was mit dem Gebäudeteil passiert, der in direkter Nachbarschaft zur sich anschließenden Luisenstraßen-Bebauung steht.

Neben der Sanierung der zu erhaltenden Gebäudeteile will Cannon dann im hinteren Bereich des 11 500 Quadratmeter großen Grundstücks noch vier bis sechs Stadtvillen bauen, sodass dort insgesamt bis zu rund 60 Wohnungen entstehen können.