Ziegenbraten im Streichelzoo: Was ist dran an Gerüchten über Flüchtlinge?

Erfurt/Jena  Besonders in den Sozialen Netzweken tummeln sich hartnäckig Gerüchte über Ziegen, Diebstähle und üble Nachreden. Wir haben überprüft, wieviel Wahrheit darin steckt.

Die Ziegen Minze, Smily und Smarty im Streichelzoo auf der Ega wurden Teil eines Gerüchts, das sich gegen Flüchtlinge richtete. Es wurde behauptet, sie hätten die Tiere aufgegessen. Foto: Holger John

Foto: zgt

Wer „heuteplus“ im ZDF schaut, der erfährt am heutigen Abend manches aus der Thüringer Gerüchteküche – und darüber, was Asylbewerbern und Bürgerkriegsflüchtlingen angehängt werden soll: Das Landesstudio hat einige jener Geschichten aufgegriffen, die derzeit in der Landeshauptstadt kursieren. So sollen vermeintlich Islamisten Ziegen aus dem Streichelzoo der Ega gestohlen und aufgegessen haben. Auch heißt es, dass Flüchtlinge kostenlos die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen dürften. Zudem sollen Frauen in der Messehalle von Männer dort des Nachts angepisst worden sein...

All dies stimmt nicht, macht Studioleiter Andreas Postel deutlich. Warum aber einen Bericht über Gerüchte? „Es gibt in den sozialen Netzwerken viele solcher Geschichten, die nicht überprüft und doch weitergetragen werden. In dieser angespannten Situation ist das verantwortungslos“, macht er deutlich. Das zielt vor allem auf jene, die einerseits im politischen Raum Verantwortung übernehmen wollen, andererseits aber zugleich Ängste schüren durch das Weitertragen haltloser Behauptungen.

Manches was dieser Tage weitergetragen wird als vermeintliche Tatsache ist grotesk. Die Ziegengeschichte nahm ihren Ausgang offenbar in sogenannten sozialen Netzwerken. Das ZDF belegt nun – wie dies zuvor auch schon in der TA geschehen war –, dass nichts dran ist. „Die Ziegen sind alle da“, sagt Postel. Das ist heute auch im Fernsehen zu sehen. Doch das Gerücht – so darf angenommen werden – bleibt oder taucht anderswo in ähnlicher Weise auf.

In Erfurt wurde auch hinter vorgehaltener Hand behauptet, dass in einem Supermarkt Asylbewerber straffrei stehlen dürften. Der Markt stellte aber klar, dass an dieser Behauptung nichts Wahres sei.

Ein weiterer Fall: In Erfurt heißt es, Flüchtlinge dürfen umsonst öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Das stimmt ebenfalls nicht. Inzwischen wird sogar in mehreren Sprachen darüber informiert, wie der Nahverkehr funktioniert.

Etwas komplizierter liegt der Fall, in dem es um das vermeintliche Urinieren auf Frauen in der Messehalle ging. Da wurde durch Hörensagen innerhalb der Bundeswehr schließlich sogar schriftlich dargestellt, dass einiges schief laufe in der zeitweiligen Unterkunft in den Messehallen (TLZ berichtete). Letztlich aber zeigte sich aber sowohl von seiten der Polizei als auch des Landesverwaltungsamtes, dass es darauf keinerlei Hinweise gebe – an der Sache also nichts dran sei. Die Bundeswehr wollte danach den Fall intern untersuchen – auch mit Blick auf den Informationsfluss.

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