Denkmalgeschützter Eisenacher Fürstenhof wird abgerissen

Der Antrag für den kompletten Abriss des Fürstenhof-Komplexes ist gestellt. Der Besitzer des Geländes sah keine andere Möglichkeit mehr.

Das einstige Hotel Fürstenhof verfällt seit mehreren Jahren mehr und mehr. Der Besitzer hat nun einen Abrissantrag für den gesamten Komplex gestellt.  Foto: Norman Meißner

Das einstige Hotel Fürstenhof verfällt seit mehreren Jahren mehr und mehr. Der Besitzer hat nun einen Abrissantrag für den gesamten Komplex gestellt. Foto: Norman Meißner

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Eisenach. "Ich verstehe die Eisenacher durchaus, die da traurig sein werden. Aber die Aussage des Gutachtens eines öffentlich bestellten und vereidigten sowie qualifizierten Sachverständigen von der IHK Erfurt ist eindeutig. Für mich als Privatmann ist eine Sanierung nicht wirtschaftlich sinnvoll zu leisten." Thomas Cannon hat das Gelände des ehemaligen Hotels "Fürstenhof" im Eisenacher Südviertel vor 9 Jahren gekauft und hatte zunächst nach anderen Optionen Ausschau gehalten, nun aber den Abrissantrag für das komplette Ensemble samt einstigen Hotelbau, großem Saal und allen Nebengebäuden gestellt. "Das Gutachten sagt aus, dass die Bausubstanz zu 65 bis 70 Prozent geschädigt ist", so Investor Cannon.

Bereits vor etwa anderthalb Jahren hatte er den ersten Anlauf zu einem großflächigen Teilabriss genommen. Mit einer gleichzeitig bei der Stadt eingereichten Bauvoranfrage wollte er abklären lassen, was auf dem Gelände überhaupt möglich ist. Ein Bebauungsplan liegt nicht über dem Gelände, der Komplex des "Fürstenhofes" selbst steht seit 2004 nicht mehr unter Denkmalschutz. Aber natürlich gelten dort Erhaltungs- und Gestaltungssatzung für die Südstadt.

Vom Sommerhaus zum Kurhaus-Hotel

"Aus einem seit 1854 erbauten Sommerhaus, der späteren Villa Bornemann, entstand in einem mehr als ein Jahrhundert währenden Umwandlungsprozess 1902 das Kurhaus Hotel Fürstenhof mit Kurhausterrasse und später das Hotel Fürstenhof. Geschossanpassungen, Anbauten und viele "kulissenhafte Zutaten" prägten das eklektizistische Erscheinungsbild, schreibt der von Thomas Cannon beauftragte Eisenacher Architekt in der Bauvoranfrage zur Bauhistorie. Mit diesen "Zutaten" waren wohl auch die zum großen Teil verschwundenen Zwiebeltürmchen gemeint. Und es heißt weiter: "Nach einem Brand 1929 entstand an der Süd- und Ostfassade ein wesentlich versachlichtes Erscheinungsbild. Weitere Um- und Anbauten an der seit 1996 ungenutzten Hotelanlage mit Nebengebäuden folgten brandschutztechnischen Auflagen. 1903 wurde an der Waisenstraße den Hang aufnehmend eine Kurhausterrasse mit Garagen im Erdgeschoss und einem weiteren Grottensaal im Zwischengeschoss errichtet."

In dieser Bauvoranfrage von vor anderthalb Jahren wurde vorgeschlagen, zumindest das Hauptgebäude (Bornemann-Villa) zu erhalten und mit drei anschließenden Neubauten für Wohnzwecke zu nutzen. Zudem sollten vier weitere Wohngebäude für abzureißende Komplexe dort neu entstehen.

Doch mit seinem damaligen Abrissantrag samt Bauvoranfrage kam Cannon bei der Stadtverwaltung samt Unterer Denkmalbehörde nicht weit. Von dort wurden viele weitere Unterlagen angefordert, unter anderem eben auch ein dann von Cannon in Auftrag gegebenes Gutachten Und das, obwohl gerade Sinn der Voranfrage sei, zu klären, was an dieser Stelle Eisenachs möglich ist in Sachen Gebäudegröße, Geschossfläche oder auch und Kubatur.

Thomas Cannon beklagt "mangelnde Transparenz", weil es nirgendwo festgeschriebene Vorgaben gebe, wie ein "Gutachten zur Bauzustandsfeststellung der Liegenschaft Fürstenhof als Grundlage für einen nach Denkmalrecht zu beurteilenden Abrissantrag für ein solches Objekt aussehen soll" und was es zu leisten habe.

Cannon kritisiert intransparente Weise

"Es gab mehrere Gespräche mit der Stadt, in denen dann diese Fragen abgestimmt wurden", sagt Thomas Cannon auch lobend in Richtung Stadtplanung und Dezernatsleitung. Genau auf diese Abstimmungen sei nun auch das nicht billige Gutachten ausgelegt. "Und kurz vor Weihnachten bekomme ich Post von der Unteren Bauaufsichtsbehörde Eisenach, die weitere Planungen und Gutachten über das einvernehmlich mit allen Beteiligten der Träger öffentlicher Belange abgestimmte Maß hinaus, verlangen", so Cannon, der ärgerlich über die intransparente Vorgehensweise ist.

Eine Nutzung als Hotel oder Versammlungsstätte etwa im großen Saal "ist an der Stelle ohnehin nicht möglich, weder baurechtlich in einem reinen Wohngebiet, noch gibt das die Infrastruktur was Parkplätze und vieles mehr angeht her", so Cannon. Zumal "die Schäden eben viel größer sind als vor anderthalb Jahren gedacht". Dazu komme, dass es für ein Hotel-Konzept mit Versammlungsstätte auch keinen Markt gebe. Es gibt zwei Möglichkeiten: Die Bauvoranfrage beschreibt einen monolithischen Baukörper an einer exponierten Stelle der Stadt Eisenach analog der jetzigen Bebauung. Aber auch eine Villenbebauung wäre möglich, ist aber nicht Basis der Bauvoranfrage.

Bei der Stadt hält man sich mit öffentlichen Äußerungen noch bedeckt, "weil wir erst das Erörterungsgespräch mit dem Investor, Unterer Denkmalbehörde, Landesamt für Denkmalpflege und Stadtplanung führen wollen", so Bau-Bürgermeister Andreas Ludwig. Es gebe auch zu dem neuen Gutachten Nachforderungen des Landesamtes für Denkmalpflege und "aus unserer Sicht wird natürlich erst das weitere Verfahren zeigen, ob tatsächlich alles abgerissen werden muss und sollte". Schließlich handele es sich dort "um einen ganz sensiblen Bereich der Innenstadt mit der direkten Blickachse zum Weltkulturerbe Wartburg". Die Stadt sei "an einer gescheiten Lösung interessiert", so Ludwig. Dabei gelte das Credo der Stadt "Erhaltenswertes erhalten mit sinnvollen Ergänzungen, die dort auch hinpassen".

Dass der Baugrund dort wertvoll ist, steht außer Frage. Im Internet wird der Komplex auf einer Immobilienseite angepriesen: "Sonnenverwöhnte Süd-/Südwestlage, grandioser Blick auf das Weltkulturerbe der Wartburg, dem Wahrzeichen der Stadt Eisenach, verkehrsgünstig gelegen und dennoch im Grünen. Der Thüringer Wald beginnt quasi direkt vor der Haustür." Und das hat seinen Preis, nämlich den dort vermerkten Verkaufspreis für die Liegenschaft von 11.500 Quadratmeter: 1,95 Millionen Euro.