Thüringer Awo-Skandal: Aufsichtsverfahren gegen Kreisverband eingeleitet

Eisenberg/Erfurt.  Zum ersten Mal in seiner Geschichte hat der Thüringer Landesverband der Arbeiterwohlfahrt ein Aufsichtsverfahren gegen einen Kreisverband eingeleitet.

Zur sofortigen Niederlegung seines Amtes aufgefordert: Klaus-Dieter Kunze, Vorstandsvorsitzender des Arbeiterwohlfahrt-Kreisverbandes Saale-Holzland, hier im Bild mit der stellvertretenden Geschäftsführerin des Kreisverbandes.

Zur sofortigen Niederlegung seines Amtes aufgefordert: Klaus-Dieter Kunze, Vorstandsvorsitzender des Arbeiterwohlfahrt-Kreisverbandes Saale-Holzland, hier im Bild mit der stellvertretenden Geschäftsführerin des Kreisverbandes.

Foto: Angelika Munteanu

Geschäftsführer Ralf Batz und zwei ehrenamtliche Vorstandsmitglieder stehen im Fokus eines Aufsichtsverfahrens, das der Thüringer Landesverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) gegen den Awo-Kreisverband Saale-Holzland eingeleitet hat.

Mit Schreiben vom 6. Oktober hat Landesgeschäftsführer Ulf Grießmann Vorstandschef Klaus-Dieter Kunze und Schatzmeister Hans-Peter Perschke dazu aufgefordert, ihre Ämter mit sofortiger Wirkung niederzulegen. Grund dafür ist „die Unvereinbarkeit von Mandat und hauptamtlichem Beschäftigungsverhältnis“, wie der geschäftsführende Awo-Landesvorstand auf Anfrage mitteilte.

Der Landesverband hatte Kunze und Perschke eine Frist bis zum 13. Oktober gesetzt, die nach Informationen dieser Zeitung aber verstrichen sein soll, ohne dass beide dieser Aufforderung nachkamen. Zudem sollen die übrigen Vorstandsmitglieder nicht über das Verfahren informiert, sondern stattdessen ohne Angabe von Gründen zu einer außerordentlichen Vorstandssitzung am morgigen Donnerstag eingeladen worden sein.

Der geschäftsführende Vorstand des Kreisverbandes soll Ralf Batz ein Gehalt zugebilligt haben, das nicht den Regelungen des Awo-Governance-Kodex entspricht. Das hatte Vorstandschef Kunze auch bereits im August auf Anfrage öffentlich eingeräumt. Kunze berief sich dabei auf einen „Altvertrag“ und kündigte eine Anpassung an, wenn Batz’ aktueller Vertrag zum Jahresende ausläuft. Nach Informationen dieser Zeitung soll Batz, der sowohl Geschäftsführer des Awo-Kreisverbandes als auch der Awo Dienstleistungsgesellschaft Ostthüringen mbH mit insgesamt rund 500 Mitarbeitern ist, ein Jahresgehalt von mehr als 200.000 Euro beziehen.

Auf Anfrage teilte Vorstandschef Klaus-Dieter Kunze mit, dass er sich vor der morgigen Sitzung nicht äußern wolle. Schatzmeister Hans-Peter Perschke ist unter anderem Bürgermeister von Schlöben und SPD-Fraktionschef im Kreistag. Das Aufsichtsverfahren ist das erste, das der Landesverband gegen einen Kreisverband eingeleitet hat.

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