Thüringer LKW-Fahrer räumt in Blog mit Trucker-Romantik auf

Maik Erdmann aus Mühlhausen ist Trucker und schreibt einen der erfolgreichsten Internet-Blogs in Thüringen. Darin berichtet der "König der Autobahn" von seinen alltäglichen Sorgen als Kraftfahrer und räumt mit idealisierten Vorstellungen vom Leben eines Truckers auf.

Zwei Arbeitsgeräte, die für Blogger Maik Erdmann unverzichtbar sind: Lkw und Laptop. Foto: privat

Zwei Arbeitsgeräte, die für Blogger Maik Erdmann unverzichtbar sind: Lkw und Laptop. Foto: privat

Foto: zgt

Mühlhausen. Den Schreck seines Lebens bekam Maik Erdmann ausgerechnet in der idyllischen Landschaft der Toskana. Es war kurz nach 16 Uhr. Der Lkw-Fahrer sollte Stoffballen laden, acht Paletten für einen Betrieb bei Erfurt. Weil die Ware noch nicht fertig war, stellte er seinen Laster ab und wartete. Spätestens 21.30 Uhr war auf dem Firmengelände inmitten der italienischen Einöde alles ruhig, er legte sich in die Koje.

Tief in der Nacht weckten ihn seltsame Geräusche auf, es scharrte, es knallte, dazu kamen Stimmen, dann klopfte es auch noch leise. "Oha", dachte er, "nun hat mein letztes Stündlein geschlagen. Eigentlich wollte ich immer in Thüringen sterben." Zwei dunkle Gestalten forderten ihn zum Aussteigen aus. "Was ist los?", fragte er verwirrt. "Wir haben fertig Paletten", antwortete der eine. "Ich dachte, die Mafia holt mich", erwiderte Erdmann. "Hier nix Mafia", sagte der Arbeiter und lachte. Dann warf er den Gabelstapler an nachts um 2 Uhr.

Geschichten wie diese kennt Maik Erdmann aus Mühlhausen viele. Der 42-Jährige ist seit mehr als 20 Jahren als Lkw-Fahrer unterwegs. Seinen blauen 420 PS starken Scania-Sattelzug steuert er nach England, Skandinavien und Italien, nach Spanien, Polen und Frankreich. Vor einigen Jahren begann Erdmann damit, seine Erlebnisse einem großen Publikum mitzuteilen. 2008 gründete er die Internetseite truckonline.de. Der Blog gehört mittlerweile zu den beliebtesten in Thüringen. Mehrere hundert Leute schauten dort täglich vorbei, sagt er. "Die wenigsten davon sind selber Fahrer, sondern einfach nur interessiert an meinen persönlichen Erlebnissen oder dem Beruf des Truckers allgemein."

Gnadenloser Zeitdruck

Nicht alle Blogeinträge sind freilich so abenteuerlich wie die Toskana-Geschichte, die Erdmann im Sommer 2010 erlebte. Vielmehr geht es um die ganz normalen Sorgen der Lkw-Fahrer: um den gnadenlosen Zeitdruck, den schlechten Ruf der Branche, die Freude darüber, die deutsch-schweizerische Grenze ohne Stau passieren zu können, oder die endlose Suche nach einem ordentlichen Parkplatz. Gerade dieses Problem verschlimmere sich seit Jahren. Obwohl der Schwerlastverkehr zunehme, würden viel zu wenige Parkplätze ausgebaut. "Schon um 18.30 Uhr ist kaum noch was zu finden", sagt der Trucker. Ein Thema, das vor allem beim Austausch mit Kollegen im Mittelpunkt steht, ist die Konkurrenz aus Osteuropa und die Angst um den Arbeitsplatz.

Besuchern des Blogs werden auch Fotos, Videoclips und Kuriositäten geboten. Mehr als 1000 Einträge haben sich mittlerweile angesammelt. Quintessenz: Die Mythen vom "König der Autobahn" und von Freiheit und Abenteuer haben mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun.

"Ich weiß, ich kann an den Situationen nichts ändern, aber ich kann auf Missstände hinweisen", sagt Maik Erdmann. "Außerdem scheibe ich sehr gerne." Es sei schön, wenn Menschen sich für seinen Beruf interessieren und die Beiträge kommentieren. Bloggen und Internet seien für den Trucker zu schönen Hobbys geworden in einem Beruf, der nicht viel Zeit für Hobbys lässt, einem Beruf mit viel Stress, Hektik und langen Arbeitstagen fernab von Zuhause.

Während Erdmann das sagt, hat er bereits die nächste Geschichte vom Leben unterwegs im Kopf. "Eigentlich habe ich immer was zu erzählen."