Diskussion zum Wielandplatz: „Ohne Rücksicht keine Einigung“

Weimar  Die Interessen zur Nutzung des Weimarer Wielandplatzes gehen weiter auseinander. Verschiedene Interessensgruppen machten sich beim TLZ-Podium keine großen Zugeständnisse.

Suchten nach einer Lösung, um beiden Seiten gerecht zu werden: Tobias Grandel und Sarah Scheidmantel von der Initiative „Wieland & Wir“, die Beigeordnete Claudia Kolb, Hotelchefin Claudia Wießner, Matti Drechsel von den Jusos und Polizeichef Ralf Kirsten (v.l.) diskutierten mit TLZ-Redaktionsleiter Thorsten Büker (Mitte). Foto: Maik Schuck

Suchten nach einer Lösung, um beiden Seiten gerecht zu werden: Tobias Grandel und Sarah Scheidmantel von der Initiative „Wieland & Wir“, die Beigeordnete Claudia Kolb, Hotelchefin Claudia Wießner, Matti Drechsel von den Jusos und Polizeichef Ralf Kirsten (v.l.) diskutierten mit TLZ-Redaktionsleiter Thorsten Büker (Mitte). Foto: Maik Schuck

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Zehn Menschen saßen gestern Abend gegen 20 Uhr auf dem Wielandplatz. Mehr als doppelt so viele kamen zu dieser Zeit aus dem Hotel Amalienhof. Der Platz wirkte entspannt, fast harmonisch. Die TLZ hatte zu der Diskussion in den Amalienhof geladen. Im Podium saßen Hotelchefin Claudia Wießner, die zuständige Beigeordnete Claudia Kolb, Sarah Scheidmantel und Tobias Grandel von der Initiative „Wieland & Wir“, Matti Drechsel von den Weimarer Jusos sowie Polizeichef Ralf Kirsten. Moderiert wurde die Diskussion von Thorsten Büker, Leiter der TLZ-Lokalredaktion in Weimar.

In den vergangenen Wochen hatten sich immer wieder Anwohner des Wielandplatzes über die Lautstärke in der Nacht beschwert. Dazu kamen die Beschwerden über die zunehmende Vermüllung des Platzes in den Abendstunden. Die Stadt untermauerte ihre Aussage, dass sie ohne Repression zu einer gemeinsamen Lösung kommen wolle.

Ordnungsamt verschiebt Dienst in die Abendstunden

Zu Beginn des Podiums hatten sich fast alle Vertreter mit versöhnlichen Worten bemüht und Zuversicht gezeigt, die verschiedenen Interessen in Einklang bringen zu können. Das dies allerdings ein Prozess ist und nicht mit einem Hebel umgelegt werden kann, legte sich schnell als Grundtenor über den Raum. „Wichtig ist die gegenseitige Rücksichtnahme. Ohne diese wird eine Einigung nicht möglich sein“, sagte Claudia Kolb, der als zuständige Beigeordnete das Ordnungsamt untersteht. Dieses hatte in den vergangenen Tag den Dienst nach hinten verschoben, unter anderem um verstärkt auf den Wielandplatz als Lautstärkequelle zu achten.

Die verschobene Schicht möchte das Ordnungsamt auch für die kommenden Wochen beibehalten. Dazu will Claudia Kolb eine offizielle Lautstärkemessung am Wielandplatz veranlassen. Im Podium gingen die Ansichten auseinander, ob in diesem Sommer oftmals die Grenze von 40 Dezibel nach 22 Uhr überschritten wurde, die eine Verletzung der Nachtruhe darstellen würde.

„Eindeutig“, sagten mehrere Anwohner, die in den warmen Nächten so gut wie keinen Schlaf finden. Juso Matti Drechsel widersprach diesen Meinungen und begründete das mit einer Messung per Handy-App. Diese sei zwar nicht repräsentativ, aber zu Partys sei es in diesem Sommer auf dem Wielandplatz noch nicht gekommen. Dies unterstrich auch Tobias Grandel von der Initiative „Wieland & Wir“, die sich als Vermittler in diesem Konflikt, aber nicht direkter Problemlöser sieht. Die Initiative wolle ihre ehrenamtliche Arbeit allerdings auch in Zukunft fortsetzen, Claudia Kolb sagte die Unterstützung der Stadt zu.

Polizeichef: Platzräumung würde Situation verschärfen

Grandel sieht den Ursprung der vielen Menschen am Wielandplatz im bis 24 Uhr geöffneten Nahkauf, da der Platz „nicht die größte städtebauliche Glanzleistung“ sei. Die Diskussion diente als Plattform, die unterschiedlichen Meinungen auf einen Tisch zu legen. Große Zugeständnisse wurden allerdings nicht gemacht.

Dabei drängte auch Polizeichef Ralf Kirsten auf eine gemeinsame Lösung. Mit verstärktem Personal den Platz zu räumen, würde die Situation auf Dauer verschlimmern.

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