Verlust der Wasserburg Kapellendorf "wäre eine mittlere Katastrophe"

Nach der angekündigten Aufgabe der Wasserburg Kapellendorf hagelt es Kritik aus mehreren Richtungen. Vor allem die Art und Weise, wie das Thema von der Erfurter Stadtverwaltung kommuniziert worden sei, stößt einigen bitter auf.

Die Stadt Erfurt will die Wasserburg Kapellendorf aus Haushaltsgründen an den Besitzer, die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, abgeben. Foto: Holger Wetzel

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Kapellendorf/Erfurt. Er sei überrascht gewesen, so etwas aus der Zeitung zu erfahren, sagt etwa Kapellendorfs Bürgermeister Jürgen Elstermann. Noch kurz zuvor habe er bei einer Tagung des kommunalen Arbeitskreises der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten in Gotha gesessen - wie auch ein Vertreter von Erfurt. Kein Wort sei da über eine Abkehr von der Burg gefallen.

Auch die Mitglieder des Fördervereins des Stadtmuseums - das Haus betreut die Wasserburg Kapellendorf - haben aus der Presse erfahren, dass die Stadt die Betreibung der Burg aus Haushaltsgründen rasch an den Besitzer, die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, abgeben will, sagt Vereinsvorsitzender Steffen Raßloff. Ein solch beispielloser Einschnitt könne aber nicht einfach über die Köpfe der Mitarbeiter und engagierten Bürger hinweg erfolgen. "Wir fordern eine offene Diskussion über diese Maßnahme im Rahmen der zum 1. Dezember 2014 unter einem Direktor zusammengeschlossenen Erfurter Geschichtsmuseen."

Er bezeichnet die Pläne der Stadtverwaltung als "Tabubruch". Dass ein Museum geschlossen werde, habe es in Erfurt sehr lange Zeit nicht gegeben. "Was kommt als nächstes?", fragt Raßloff. "Schloss Molsdorf, das weniger Bezug zu Erfurt hat als die Wasserburg Kapellendorf? Oder die Burg Gleichen?"

Der Verlust der Wasserburg wäre "eine mittlere Katastrophe", kommentiert die Chefin des Fördervereins "Wasserburg und Kapellendorf", Antje Strzata, den möglichen Erfurter Rückzug aus dem bisherigen, funktionierenden Verbund. Der sieht grob geschildert so aus: Der Thüringer Schlösser-Stiftung gehört die Burg, Erfurt hat einen Betreibervertrag mit der Stiftung über das Museum, das somit quasi als Außenstelle des Stadtmuseums geführt wird. Die Personalkosten für die drei fest angestellten Mitarbeiter in Kapellendorf - die Burgverwalterin Marie Petermann, eine Servicekraft und den Haustechniker - tragen Stiftung und Stadt. Erfurt müsse sich fragen, ob man sich die Betreibung der Burg noch leisten könne, so Oberbürgermeister Andreas Bausewein.

Er habe die Kulturdirektion angewiesen, eine Kündigung des Betreibervertrages mit der Stiftung zu prüfen. Nun appelliert der Förderverein des Stadtmuseums in einem offenen Brief an den Stadtrat, die "Aufgabe eines solch wichtigen Denkmals der Stadtgeschichte zu verhindern".

Marie Petermann folgt einer Maßgabe ihrer Vorgesetzten, sich über den möglichen Erfurter Rückzug nicht zu äußern. Die aus Hermsdorf stammende 30-Jährige ist seit 2010 in Kapellendorf, wo sie die seit dem unerwarteten Tod des vormaligen "Burgvogtes" Uwe Hermann 2008 verwaiste Stelle übernahm.

"Marie Petermann hat die Burg erst wieder zum Leben erweckt", sagt Antje Strzata vom Förderverein der Burg. "Burgfeste, Märkte, Ausstellungen, Kinder- und Sonderführungen - davon konnten wir früher nur träumen." Nun habe sie alles auf Vordermann gebracht, und dann soll ihr das Museum "ohne jede Vorwarnung dicht gemacht werden", kritisiert Steffen Raßloff. Für ihn gehört die Anlage mit ihrem auf Erfurt zugeschnittenen Museum ganz klar zur Erfurter Museumslandschaft - trotz ihrer Lage im Weimarer Land. Marie Petermann entwickelte ein Nutzungskonzept für die Burg, auf dessen Grundlage die Stiftung als Immobilien-Eigentümerin im vorigen Jahr Sanierungsarbeiten gestartet hat. Die neue Toilettenanlage soll Anfang April fertig sein und kostet 200.000 Euro. Noch in diesem Jahr soll die Sanierung der Fachwerk-Fassade des "Justiz- und Rentamtes" beginnen - dort war der neue Standort des Museums vorgesehen. Das soll aus der Kemenate heraus, wo es wenig Platz gibt.

Insgesamt hatte die Stiftung über mehrere Jahre verteilt Investitionen von 1,5 Millionen Euro geplant. "Darum haben wir alle hier lange gekämpft", so Elstermann.

Er befürchtet, dass die Stiftung bei einem Erfurter Rückzug die Sanierung stoppt: "Wozu sollen sie investieren, wenn kein Nachnutzer mehr da ist?" Ohne qualifizierten Museumsbetreiber könne man im Prinzip "das Tor zumachen".

Im offenen Brief des Fördervereins des Stadtmuseums heißt es weiter: "Die Aufgabe einer ganzen Einrichtung widerspräche ebenso wie die ausstehende Wiederbesetzung der Kuratorenstelle für Neuere Geschichte zudem den großen Ambitionen, die die Stadt mit der (angesichts der Haushaltslage umstrittenen) Berufung eines auswärtigen Kandidaten als Direktor der Geschichtsmuseen ausdrücklich verbunden hat." Somit gehe es bei der Entscheidung nicht nur um die Burg Kapellendorf, zu der man sich im Kulturkonzept eindeutig bekannt hat. "Es geht auch um die Glaubwürdigkeit einer Geschichtskultur, der als wesentlicher Säule öffentlicher Kulturpolitik eine hohe Bedeutung zugeschrieben wird."

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