Wandersleber Heimatverein eröffnet Gesindehaus und historischen Wohnturm

Wandersleben. Durch einen kleinen Spalt dringt etwas Tageslicht in den Keller. Gut eineinhalb Meter sind die Mauern des Wandersleber Wohnturmes dick, so dass es merklich kälter ist als draußen. Das wird sich ändern am Tag des offenen Denkmals, denn dann werden Besucherscharen den Turm aus der Zeit um 1250 genau unter die Lupe nehmen.

Mit der sonstigen Stille und Einsamkeit ist es dann für kurze Zeit vorbei, wohl sehr zur Freude von Joachim Altenbrunn und Reinhold Hochheim vom Heimat- und Geschichtsverein Wandersleben. Der Wohnturm und der dazugehörige ehemalige Herrenhof sind ihr "Baby". Mit viel Engagement und Herzblut haben die zwei älteren Herren mit den Mitgliedern des Vereins und fleißigen Helfern aus dem Ort den historischen Hof zu neuem Glanz verholfen.

Die Ausgangsituation war zu Beginn nicht gerade rosig. Hof und Haus waren verfallen, so dass 1985 nur noch der Abriss des baufälligen Fachwerkhauses blieb. Das sollte sich jedoch als wahrer Glücksgriff herausstellen. Denn darunter verbarg sich der Wohnturm, dessen Umbauung ihn über die Jahrhunderte vor schädigenden Umwelteinflüssen schützte. Die Interessengemeinschaft "Mittelalterlicher Wohnturm" – eine Gruppe junger Leute des Ortes und der Umgebung – begann unter Leitung von Udo Hopf die Restaurierung des ehemaligen Mini-Adelssitzes und machte ihn weit über die Ortsgrenzen bekannt. Heute ist er ein Objekt der "Transromanika Route" durch Europa.

Im Jahr 2006 übernahm der frisch gegründete Heimatverein die Verwaltung und nun ging es auch dem verfallenen Gesindehaus an den Kragen, das am Sonntag neu eingeweiht wird. "Das Haus repräsentiert das Leben zu früheren Zeiten hier im Ort. Durch viele Spenden der Wandersleber konnten wir ihm wieder Leben einhauchen", sagt Vereinsvorsitzender Altenbrunn. Und tatsächlich, das Haus macht einen lebendigen Eindruck. In jedem der Räume erinnern liebevolle Details an vergangenen Zeiten. Geschirr, Tische, Stühle, Kleidung oder landwirtschaftliche Geräte – alles hat seinen Platz gefunden. Kurz vor der Eröffnung konnte der Heimatverein sogar noch einen alten Aschenbecher auftreiben, berichtet Reinhold Hochheim. Das Haus und der Hof sind zu einem Stück Ortsgeschichte geworden. Grund genug für den Verein, sich um die Vergabe des "Denkmalpreises des Landkreises Gotha 2010" zu bewerben, der am Sonntag seinen Sieger finden wird. Und wenn alles klappt, sollen bereits in den nächsten Jahren aus dem atmosphärischen Herrenhof ein beliebtes Fernziel für Radtouristen werden, so die Vision der beiden Männer.

Die Auftaktveranstaltung des Denkmaltages mit Verleihung des Denkmalpreises findet So., 9.30 Uhr in Wandersleben statt. Bis 18 Uhr sind Gebäude zu besichtigen.

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