Narren läuten in Worbis und Heiligenstadt die fünfte Jahreszeit ein

Eichsfeld. Zeiten ändern sich. Der 11.11. ist in Worbis jahrelang der Tag gewesen, an dem Thomas Rehbein in unnachahmlicher Manier dem Bürgermeister den Schlüssel abgenommen hat. Der Ober-Jeck aus der Wipperstadt hatte sich dafür stets etwas einfallen lassen. Und nun? Rehbein ist zwischenzeitlich zum Bürgermeister des Ortsteils gewählt worden.

Bruder Bernhard hatte es nicht leicht - und irgendwann allein auch keine Chance mehr gegen die "schwer bewaffneten" Karnevalisten mit Holzgewehr und Steckleiter. Foto: Antonia Pfaff

Bruder Bernhard hatte es nicht leicht - und irgendwann allein auch keine Chance mehr gegen die "schwer bewaffneten" Karnevalisten mit Holzgewehr und Steckleiter. Foto: Antonia Pfaff

Foto: zgt

Sich selbst den Schlüssel klauen zum Karnevalsauftakt, das ist nicht möglich. Aber die Worbiser wären nicht die Worbiser, wenn es für ihren "abtrünnigen" Karnevalspräsidenten keinen Ersatz geben würde. Jürgen Worm, Vorsitzender des WCC, lehrte ihn, was es heißt, "die Seiten zu wechseln" und verteilte kleine verbale Seitenhiebe bei der närrischen Begrüßung. Schnell und tollkühn erklomm er den Balkon des Gülden Creutz. Stadtkasse, sowie die (wie immer leere) Stadtkasse und den Schlüssel.

In typischer Manier nahm der Vorsitzende erstmal die Belange der Stadt aufs Korn. Wichtigster Punkt dabei, der Saal, der den Worbisern fehlt. Natürlich ging Thomas Rehbein als Bürgermeister in die Bütt und verkündete, dass die "Kassen des Rathauses leer" seien. Ebenso "trübe siehts mit dem Personal aus"; er verteidigte "fast allein" das Haus. Als Präsident der Worbiser Narren stand es ihm natürlich zu, seine Tätigkeit als Bürgermeister und die damit verbundenen Erfahrungen und Schwierigkeiten einmal durch den Kakao zu ziehen.

Selbstverständlich trat er auch in seiner "Dienstuniform" auf - in einem weißen Schlafgewand mit passender Schlafmütze. Geweckt aus seinem "Beamtenschlaf" und völlig erschöpft von der halbherzigen Verteidigung seiner "Festung" erhielt das sogenannte Beamtentum erstmal einige Seitenhiebe. Er ging in seiner Rede, auf das zuvor angeschnittene Thema "Saal in Worbis" ein und versprach sich weiterhin dafür einzusetzen. Bürgermeister und gleichzeitig Präsident Rehbein bedankte sich bei Bruder Bernhard (Berkhahn, Cheftouristiker der Stadt) für die gute Zusammenarbeit und wünscht sich diese weiterhin für die Zukunft. Dann endlich erlöste er die Narren und lud sie in seine Heiligen Hallen zum feierlichen Einläuten der fünften Jahreszeit ein. Bruder Bernhard bemerkte spitz, dass "seit Thomas Rehbein Bürgermeister ist, auch seine Reden immer länger werden."

Zu kämpfen hatten am Dienstagabend auch die Heiligenstädter. Während die Worbiser erst jemanden finden mussten, der den Schlüssel abnimmt, war Heiligenstadts Präsident sichtlich gehandicapt - er musste sich von seinen närrischen Freunden im Rollstuhl zum Rathaus chauffieren lassen. Offenbar, so zumindest die Begründung, hatte er die Feier der Narrenkonferenz am Wochenende in der Kreisstadt nicht schadlos überstanden. Allerdings hatte es für ihn einen Vorteil - die Erstürmung des Rathauses im Rollstuhl ermöglichte den Hinweis auf einen Jahrzehnte währenden Missstand: Es fehlt der barrierefreie Zugang zum Rathaus.

Lamprecht, im realen Leben "Parteifreund" von Bürgermeister Thomas Spielmann in der Bürgerinitiative Menschen für Heiligenstadt, musste sich schließlich von den gewesenen Prinzen des HCV die Rathaustreppe zur "Erstürmung" hinauf tragen lassen - die kräftigen Mannsbilder überwanden engagiert die gestellten Barrikaden vom Bauhof. Dessen Mitarbeiter waren mit Laubsaugern angerückt und die Abwehrreihe der Heiligenstädter Jugendfußballer vermochte schließlich ebenfalls nichts gegen die Narren auszurichten.

Für Thomas Spielmann, der nur mit wenigen Stadträten auf dem Rathausbalkon thronte, war der Hinweis auf den fehlenden Zugang gleich die Möglichkeit, zu versuchen, die Verantwortung an den Karnevalschef abzugeben - er möge nun als neuer Regent den Haushalt zum Beschluss im Dezember führen. "Denn dort haben wir die nötigen Mittel für die Errichtung des Zugangs bereits eingestellt", rief Spielmann den Narren zu. Die mussten sich übrigens auch gegen allerlei Hagelschläge erwehren - und zwar in Form von Süßigkeiten, die die Stadträte wieder einmal vom Rathausbalkon warfen.

Das haben aber alle unverletzt überstanden - und so blieb die Verkündung des neuen Prinzepaares: Johanna I und Johannes I (Johanna Dietrich und Johannes Bode) und das Kinderprinzenpaar Jennifer I und Florian I (Jennifer Trost und Florian Schmidt) führen die Heiligenstädter in die fünfte Jahreszeit mit den geplanten Höhepunkten im Februar.

Hier geht´s zur Fotostrecke

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.