Museum in Ilmenau zeigt die Geschichte des Rodel- und Bobsports

Ilmenau  Ilmenau besitzt eine große und lange Tradition im Schlitten- und Bobsport. Die Geschichte der „Schlittenscheune“ begann mit der Sammelleidenschaft von Norbert Wagner, der sich vor allem für die Technik hinter dem Rodelsport interessiert.

Roland Hollaschke mit einem Übungsrodel für den Sommer. Er hat kleine Räder, wie man sie auch an Inline-Skates findet. Foto: Peter Michaelis

Roland Hollaschke mit einem Übungsrodel für den Sommer. Er hat kleine Räder, wie man sie auch an Inline-Skates findet. Foto: Peter Michaelis

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Neun Goldmedaillen, neun silberne und sechs bronzene: Die Olympischen Winterspiele 1984 in Sarajevo verliefen für die DDR-Sportler überaus erfolgreich. Neben Jens Weißflog machten vor allem die Rodlerinnen mit einem Dreifachsieg und die beiden Bobs mit einem Doppelsieg von sich reden. Einer dieser Bobs ist mittlerweile in Ilmenau zu bestaunen: im kleinen Museum „Schlittenscheune“ eines Ilmenauer Traditionsvereins. Das Sportgerät ist einer der Höhepunkte der Sammlung, die aus etwa 80 (Renn-)schlitten und Bobs aus dem 19. und 20. Jahrhundert besteht.

„Ziehen Sie sich eine Jacke an, es ist kalt da drin“, sagt Vereinschef Roland Hollaschke vor dem Rundgang. Das sei gut für das Holz der Gefährte, die keinen Temperaturschwankungen unterliegen sollten. Außerdem sei es wirtschaftlich besser, sagt Hollaschke. Der erwähnte Olympia-Bob habe übrigens lange als Spielgerät in einem Sandkasten in Südthüringen gestanden - der Zustand war dementsprechend. Inzwischen sei er jedoch von Grund auf saniert.

Ilmenau hat sich zu einer Hochburg des Schlittensports entwickelt

Stolz zeigt der Vereinsvorsitzende auch auf einen Fünfer-Bob aus dem Jahr 1904, der in Neudietendorf gebaut wurde. „Das ist der älteste deutsche Bob in dieser Form.“ Für den Laien ist besonders auffällig, dass dieser ein Lenkrad besitzt und noch keinerlei Verkleidung hat. Die Ilmenauer haben ihn von Oberhof übernommen, nachdem die dortige Wintersportausstellung aus Kostengründen geschlossen werden musste.

Der älteste Bob steht in Ilmenau

Die Geschichte der „Schlittenscheune“ begann mit der Sammelleidenschaft von Hollaschkes Stellvertreter Norbert Wagner, der sich vor allem für die Technik hinter dem Rodelsport interessiert. Irgendwann kam die Idee auf, die Sache professionell aufzuziehen und die Objekte in einer Schau öffentlich auszustellen. Zu den Mitgliedern der ersten Stunde des 2012 gegründeten Vereins Schlitten und Bob Ilmenau e.V. gehören auch Ex-Sportler der Stadt, darunter Olympiasieger und Welt- und Europameister.

„Ilmenau besitzt eine große und lange Tradition im Schlitten- und Bobsport.“ Die Olympiasieger Wolfgang Scheidel, Horst Hörnlein, Hans Rinn, Jens Müller, Stefan Krauße, Jan Behrendt und André Lange begannen ihre Laufbahn in der Stadt am Thüringer Wald. „Vier davon waren bei mir“, sagt Hollaschke, der viele Jahre als Trainer gearbeitet hat und vor seiner Armeezeit selbst an Bezirks- und DDR-Meisterschaften im Rodeln teilgenommen hat.

Durch zahlreiche nationale und internationale Titel in allen Altersklassen habe sich Ilmenau zu einer Hochburg des Schlittensports entwickelt, heißt es vom 64-Jährigen. Auch in der Geräteentwicklung seien durch die Ilmenauer Sportfreunde über Jahrzehnte hinweg Maßstäbe gesetzt worden. Das spiegele sich in der Ausstellung wider. Zudem solle dort die Entwicklung vom einfachen Kinder- und Bauernschlitten über diverse Rennrodel bis zu heutigen Rennschlitten und Bobs dokumentiert werden. Ein besonderer Augenmerk liegt dabei auf der Kinder- und Jugendarbeit.

Belastung in den Kurven ist für den Körper enorm

„So sah die Anzugsordnung im Jahr 1950 aus“, sagt Hollaschke und zeigt auf eine Puppe, die einen Wollpulli, eine Keilhose und klobige Skischuhe trägt - kein Vergleich zu den schnittigen Rennanzügen von heute. Neben Gefährten und Ausrüstungsgegenständen bietet die Ausstellung auch zahlreiche Medaillen Pokale, Wimpel, Fotos und Urkunden.

Der Vereinschef kann sich kaum einen schöneren Sport vorstellen. „Es ist nicht so, dass man sich da einfach hineinlegt und runterfährt.“ Vielmehr verlange der Sport einiges von den Athleten ab, etwa ein vielseitiges Training für diverse Muskelgruppen. Die Belastung in den Kurven sei für den Körper enorm. Gleichzeitig werde eine hohe Konzentrations- und Koordinationsfähigkeit verlangt. Es sei das Zusammenspiel dieser Aspekte, die den besonderen Reiz dieser Wintersportarten machten.

  • samstags, 14 bis 16 Uhr, oder nach Vereinbarung

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