Online-Abitur am Thüringenkolleg Weimar

Eine sich ständig im Wandel befindliche Bildungslandschaft, aber auch sinkende Schülerzahlen: Das Thüringenkolleg in Weimar will darauf reagieren. Mit dem Online-Abitur. Dennoch kämpft die Schule ums Überleben.

Jonglage vor der Tür: Felix Luge (links) ist ein aktueller und Robert Meier ein ehemaliger Kollegiat. Letzterer studiert jetzt in Berlin und mischte früher beim Tasifan mit. Foto: Thorsten Büker

Jonglage vor der Tür: Felix Luge (links) ist ein aktueller und Robert Meier ein ehemaliger Kollegiat. Letzterer studiert jetzt in Berlin und mischte früher beim Tasifan mit. Foto: Thorsten Büker

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Weimar. und vom Schuljahr 2015/2016 ein Online-Abitur anbieten. Eine schulinterne Arbeitsgruppe beschäftige sich bereits mit dem Thema, sagte die amtierende Schulleiterin Bärbel Ritscher.

Vor der Tür jonglieren junge Menschen, in den Fluren des imposanten Hauses in der Schwanseestraße 11 lachen und informieren Lehrer und Kollegiaten die Besucher: Von den Anspannungen der vergangenen Monate ist beim Tag der offenen Tür nichts mehr zu spüren, dabei waren die Sorgen groß: Immerhin schien das Land das Kolleg wieder einmal abwickeln zu wollen. "Die Kuh ist vom Eis", sagte Ritscher. Dass die Schule dennoch an Profil gewinnen müsse, ist auch ihr klar. Das Online-Abitur richte sich an jene Menschen, die für ein Vollzeit-Abi keine Zeit hätten - zum Beispiel an junge Mütter. "Es fußt auf drei Säulen: Lernen am Computer, das Selbststudium und Präsenzzeiten, denn die soziale Kompetenz lässt sich nicht virtuell vermitteln." Nun untersuche eine Arbeitsgruppe von Lehrern die Möglichkeiten, wie Lehrinhalte über die Informatik hinaus im Internet zur Verfügung gestellt werden können.

Zusammenlegung mit dem Kolleg in Apolda?

Erstmals seien die Schülerzahlen mit 97 Kollegiaten unter die Marke von 100 gerutscht, erklärte Detlef Wagner. Der Oberstufenleiter hat längst erkannt, dass auch das Kolleg im Bereich der Erwachsenenbildung an Profil gewinnen müsse: "Das Ilmenauer Kolleg deckt die Nachfrage in Südthüringen ab. Doch viele Menschen in Ostthüringen würden sich bereits nach Sachsen orientieren, wo es in Chemnitz ein Abendgymnasium gebe.

Die Diskussion um die Schließung des Kollegs, die durch das Strukturgutachten einer Expertenkommission ausgelöst worden war, bewertete er zwiespaltig. "Es beschreibt, dass die Schülerzahlen in den letzten 20 Jahren kontinuierlich abnahmen. Und verschweigt aber, dass dann unsere hauptamtlichen Lehrer an anderen Schulen eingesetzt werden." Den 97 Frauen und Männern stünden derzeit 12 hauptamtliche Lehrer gegenüber.

Eine weitere Idee sei es, Jugendliche ohne Realschulabschluss aufzunehmen. An der Daseinsberechtigung hegen er und Ritscher indes keine Zweifel: "Es gibt viele junge Menschen, die im ersten Anlauf scheitern. Sie müssen eine zweite Chance bekommen", sagten beide unisono. Und dann gebe es jene Frauen und Männer, die nach dem Realschulabschluss und einer Berufsausbildung doch nach der allgemeinen Hochschulreife streben würden.

Patrick Heilgeist besucht derzeit das Kolleg. Der 31-Jährige aus Südthüringen konnte seine Schullaufbahn zunächst nicht mit dem Abitur krönen, da ein komplizierter Beinbruch ihn aus der Bahn warf. Also startete er später eine Berufsausbildung als Werkzeugmechaniker - und musste dann doch erkennen, dass er sich ein Berufsleben in der Industrie nicht vorstellen konnte. Seine Spätberufung hat einen Nachteil. Angesichts seines Alters kann er kein Bafög mehr beantragen. Im Mai 2015 will er sein Abitur machen und anschließend studieren. Das Ringen um die Köpfe macht auch um das Thüringenkolleg keinen Bogen.

Detlef Wagner erklärte auch, dass es so nicht bleiben dürfe: "Dann werden wir über eine Zusammenlegung der Kollegs in Ilmenau und Weimar sprechen müssen."

Lehrer und Kollegiaten nutzten den Tag der offenen Tür, um über die Struktur des Fächerangebots und das Haus selbst zu informieren, das auch über ein Internat verfügt. Zu den Höhepunkten zählte zum Beispiel ein Theaterstück, das die Kollegiaten in lateinischer Sprache aufführten.

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