Wie eine Mutter ihr an Diabetes Typ 1 erkranktes Kind rund um die Uhr betreut

Weimar.  Seit acht Jahren hat Britta Henkel keine Nacht mehr durchgeschlafen, rund um die Uhr betreut sie ihren Sohn. Oft muss sie sich mit Vorurteilen und Unwissenheit auseinandersetzen.

Friedemann Henkel hat Diabetes Typ 1 und wird von seiner Mutter Britta rund um die Uhr betreut. Das Desinfektionsspray ist kalt beim Aufsprühen. „Das mag ich nicht“, sagt der achtjährige Junge.

Friedemann Henkel hat Diabetes Typ 1 und wird von seiner Mutter Britta rund um die Uhr betreut. Das Desinfektionsspray ist kalt beim Aufsprühen. „Das mag ich nicht“, sagt der achtjährige Junge.

Foto: Conni Winkler / OTZ

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Jeder Tag ist anders – und die Nacht auch. Friedemann (8) erkrankte mit einem Jahr an einem schwer einstellbaren Diabetes Typ 1. Seitdem betreut ihn seine Mutter Britta Henkel rund um die Uhr. „Ich habe seit acht Jahren keine Nacht mehr durchgeschlafen.“ Die Frage nach dem Warum der Erkrankung hat die 39 Jahre alte Mutter lange gequält. Jetzt sagt sie: „Der Diabetes ist mit bei uns eingezogen. Es hat ja keinen Sinn, damit zu hadern. Es ist eben so.“ Der ständige Schlafmangel und die Erschöpfung nagen an ihr. Doch sie verbiete sich diese Gefühle. „Ich habe keine Zeit, um kaputt zu sein.“ Inzwischen fordert sie auch noch ihre Tochter Florentine (9 Monate), die tagsüber nie länger als 30 Minuten am Stück schläft.

Zusätzlich müsse sich Britta Henkel oft mit Vorurteilen und Unwissenheit in der Öffentlichkeit auseinandersetzen. „Diabetes Typ 1 ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper die eigenen insulinproduzierenden Zellen angreift und zerstört. Das hat nichts mit falscher Ernährung zu tun, wie viele denken“, erklärt sie. Viele würden glauben, das könne man mit einer Ernährungsumstellung in den Griff bekommen. „Aber so ist es nicht.“

Das Spritzen kostete viel Überwindung

Als ihr Sohn ein Jahr alt war, musste sie lernen, ihm Insulin zu spritzen. Das habe sie große Überwindung gekostet, „einfach so mit einer Spritze in den Kleinen zu stechen“. Inzwischen hat Friedemann eine Insulinpumpe, die selbstlernend ist und die Basalrate – Insulin, was der Körper kontinuierlich benötigt – automatisch anpassen kann. „Dafür muss man die Pumpe mit vielen Informationen füttern. Ganz ohne geht es eben nicht. Daher braucht er die Betreuung durch einen Pfleger in der Schule“, sagt die 39-Jährige. Dieser greife auch ein, wenn der Blutzuckerspiegel sich nicht auf Normalwerte zwischen 6,5 und 7,5 Millimol Glukose pro Liter Blut einpegele.

Die verzehrte Menge Kohlenhydrate muss in die Pumpe eingegeben werden, die daraufhin je nach Tageszeit mittels eines Katheters im Oberschenkel Insulin abgibt. Der Katheter muss jeden zweiten Tag gewechselt werden. Im Oberarm hat Friedemann einen Sensor, der den Gewebeblutzuckerspiegel kontinuierlich misst und an die Pumpe sendet. Er wird alle sechs Tage gewechselt. Aber weil die Pumpe täglich Referenzwerte braucht, muss „blutig gemessen“ werden. Aus einem Blutstropfen wird mit einem Messgerät der exakte Blutzuckerspiegel bestimmt. Friedemann ist jetzt in der 3. Klasse, und seine Mutter wünscht sich für ihn vor allem ein ganz normales Leben. Doch es sei noch ein weiter Weg, bis er selbstständig die Überwachung des Blutzuckerspiegels übernehmen kann.

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