Vor 150 Jahren entdeckten Bergleute Barbarossas sagenhafte Höhle

Rottleben  Vor genau 150 Jahren wurde das außergewöhnliche Naturdenkmal in Nordthüringen am Südwesthang des Kyffhäusergebirges entdeckt. Es war die Entdeckung einer sagenhaft schönen Anhydrit-Gips-Höhle, die einzigartig in Europa und wohl auch weltweit ist.

Vor allem Reisegruppen und Familien zählen zu den Besuchern der vor 150 Jahren entdeckten Barbarossahöhle bei Rottleben. Foto: Dieter Lücke

Vor allem Reisegruppen und Familien zählen zu den Besuchern der vor 150 Jahren entdeckten Barbarossahöhle bei Rottleben. Foto: Dieter Lücke

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Sie ist „einfach sagenhaft“, mystisch sagenumwoben, aus geologischer Sicht eine absolute Rarität in Europa und weltweit nahezu einzigartig - die Barbarossahöhle am Rande von Rottleben (Gemeinde Kyffhäuserland). Vor genau 150 Jahren wurde das außergewöhnliche Naturdenkmal in Nordthüringen am Südwesthang des Kyffhäusergebirges entdeckt. Denn dort hatten bereits im Sommer 1860 Bergleute im Auftrag des Dortmunder Unternehmers von Born damit begonnen, unterhalb der Ruine der Falkenburg bei Rottleben einen Stollen vorantreiben lassen, um ein vermutetes Kupferschieferflöz zu erschließen.

Kurz vor Weihnachten 1865 war der Stollen bereits 178 Meter in den Berg getrieben worden, doch von einem Kupferschieferflöz keine Spur. Stattdessen stießen die Steinthalebener Bergleute Christian Nachtweide, August Schumann und Heinrich Vollrodt am 20. Dezember 1865 auf einen riesigen Hohlraum - und im Schein ihrer flackernden Grubenlichter konnten die Männer eine faszinierende Höhlenwelt entdecken: riesige bizarr geformte Gipslappen an der Decke und den Wänden und kleine kristallklare Untertageseen, die faszinierend die ungewöhnlichen Formstrukturen der „Schlotte“ - so nannten die Bergleute damals solche Höhlen - widerspiegelten.

Es war die Entdeckung einer sagenhaft schönen Anhydrit-Gips-Höhle, die - wie Anke Schreyer, die jetzige Chefin der Barbarossahöhle im Geopark Kyffhäuser, betont - einzigartig in Europa und wohl auch weltweit ist. Denn die Barbarossahöhle ist nach Expertenmeinung aus geologischer Sicht eine „absolute Rarität“, denn sie gilt als eine von weltweit zwei existierenden Schauhöhlen im Anhydritgestein. Die andere Höhle ist weit entfernt im Ural an der Grenze zu Sibirien zu besichtigen - in der Kungur Eishöhle.

Eigentlich sollte Kupfer gewonnen werden

Doch davon hatten die Thüringer Bergleute aus Steinthaleben, die 1865 mit dem Steiger Rödiger aus Könitz bei Saalfeld den Stollen vorantrieben, keine Ahnung. Deren Vorgesetzte, der Grubeninspektor Klett in Frankenhausen und der Schichtmeister Leonhardt in Udersleben, meldeten jedenfalls die Entdeckung unverzüglich an das Hochfürstliche Bergamt in Könitz bei Unterwellenborn, damals zuständig für bergrechtliche Belange der Fürstentümer Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen. Dort im Bergamt Könitz hatte der Fürstlich-Schwarzburgische Bergmeister Friedrich Herthum vielleicht eine Vorahnung, auf was für einen geologischen Schatz die Bergleute am Kyffhäuser gestoßen waren. Jedenfalls wurde verfügt, die Höhle so zu erhalten, wie sie vorgefunden worden war.

Für die damalige Zeit eine eher ungewöhnliche Entscheidung, denn eigentlich wurden sonst Hohlräume mit taubem Gestein wieder verschlossen. Vielleicht hatten aber die Verantwortlichen des Bergbaubetriebs schon den Glauben an einen Erfolg der Suche nach Kupferschiefer verloren, zwar stieß man über einen weiteren Stollen später noch auf entsprechende Vorkommen, deren Abbau dann aber wegen des unzureichenden Erzgehaltes und wegen der geringen Mächtigkeit der Flöze als nicht lohnend eingeschätzt wurde.

Der Eintritt war so teuer wie 15 Eier oder ein Stück Butter

Doch die Nachrichten von den außergewöhnlichen Ausformungen des Gipsgesteins und von den faszinierende Aussichten auf die unterirdischen Gewässer der „Rottlebener Höhle“ oder „Falkenburger Höhle“, wie das Gewölbe untertage zunächst benannt wurde, verbreiteten sich in Windeseile und weckten Neugier. Schon am 7. Januar 1866, also nur wenige Tage nach der Entdeckung, so ist in historischen Unterlagen verbürgt, besuchte ein Arbeiterverein aus Frankenhausen die Höhle, berichtet Höhlenchefin Anke Schreyer. Und Michael Brust, Höhlen- und Karstforscher und ehemaliger Museumsdirektor, der sich intensiv auch mit der Barbarossahöhle und ihrer Geschichte beschäftigt hat, berichtet unter Bezug auf historische Quellen, das bereits am 31. Januar 1866 der Bergamt in Könitz eine Verordnung erließ, die das „Betreten und mithin einen regulären Betrieb als Schauhöhle regelte.

