Datenschutz überfällig - EU-Reform mit Wermutstropfen

Endlich wurden die EU-Datenschutz-Regelungen aus dem Jahre 1995 den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Leider aber bleibt unklar, wie der geplante Jugendschutz praktisch umgesetzt werden kann, schreibt Norbert Block im Leitartikel für die "Thüringische Landeszeitung".

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Europas Internet-Nutzer können aufatmen. Mit der Datenschutz-Reform, auf die sich EU-Parlament, EU-Kommission und Staaten geeinigt haben, werden die Bürger in der Europäischen Union wieder Herr über ihre eigenen Daten. Das künftige Recht, personengebundene Informationen aus sozialen Netzwerken wie Facebook und Internet-Portalen löschen zu lassen, ohne dazu im Ausland vor Gericht ziehen zu müssen, ist ein Quantensprung für die Internet-Nutzer in Europa. Die angedrohten Geldstrafen für Verstöße durch die Firmen sorgen dabei für Nachdruck.

Selten ist eine Reform so überfällig gewesen wie diese. Die aktuellen europäischen Datenschutz-Regeln stammen noch aus dem Jahr 1995 - damals gab es weder Google, Facebook & Co. Das Internet war noch in den Kinderstuben und eher was für Experten.

Umstritten bleibt, wie der im Gesetzentwurf geplante Jugendschutz umgesetzt werden kann. Kaum ein Elternteil in Europa wird sich dem Wunsch der eigenen Kinder verschließen können, sich bei Portalen wie Facebook oder Whatsapp anzumelden. Die Altersgrenze von 16"Jahren, bis zu der die Zustimmung der Eltern bei der Anmeldung erforderlich ist, wird nur auf dem Papier stehen. Denn in Schulen nutzen schon jetzt viele Lehrer diese sozialen Netzwerke, um mit ihren teils deutlich jüngeren Schülern in Kontakt zu treten. Das wird sich in den kommenden Jahren eher noch verstärken.

Ein Wermutstropfen bleibt, dass die vereinbarte Reform erst im Jahre 2018 in Kraft treten soll. Bis daher erhalten die Unternehmen Zeit, sich auf die neuen Richtlinien umstellen zu können. Gut beraten sind Firmen, die dies schon weit vor 2018 umsetzen. Sie können damit ihr eigenes Image aufwerten - zum Nutzen der Nutzer.

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