Thüringer Stiftungspreis vergeben

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Prof Dr. Olaf Werner. Ausgeschrieben wurde der Preis vom Abbe-Institut für Stiftungswesen an der Friedrich-Schiller Universität Jena gemeinsam mit der Hilde und Olaf Werner Stiftung zur Förderung des Stiftungswesens.

Prof Dr. Olaf Werner. Ausgeschrieben wurde der Preis vom Abbe-Institut für Stiftungswesen an der Friedrich-Schiller Universität Jena gemeinsam mit der Hilde und Olaf Werner Stiftung zur Förderung des Stiftungswesens.

Foto: zgt

Kammermusik, Entwicklung des ländlichen Raumes und Fledermäuse - Drei Stiftungen mit Thüringer Stiftungspreis ausgezeichnet

Erfurt. Fledermäuse, die Entwicklung des ländlichen Raumes und Kammermusik – was verbindet diese drei Bereiche, die unterschiedlicher nicht sein könnten? Sie benennen den zentralen Zweck je einer Stiftung, die in Thüringen ihren Sitz hat. Auf dem 4. Thüringer Stiftungstag im Sparkassen-Finanzzentrum Erfurt wurden am 22. April diese drei Stiftungen mit dem Thüringer Stiftungspreis 2013 für ihre Tätigkeit geehrt. Entsprechend dem Ausschreibungsmotto " ... und deshalb sind wir eine Thüringer Stiftung! Gesellschaftlicher Mehrwert für Thüringen." zeichnen sich diese Stiftungen dadurch aus, dass in ihnen ein regionaler, ein "Thüringer" Ansatz steckt, der einen gesellschaftlichen Mehrwert für Thüringen schafft.

Ausgeschrieben wurde der Preis vom Abbe-Institut für Stiftungswesen an der Friedrich-Schiller Universität Jena gemeinsam mit der Hilde und Olaf Werner Stiftung zur Förderung des Stiftungswesens. Der Preis zielt darauf ab, das Engagement selbständiger sowie unselbständiger Stiftungen des Privatrechts anzuerkennen und die Bedeutung des Stiftungswirkens für die Gesellschaft hervorzuheben.

Preisträger des mit 500 Euro dotierten Stiftungspreises ist die "Stiftung Südthüringer Kammerorchester". Anlass der Stiftungsgründung war die Auflösung der Thüringer Philharmonie Suhl im Jahr 1997 – Grund für den Stifter Wolfgang Fuchs, ein alternatives Finanzierungskonzept für Orchester zu suchen und ein sich selbst tragendes Kammerorchester aufzubauen. Die Stiftung will Zeichen setzen, um in schwieriger werdenden Zeiten stabilisierend im Kulturbereich zu wirken, so der Stifter. Seit der Stiftungserrichtung im Jahr 2000 bringt Wolfgang Fuchs jeden Cent in die Stiftung ein, vor allem die Konzerterlöse, und konnte so das Vermögen seiner Stiftung um ein vielfaches erhöhen. Am Ziel, ein ganzes Orchester zu finanzieren, ist er noch nicht, aber Fuchs plant langfristig. Eine Vorreiterrolle spielt dieses Stiftungsmodell für Thüringen deshalb, weil sich der Freistaat durch die größte Konzentration an Kultur weit und breit auszeichnet. Diese reiche Kulturlandschaft gilt es zu erhalten, so Fuchs, und wünscht sich Nachahmer. Und weil man musikalische Begeisterung nicht früh genug sähen kann, gibt es von Seiten der Stiftung auch musikalische Angebote für Kindergärten und Schulen. "Die Stiftung konnte mit ihrem Ansatz die Jury überzeugen, weil Finanzierungsprobleme im Kulturbereich ein Dauerthema sind und in den kommenden Jahren noch virulenter werden. Viele Menschen in Thüringen sorgen sich um die Zukunft regionaler Theater und Orchester. Die Stiftung zeigt auch, dass das konsequente, regelmäßige Sammeln von kleinen Beträgen zielführend ist", so Dr. Almuth Werner, Mitglied der Jury und Vorstand der Hilde und Olaf Werner Stiftung.

Jeweils mit einer Urkunde wurden die in Erfurt ansässige "Stiftung Fledermaus" und die erst in diesem Jahr errichtete Stiftung "Ländliche Neugier" mit Sitz in Blankenhain ausgezeichnet. Im Fokus der Tätigkeit der "Stiftung Fledermaus" stehen im heimischen Thüringen der Schutz und die Wiederausbreitung der bundesweit fast ausgestorbenen Fledermausart "Kleine Hufeisennase". Diese ist eine der am stärksten gefährdeten Fledermausarten in Deutschland. Bundesweit existieren nur noch in Thüringen individuenstarke Populationen in einem größeren Verbreitungsgebiet, weswegen das Land Thüringen eine besondere Verantwortung für den Erhalt der seltenen Population hat und als "Hufiland" (www.hufiland.de) bezeichnet werden kann. Mit einem Fledermausdetektor hinter der Erfurter Krämerbrücke oder ausgestattet mit sogenannten Fledermausrucksäcken lassen sich die Tiere auch von Laien aufspüren.

Die Stiftung "Ländliche Neugier" soll einen Beitrag zur Reduzierung der Abwanderung junger Menschen aus Thüringen leisten und Fachleute für die Sitzregion der Stiftung gewinnen. Ein besonderes Anliegen der Stiftung ist somit die Heranführung junger Menschen an berufliche Tätigkeiten, die in einer umweltgerechten Landwirtschaft, der örtlichen Industrie, des Handwerks und anderen für die Region wichtigen Bereichen ausgeübt werden können. 22 Betriebe der Region haben sich zur Erreichung dieses Ziels in der Stiftung überwiegend als Stifter zusammengeschlossen. In diesem Zusammenwirken liegt die Besonderheit der Stiftung. Die Verankerung des Gedankens einer nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raumes als Lebens-, Arbeits- und Wohnort für alle Generationen begegnet dem thüringenweiten Problem der Überalterung und des Einwohner-schwundes im ländlichen Raum. Auch dieses Stiftungsmodell ist auf andere Regionen übertragbar.

Weitere Mitglieder der Jury waren Anne Gaukstern (Studentin FSU Jena), Dr. Michael Grisko (Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen), Christina Möbius (Stiftung Faszination Begabung, Preisträgerin des Stiftungspreis 2011) und Dr. Ute Zacharias (Leiterin der Beilagenredaktion der Zeitungsgruppe Thüringen).

Der Thüringer Stiftungstag findet alle zwei Jahre statt. Er wird seit 2007 vom Abbe-Institut für Stiftungswesen an der Friedrich-Schiller-Universität Jena veranstaltet. Das Stiftungsinstitut ist ein Projekt der Ernst-Abbe-Stiftung Jena, die Wissenschaft, Forschung, Innovation sowie soziale Zwecke im Freistaat fördert.