Verkürzter Unterricht an der Eisenacher Wartburgschule

Wartburgschule: Umzugsvorbereitungen laufen auf Hochtouren

Im Juli war an der Wartburgschule in Eisenach ein Raum gesperrt, nun sind es wegen der über dem Richtwert II liegenden Belastung durch Naphthalin und unangenehmen Geruch elf Räume. Der baldige Umzug der Schule wird vorbereitet. Foto: Sascha Willms

Im Juli war an der Wartburgschule in Eisenach ein Raum gesperrt, nun sind es wegen der über dem Richtwert II liegenden Belastung durch Naphthalin und unangenehmen Geruch elf Räume. Der baldige Umzug der Schule wird vorbereitet. Foto: Sascha Willms

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Eisenach. In der Eisenacher Wartburgschule dauert ab 22. September jede Unterrichtsstunde nur noch 30 Minuten und nicht mehr 45. Diese Verkürzung der Unterrichtszeiten hat die Stadtverwaltung gestern in Abstimmung mit dem Schulamt bekannt gegeben. Auch die Ausweichdomizile der einzelnen Klassen der Wartburgschule stehen fest. Die Klassen 5 bis 9 kommen in der leer stehenden Petersbergschule unter, die beiden 10. Klassen werden im Staatlichen Berufsschulzentrum "Ludwig Erhard" im Palmental unterrichtet.­

Anlass für die Unterrichtsverkürzung und den nahenden Umzug sind unangenehme Gerüche und aufgetretene Naphthalin-Konzentrationen in mehreren Räumen des Schulgebäudes in der Wilhelm-Pieck-Straße. Die Verunsicherung in der Elternschaft ist groß, vereinzelt ließen Eltern ihre Kinder erst einmal nicht in die Schule. Die Stadt informierte derweil über den weiteren Sachstand mit einem weiteren Elternbrief.

Wann genau der Umzug stattfinden wird, steht noch nicht fest. "Es bleibt bei der Aussage, dass der Umzug so schnell wie irgend möglich stattfinden soll", so Oberbürgermeisterin Katja Wolf. Die Vorbereitungen sowohl räumlich, logistisch als auch konzeptionell, was etwa den Stundenplan angehe, liefen auf Hochtouren. Handwerker und Hausmeister seien bereits im Einsatz, um etwa die Räume in der Petersbergschule wieder für den Schulalltag herzurichten. "Das reicht von der Reparatur der Mädchentoilette über die Grasmahd bis hin zum Aktivieren der gekappten Telefon- und Internetanschlüsse", so Wolf.

Doch auch in der Wartburgschule selbst gehen die Arbeiten weiter. Da stehen zum einen die Messungen in weiteren Räumen an. Zwei Chemiker des beauftragten Labors aus Bad Berka werden damit noch bis Mitte September beschäftigt sein. Derzeit wird als mögliche Ursache eine teerhaltige Schicht im Fußbodenaufbau vermutet.

Wolf informierte sich vor Ort über die Messungen. "Wir rechnen mit den Ergebnissen zirka Mitte Oktober". Bis dahin haben die Wissenschaftler einiges zu erledigen. Pro Tag wird in zirka vier bis sechs Schulräumen gemessen. Eine Messung dauert mindestens zwei Stunden. Die Schule hat insgesamt rund 60 Räume. "Über die Ergebnisse werden wir Schule und Eltern informieren", so Wolf. Einige Wochen werde das allerdings dauern, denn gründliches Arbeiten im Labor sei wichtig. Die in der Luft vorhandenen Substanzen müssen voneinander getrennt (extrahiert), störende Einflüsse wie zum Beispiel Fremdsubstanzen müssen ferngehalten werden. Nur absolut reine Proben dürfen untersucht werden, damit das Ergebnis nicht verfälscht werde.

Die ersten Sanierungsarbeiten haben begonnen. Angefangen wird mit dem Klassenraum 119 im Erdgeschoss der Schule. Dort wird der komplette Fußboden entfernt. Es wird nur dann gearbeitet, wenn der Schulunterricht beendet ist und sich die Schüler nicht mehr im Gebäude aufhalten. Danach werden in dem entkernten Raum die Luftwerte gemessen. Damit soll herausgefunden werden, ob der Fußboden für den unangenehmen Geruch tatsächlich verantwortlich ist. Sollten die Messwerte ergeben, dass kein Naphthalin vorhanden ist, geht es mit der Sanierung weiter. In einem nächsten Schritt wird der neue Fußboden eingebaut, anschließend wird erneut gemessen.

Das Gesundheitsamt teilt mit, dass Naphthalin als krebsverdächtig eingestuft sei. Aber bei Überschreitung des Richtwertes I seien "keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten" seien, selbst wenn man lebenslang dieser Naphthalin-Belastung ausgesetzt sei. Die im Gutachten des Labors genannten Richtwerte seien nur auf der Basis von Tierversuchen empfohlene Richtwerte und nur bedingt auf Menschen übertragbar. Beim Gesundheitsamt, so Amtsärztin Maier, hätten sich keine erkrankten Kinder oder Lehrer gemeldet.Die Eltern von zwei Kindern hätten zwecks Beratung nachgefragt und eine Kinderärztin habe angerufen, weil bei ihr Eltern vorstellig geworden waren, um ihre Kinder auf eine eventuelle Naphthalin-Vergiftung untersuchen zu lassen.

Kommentar

Wer Kinder hat, der kann die Ängste der Eltern von der Wartburgschule nur zu gut verstehen. Das sind diffuse, wohl auch manchmal überzogene, aber mehr als verständliche Ängste. Von einer vernünftigen Lernatmosphäre kann an der Wartburgschule natürlich keine Rede sein. Wer kann schon so ein Gutachten lesen, wer begreift den Unterschied zwischen Richtwert und Grenzwert?

Und da ist es gut, dass die Verwaltung dies nun auch offensiv aufgreift, die Sorgen ernst nimmt - zum einen mit viel mehr Information nicht nur an die Schulleitung selbst, sondern auch an die Eltern direkt. Zum anderen dadurch, dass sich tatsächlich gekümmert wird, um den jetzigen Zustand so schnell wie möglich zu beenden. Dafür hat im Übrigen auch der Elternabend gesorgt. Es wird nicht mehr gefragt, was die Richtlinien und Gesetze vorschreiben, sondern was die Stadt im Notfall auch über die gesetzlichen Vorgaben hinaus tun muss. Es wird nicht mehr gefragt, ob es aus wissenschaftlicher und medizinischer Sicht zwingend erforderlich ist, die Schule schnell zu räumen, sondern es wird getan. Und das ist auch gut so.

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