Es ist gut, dass die AfD-Basis ihrem Chef nicht blind folgt

Zum AfD-Parteitag schreibt Matthias Benkenstein in einem Kommentar der Thüringischen Landeszeitung:

Schwere Niederlagen musste AfD-Chef Bernd Lucke an diesem Wochenende einstecken. Sowohl bei der Neustrukturierung der Parteiführung verweigerte ihm seine Basis die Gefolgschaft als auch bei der Abstimmung über eine Art Grundsatzprogramm. So ganz unrecht hat Lucke nicht, wenn er von einem "Scharmützel" spricht und davon, dass die Schlacht nicht verloren wurde. Der Erfurter Parteitag hat ja eines gezeigt: Die AfD weiß immer noch nicht genau, wo sie eigentlich hin will. Und zu einem Selbstfindungsprozess können eben auch hitzige Debatten und Buh-Rufe gehören. Die Grünen haben aus ihrer Streitkultur einst eine Tugend gemacht. Jetzt haben die Mitglieder der eurokritischen AfD gezeigt, dass sie ihrem Parteichef nicht blind folgen, sondern ihren eigenen Kopf haben und ernst genommen werden wollen. Es spricht aber auch für Lucke, dass er sich besann und seinen Antrag zurückzog.

Was in diesen Tagen so gar nicht für die AfD spricht, ist deren ablehnende Haltung allen Sanktionen gegen die völkerrechtswidrige Politik Russlands gegenüber. Unter dem Motto: Irgendjemand muss doch Nein sagen... Dass Teile der Linken Verständnis für die Annexion der Krim haben, kann nicht verwundern. Dass jedoch aus der AfD-Spitze Verständnis für Putins derzeitige Außenpolitik kommt, ist überraschend. Schließlich hatte sich die Partei bisher eher liberalen Werten verschrieben. So ist aus einer eurokritischen Partei nun eine europafeindliche Partei geworden, die den meisten Europäern in den Rücken fällt.

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