Der Eintritt wurde auf fünf Silbergroschen pro Person festgesetzt. Dafür erhielt man damals 15 Eier oder ein Stück Butter“. Und Brust macht deutlich, dass das ja damals kein Pappenstiel war, zudem mussten Interessierte erst einmal zur Barbarossahöhle kommen, also auch noch die Fahrt mit der Eisenbahn bezahlen. Jedenfalls gilt heute als ausgemacht, dass die Barbarossahöhle, wie sie schon bald nach der Entdeckung offiziell benannt wurde, das mit Abstand erste Ausflugsziel in der Kyffhäuserregion überhaupt wurde. Denn das bekannte Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser wurde erst 30 Jahre später eingeweiht (1896) und dann auch erst das Eisenbahnnetz in der Region ausgebaut.

Zu DDR-Zeiten bis zu 200.000 Besucher im Jahr

Wie viele Menschen in den 150 Jahren die faszinierende Untertage-Welt der Barbarossahöhle durchwandert und in Augenschein genommen haben, kann nur noch geschätzt werden, weil Dokumente dazu in den letzten Kriegswirren vernichtet wurden. Ein Gaststätte gibt es dort schon seit 1895. Und nicht erst zu DDR-Zeiten war die Barbarossahöhle ein echtes Massenausflugsziel mit gigantischen Besucherzahlen bis zu 200.000 Besucher pro Jahr, wie Höhlenchefin Anke Schreyer weiß. Das Eingangsgebäude entstand erst in den 1970er Jahren, aber schon in den 1960er Jahren wurden in der rund 15.000 Quadratmeter großen Anhydrithöhle, die sich fast über einen Kilometer erstreckt, viele Gipslappen an den Decken aus Sicherheitsgründen wegen der damals großen Besucherzahlen entfernt. Und es gab auch Zeiten, da nahmen Besucher eifrig abgebrochene Gipslappen als Souvenir mit. Heute gehen die Besucher durchweg rücksichts- und respektvoll mit diesem geologischen Naturwunder um.

Nach der Wende sind die Besucherzahlen zunächst drastisch zurückgegangen, jetzt zählt die Barbarossahöhle jährlich so zwischen 70.000 und 75.000 Besucher, darunter viele Familien mit Kindern, aber auch Schulklassen, Reisengruppen und Individualtouristen.

Die Höhle zählt zu den bekanntesten Ausflugszielen im Freistaat und ist zudem ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Gemeinde Kyffhäuserland und den Kyffhäuserkreis. Das Interesse aus dem Ausland bringt vor allem neugierige Touristen aus den Benelux-Ländern und aus Nordeuropa nach Rottleben. Dort soll an der Höhle demnächst nicht nur ein modernes Geo-Informationszentrum errichtet werden, sondern auch eine Geo-Erlebnislandschaft vor allem für Kinder, ein kleines Bergwerksstädtchen mit Fördertürmen und Bergarbeiterhäusern, mit Spiel-, Lern- und Klettergeräten, Tunneln und Rutschen. Kindgerecht sollen dann Informationen zum Geopark Kyffhäuser auch die ganz jungen Besucher erreichen, die ohnehin beim Betreten der Höhle wie die Erwachsenen aus dem Staunen nicht herauskommen.

Die Geschichte vom verzauberten Stauferkaiser Barbarossa

Es ist nicht nur die einzigartige Beschaffenheit der Barbarossahöhle im touristischen Wettbewerb mit etwa 50 Schauhöhlen in Deutschland. Aber eine solch magische Untertagewelt im Anhydritgestein gibt es so zu besichtigen europaweit eben nur in Nordthüringen. Und dann ist da ja auch noch die mystische Sagenwelt des Kyffhäusers, die Geschichte vom verzauberten Stauferkaiser Barbarossa in seinem unterirdischen Schloss im Kyffhäuser. Kein Wunder also, dass die Besucher bei ihrer Wanderung und Besichtigung der Zauberwelt der Barbarossahöhle in den saalartigen Hohlräumen und kuppelartigen Gewölben mit den bizarren Gipslappen zwischen Empfangs- und Tanzsaal, Olymp und Dom oder in der Gerberei, zwischen Neptungrotte, Grottensee und Kristallkammer und angesichts von Alabasteraugen und Schlangengips dann auch den „Tisch und Stuhl des Barbarossa“ entdecken, errichtet aus prächtigen Gesteinsblöcken im „Tanzsaal“ der Höhle.

Getanzt wird übrigens dort nicht zum Jubiläum am 20. Dezember, aber es soll von 12 bis 16 Uhr freien Eintritt für interessierte Besucher geben, für die es dann besondere „Jubiläums-Fahrscheine“ und einige Überraschungen geben soll. Bei der traditionellen feierlichen Mettenschicht in der Barbarossahöhle am 23. Dezember um 15 und um 17 Uhr rückt das Höhlentheater Barbarossa dann natürlich das Jubiläum, die Entdeckung der Höhle vor 150 Jahren, in das Blickfeld der Besucher, und natürlich - umrahmt von weihnachtlichen Bergmannsbräuchen und Klängen - gibt es dann auch eine besondere Bergmannspredigt. Glückauf!

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